Aromatherapie bei Depressionen – Lara-M. Vucemilovic im Interview (Teil 1)

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen an Depressionen erkranken, sind alternative und nachhaltige Therapiekonzepte besonders gefragt. Inwieweit Ayurveda Betroffenen helfen kann, eine neue Wahrnehmung zu entwickeln und das eigene Leben selbstwirksam zu gestalten, erfährst du im folgenden aufschlussreichen Beitrag. Zur Einstimmung auf den 9. Ayurveda Kongress in Bad Meinberg vom 10. bis 12. Juni 2016  haben wir Lara-M. Vucemilovic im Vorfeld zum Gespräch gebeten. Lara wird am Freitag, den 10. Juni einen interessanten Vortrag zum Thema „Depression und Aromatherapie“ halten.

 

Vom 10. bis zum 12. Juni findet in Bad Meinberg der 9. Ayurvedakongress statt. Es erwartet dich ein breites Programm mit bekannten AyurvedaexpertInnen. Neben zahlreichen spannenden Vorträgen und Workshops wird es Dosha-spezifische Yogastunden und die Möglichkeit zu Kurzkonsultationen geben.
>>> Hier geht’s zum Programm.

 

Yoga Vidya: Liebe Lara, stelle dich bitte kurz vor. Wie bist du zum Ayurveda gekommen?

Lara-M. Vucemilovic: Oh, das ist eine Frage, die ich nur ausführlich beantworten kann. Meine interkulturelle Familie hat mich sozusagen zum Ayurveda geführt, aber auch meine Naturverbundenheit und das wissenschaftliche Interesse an Ursache – Wirkungszusammenhängen. Bei uns zu Hause wurden mehrere Sprachen gesprochen. Beobachten von Gestik, Mimik, Atem und Sprachmelodien führten später über Tanz, Meditation und Yoga zu meinem bis heute ungebrochenem Interesse an Wahrnehmung, Emotion und Bewegung und ihrem Zusammenhang mit unserem Befinden, der sozialen Interaktion und Lebensführung.

Mein Großvater war Professor für Sonderpädagogik und Philologie. Er leitete ein Heim für Menschen mit geistiger Behinderung. Als ehemaliger Diplomat hegte er gute Kontakte mit Menschen aus anderen Kulturen, unter anderem auch nach Indien und zu weiteren Ländern Südostasien. So gab es bei uns schon immer einen kulturellen Einfluss aus dieser Region. Meine Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin, war ehemals MTA sehr an Ernährung und alternativen Heilmethoden interessiert, von ihr lerne ich bis heute viel. Sie liebt Currys und machte mich zudem als recht aufgewecktes Kind mit Körperreisen als auch Massagen vertraut. Auch mein Vater, aus Kroatien stammend, ist sehr naturverbunden. Als Kursleiter und Lehrer fördert er Achtsamkeit und Sinnesschulung. Er hat mich immer in den Garten entführt und mir die Wirkungen von Kräutern und Pflanzen nahe gebracht, meinen Sinn für die Sinne geöffnet. Meine Mutter rundete das Ganze ab. Als psychologische Beraterin und Autorin tätig, führte sie mich in Yoga, als auch in Prana Heilung Techniken ein.

All diese Inspirationen und ihre Unterstützung führten dann dazu, dass ich auch schon sehr früh Yoga weitergeben durfte, andere Menschen durch Berührung und Gespräche oder Rituale begleitete.
Vom Yoga und langen Meditationen in der Natur beseelt, folgte ich früh meiner Reiselust und
vertiefte das Studium des Ayurveda, ebenso aber auch anderes naturheilkundliches Wissen aus
Europa, Südamerika, Sri Lanka, Thailand, Indien, China und Indonesien. In einigen dieser
Ländern durfte ich auch eine Weile leben. Ich besuchte Professoren, Kliniken, nahm an
professionellen Ausbildungen in Instituten teil und unterrichtete dann teilweise selbst vor Ort.

