3 Fragen an Sevaka Mohini

Wir sind Yoga Vidya! Unsere neue Portrait-Serie gibt Einblicke in den vielfältigen Alltag von Sevakas hinter den Kulissen von Yoga Vidya Bad Meinberg.

Durch ihr uneigennütziges Dienen tragen und gestalten Sevakas den spirituellen Alltag in den Yoga Vidya Ashrams. Dieses Mal erzählt Mohini, was ihr Seva für sie bedeutet.

 

Mohini, Web-Team und Team der Unterrichtenden

 

 

Wie sieht dein Seva-Alltag aus?

Mein Seva-Alltag ist sehr unterschiedlich. Bei mir gibt es keinen Standardtag. Das liegt vor allem daran, dass ich in zwei Teams bin: 51 Prozent im Web-Team und 49 Prozent im Team der Unterrichtenden. Damit man ein klares Hauptteam hat, teilen wir die Prozente in 51/49 auf. Das Web-Team ist also mein Hauptteam, da bin ich auch stellvertretende Teamleitung.

Es gibt verschiedene Phasen bei mir. Gerade hatte ich eine Phase, in der ich viel unterrichtet habe, damit war ich gut bedient und konnte dann gar nicht mehr so richtig ins Büro gehen. Letzte Woche aber gab es auch viele Termine für das Web-Team. Nächste Woche fahre ich in den Westerwald zum Dolmetschen. Beim Unterrichten arbeite ich ja mit den Gästen zusammen. Für diese möchte ich auch da sein, das braucht viel Aufmerksamkeit. Nach intensiven Unterrichtswochen muss ich für einen Ausgleich sorgen – für mich selbst und zwischen den Teams natürlich.

Es ist ein intensiver Spagat zwischen ganz da sein beim Unterrichten und ganz da sein beim Web-Team. Es gibt auch Tage, wo beides gemischt ist. Wo ich mal eine Yogastunde gebe und sonst im Büro bin.

Wenn man mit den Gästen zusammen ist, hat man immer Zuschauer, man steht immer vor einer Gruppe. Egal was man sagt oder tut, es wird gesehen. Man muss sehr konzentriert sein auf das, was man sagt, und sich trotzdem öffnen. Aber es braucht auch eine gute Vorbereitung. Ich mache eine Mischung aus beidem – bereite mich gut vor, aber schaue auch, was da ist, und was die Menschen gerade brauchen.

Wenn ich unterrichte und mich zu stark an mein Konzept halte, habe ich gar keine Zeit für die Menschen und ihre Fragen. Schwierig ist das bei einem vorgegebenen Unterrichtsplan. Da auch Raum zu finden, um auf Fragen einzugehen, und jedem den Raum zu geben, den er braucht, das ist schon nicht immer leicht. Wenn ich ein Seminar gebe und das selber gestalten kann, habe ich einen anderen Spielraum. Fragen beantworten ist wichtig, sonst sind die Menschen nicht offen für Unterrichtsinhalte und können diese nicht aufnehmen. Manchmal schaue ich erst einmal am Anfang, was an Fragen da ist. Manchmal sind die Menschen aber auch sehr geflasht oder erledigt, sodass sie nicht viel sagen. Das ist dann für mich ein guter Zeitpunkt, mit dem Unterrichtsplan weiterzumachen.

Die Intensität im Web-Team kommt aus den tausenden Webseiten, die wir betreuen. Ich weiß gar nicht, wie viele Seiten das sind – da darf ich auch gar nicht drüber nachdenken. Meine Aufgabe ist es, diese auf den neuesten Stand zu bringen und mobilfähig zu machen. Mein Job ist also „kreatives Aufräumen. Wenn ich das so nenne, kann ich damit auch entspannter sein. Neudeutsch würde man SEO sagen. Wir optimieren die Seiten, damit sie ansprechender sind für den User, er sich eingeladen fühlt und leicht den Weg zu uns findet.

Da passiert viel, aber nicht auf jeder Seite. Es kann immer noch sein, dass jemand auf eine Seite geht, die wir noch nicht angefasst haben. Wir können nicht alles zeitgleich angehen.

Die Wirkung unserer Arbeit hat sich auch schon gezeigt: Die Ausbildungsseiten haben wir als erstes angeschaut. Seitdem haben sich die Anmeldezahlen für die Yogalehrerausbildung verdoppelt. Das fühlt sich gut an, wenn so ein Packen geschafft ist und auch zu spüren und zu sehen ist, dass das so eine tolle Auswirkung hat.

Eine der Ausbildungen vor ein paar Wochen musste sogar in den Shanti Devi, einen größeren Raum, umziehen. Ich wohne genau über dem Raum. Das war schön,  die Geräusche der Yogalehrerausbildung am frühen Morgen zu hören.

Mein Hund Dobby ist auch mit mir seit sechs Jahren hier. Er ist immer im Büro dabei, beim Unterrichten leider nicht. Das würde er aber gerne. Dobby war mit mir schon im Zertifikatebüro. Da habe ich angefangen, als ich zu Yoga Vidya kam. Da war ich aber nur kurz, dann bin ich zu Yoga Wiki gewechselt und habe das mit aufgebaut für dreieinhalb Jahre. Irgendwann wollte ich dann mal neue Tools kennenlernen und etwas Neues sehen. Ich habe ins Social Media Team gewechselt und dann später ins Web-Team. Ich war und bin die ganze Zeit immer nah am Text. Ich habe Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Dem Text bin ich treu geblieben, der Kunst nur indirekt.

 

Es ist ein Wechsel von intensivem Unterrichten und kreativem Aufräumen unserer Yoga Vidya Websites.

 

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Was ist an deinem Leben bei Yoga Vidya anders als vorher?

Vor meiner Zeit bei Yoga Vidya war ich im Recruitment tätig. Danach habe ich mich selbstständig gemacht mit Textarbeit. Das habe ich gelernt, das kann ich. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und habe Sprachen studiert.

Beim Selbstständigsein musste ich viel Zeit in Akquise investieren. Das hat mich überrascht, da war ich wohl etwas blauäugig. Die Arbeit am Text war weniger aufwändig als die Akquise. Bei Yoga Vidya fiel die Akquisearbeit weg. Ich konnte mich wieder Texten widmen und kreativ mit Worten umgehen. Und das Ganze in Kombination mit Bildern, das ist für mich auch Ästhetik – Text und Bild aufeinander abzustimmen. Das hat die Arbeit angenehmer gemacht, weil ich machen konnte, was mir liegt.

Ich habe mich immer gefragt, was mache ich eigentlich mit meinem Magister Abschluss als Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin? Das Witzige war, als ich mich für das Wiki-Team beworben habe, hat auf einmal alles Sinn gemacht. In dem Moment habe ich erkannt, dass es richtig war. Ich konnte alle meine Fähigkeiten einsetzen und das war so leicht und schön. Alles, was ich gemacht habe, hatte einen Sinn. Und nebenbei konnte ich noch meine Yogalehrerausbildung machen.

Die Basis, die ich schon hatte, konnte ich hier gut einbringen und nebenher mit der Yogalehrerausbildung noch etwas Neues entwickeln. Ich habe die 2jährige-Yogalehrerausbildung gemacht. Mein Hund war damals erst neun Monate alt, da wollte ich ihn noch nicht abgeben, und so hatte ich die nötige Zeit für ihn. Dadurch konnte ich gut ankommen im Ashram.

Nach dem ersten Jahr der Ausbildung habe ich schon angefangen zu unterrichten. Die Arbeit mit dem Text war meine Stabilität, meine Basis, ins andere bin ich reingewachsen. Denn das Unterrichten fordert mich auf eine andere Art. Man steht dabei in der Öffentlichkeit, das gehört dazu, aber ebenso setze ich mich auch gerne mal hinter dem Computer. Das ist eine tolle Mischung für mich hier, eine Mischung, die ich noch nie hatte in meinem Leben – zumindest nicht in diesem.

 

Bei Yoga Vidya kommt alles zusammen, was mir wichtig ist: die kreative Arbeit mit Sprache und die Konzentration auf meinen Yogaweg.

 

 

Wieso sollte jeder in seinem Leben einmal Sevaka sein?