In Sri Lanka bin ich Subash begegnet. Als Ayurvedakoch und Physiotherapeut tätig, stammt er
aus einer alten Gewürzhändlerfamilie mit eigenem Restaurant. Unsere Begegnung und das Treffen weiterer lieber Menschen, mein Studium, Berufsausbildungen und viele geleitete Kurse und gemeinsame Reisen haben unsere Arbeit beseelt. All diese Dinge, die wir erlernen, praktizieren und weitergeben durften, haben mit der Zeit einen neuen Ansatz herausgelöst, der die verwandten Lehren des Yoga, des Ayurveda, den Strömungen der traditionellen Thailändischen, aber auch Chinesischen Manualtherapien mit der modernen Verhaltensmedizin, der Psychologie und Physiotherapie verbindet. Wir durften die Integrative Yogatherapie entwickeln. Ein therapeutischer Ansatz bestehend aus Passive Yoga, dem Yoga der Berührung, Anwendungen die der Therapeut ausführt, ADYA Yoga, dem Yoga der Achtsamkeit, Inspirationen und Übungen für den Alltag des Einzelnen. Natürlich fließt auch die Lehre des Ayurveda mit ein, um die Lebensgestaltung auf das individuelle Naturell des Menschen, den wir begleiten, abzustimmen.

Du hast dich auf den Bereich Aromatherapie und Ayurveda bei Depressionen spezialisiert und bietest auf dem diesjährigen Ayurvedakongress einen Workshop dazu an. Kannst du uns vorab erzählen, wie eine Depressionen im Konzept des Ayurveda entsteht?

Ein depressiver Zustand ist immer ein individueller Prozess. Die Ursachen sind sehr vielfältig und variieren von organischen Problemen, bis hin zum Erleben traumatisierender Ereignisse. Eine Lebenssituation, in der man vielleicht dauerhaft überfordert wurde und in der man irgendwann resigniert und verharrt, kann auch eine Ursache sein. Der Verlauf einer Depression kann so in Tiefe, Dauer und Phasen aus schulmedizinischer und ayurvedischer Sicht ganz unterschiedlich verlaufen.

Das eigene innere Energiependel zwischen den aktiven, kreativen Kräften und den passiven, erhaltenden, Entspannenden ist nahezu zum Stillstand gekommen. Wir sind erschöpft, hilflos, haben gar aufgegeben oder rebellieren bei einem depressiv-aggressiven Zustand gegen uns und unser Lebensumfeld. Daher ist die Therapie individuell auf den einzelnen Menschen mit seiner Art der Wahrnehmung, seiner Leidensgeschichte, seinen körperlichen Zustand anzupassen. Man kann nicht von der „Depression“ sprechen.

Um aus der gedanklichen Abwärtsspirale einer Depression auszusteigen und gedanklich, als auch in der Lebensführung neue Wege zu beschreiten, hilft es dem Betroffenen und seinen Angehörigen, diesen Prozess in erster Linie, als etwas natürliches  zu akzeptieren. Es ist wichtig den Betroffenen nicht nach dem “Dont worry be happy”, oder ,”krank-gesund” Prinzip zu überfordern, sondern ihn anzunehmen, mit seiner Wahrnehmung und seinem depressiven Erleben. Das hilft ihm weniger Druck und psychosozialen Stress zu empfinden und bestärkt ihn seine Energieressourcen wieder aufzuladen und sie langsam und bewusst einzusetzen.

In dem Dossier der Yoga Aktuell 71 „Burnout oder das menschliche Streben nach Glück“ bin ich tiefer auf die psychophysiologischen Zusammenhänge aus ayurvedischer Sicht eingegangen, sowie auf den Behandlungsansatz, subjektives Wohlbefinden bei Burnout und Depression durch Achtsamkeit zu stärken. Erfahrungen hierzu konnten wir unter anderem durch eine einjährige klinische Studie zur Anwendung der Integrativen Yogatherapie bei Depression und Emotionsregulationsstörungen sammeln.

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