Viele Menschen machen ein soziales Jahr, ich auch, unter anderem in einem Altenheim. Das war sehr interessant und lehrreich, auf seine eigene Art. Es waren zwei Monate und diese Zeit war schön, sehr humorvoll, ich habe viel gelacht – und nur so kann man es im Pflegebereich auch schaffen. So eine Zeit ist sehr wertvoll. Im Vergleich dazu kann man im Ashram viel über sich selbst lernen.

Wenn sich jeder Mensch mindestens ein Jahr seiner Spiritualität widmet, das fände ich toll. Man kann auch ein Sabbatical machen. Viele wollen nur für ein Jahr kommen und dann bleiben sie doch länger. Es gibt hier viele interessante Menschen. Man bekommt hier mit, welche Geschichten das Leben schreibt: Dramen, Tragödien, Komödien. Einen Einblick in so viele unterschiedliche Leben hat man selten.

Auch wenn viele zum Rückzug neigen und Ruhe wollen, haben wir trotzdem ein Miteinander hier. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist auch wunderschön. Wenn man es braucht, kann man mit Schweigeschild und mit Scheuklappen unsichtbar sein. Aber genauso gibt es Momente, wo man gerne in Kontakt tritt. Momente, wo man Gemeinschaft braucht und aufgefangen werden möchte. Auf einmal taucht jemand auf, mit dem man gar nicht gerechnet hat und der ist dann einfach da.

Es ist wie in einer großen Familie. Da möchte man ja auch nicht jederzeit mit allen sein. Aber es gibt auch Momente, in denen du sie brauchst und wo sie dir hilft. Ob es Möbel tragen, Wohinfahren, Spaziergang machen oder deinen Hund zum Tierarzt fahren ist. Das ist hier eine überdimensional große Familie. Dazu gehören auch die Gäste und die Zentrumsleiter aus anderen Städten.

Wenn ich dann mal irgendwo unterwegs bin, in anderen Yoga Vidya Ashrams zum Beispiel, dann kennt man sich schon und begegnet sich anders. In anderen Ashrams ist es auch kleiner und man hat mehr Zeit. Oder im Urlaub, wenn ich dort Yoga Vidyaner treffe, ist das auch eine schöne Begegnung. Diese große Familie hat ihren Kern hier in Bad Meinberg, aber streut sich weit, über Deutschland hinaus. Egal wo man hingeht, man fühlt sich nicht mehr alleine. Diese immens große Familie begegnet dir überall.

Besonders berührt mich, wenn mir Yoga Vidya mal ganz woanders, an einem ganz anderen Ort der Welt begegnet. Man findet sofort Nähe zueinander, eine Verbindung zu den Menschen. Das ist fast schon wie ein ungeschriebener Code: Wenn du von Yoga Vidya bist und ich auch, dann haben wir eine spezielle Verbindung. Und wenn man einmal dazu gehört hat zu dieser Familie, dann gehört man immer dazu. Ich glaube, das sind jetzt genug Gründe, um für ein Jahr in den Ashram zu gehen.

 

Seiner Spiritualität treu zu bleiben heißt, sich selbst treu zu bleiben. Und das wünsche ich jedem.

 

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 Was sind Sevakas? 

In Ashrams gibt es keine Mitarbeiter/innen sondern Sevakas, die durch uneigennütziges Dienen den spirituellen Alltag im Ashram tragen und gestalten. Das Wort Sevaka stammt aus dem Sanskrit und bedeutet wortwörtlich übersetzt Praktizierender, Diener, Anhänger, Verehrer. Sevakas leben im Ashram und geben sich mit dem Notwendigsten und wenig materiellen Komfort zufrieden, um sich der spirituellen Praxis und Entwicklung intensiv zu widmen.

Sevakas leben in den Yoga Vidya Ashrams und Zentren in spirituellen Lebensgemeinschaften. In diesen spirituellen, alternativen und engagierten Kommunen dienen sie, praktizieren gemeinsam Yoga und entwickeln sich persönlich und für eine bessere Welt weiter.

 

Weitere Einblicke in den Alltag unserer Sevakas →

 

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