Die 5 Säulen des Hatha Yoga und ihre Anwendung im Alltag – Teil 2

In dieser Serie stellen wir dir die fünf Säulen des Hatha Yoga vor und zeigen auf, welchen Nutzen Du daraus für Deinen Alltag ziehen kannst. Im ersten Teil (den findest du hier) hatten wir uns den drei Aspekten Asana (Körperstellung), Pranayama (Atemübungen), und Entspannung gewidmet.

Heute wollen wir uns die letzten beiden der fünf Säulen des Hatha Yoga nach Swami Sivananda und Swami Vishnudevananda anschauen.

Nochmal zur Erinnerung: Die fünf Säulen des Hatha Yoga sind:

  • Asana (Körperstellung)
  • Pranayama (Atemübungen)
  • Entspannung
  • Ernährung
  • Meditation / positives Denken

Unsere Nahrung wirkt nicht nur auf den physischen Körper, sondern auch auf Teile des Astralkörpers. Der Astralkörper umfasst unser Energiesystem mit Chakras (Energiezentren), Nadis (Energiebahnen) und Prana (Lebensenergie) sowie Geist, Emotionen und Intellekt.

Von der körperlichen Seite betrachtet, sollten wir Lebensmittel essen, die für unseren Organismus gut verdaulich und nahrhaft sind, ihn gesund und stark erhalten und natürlich gut schmecken. Auf der Astralen Ebene sollen sie einen klaren Geisteszustand unterstützen.

Wie geht das?

Um besser verstehen zu können, wie Nahrung sich auf unseren Gemütszustand auswirken kann, ist es gut, sich mit den drei Gunas, den drei Qualitäten der Natur vertraut zu machen. Alles in der Natur auf physischer, geistiger und emotionaler Ebene unterliegt den Gunas.

Die drei Gunas sind:

  • Sattva: Reinheit, Klarheit
  • Rajas: Aktivität, Bewegung
  • Tamas: Trägheit, Faulheit, Ignoranz

In allem sind immer alle drei Gunas vorhanden. Die Dinge unterscheiden sich dadurch, welche Qualität vorherrschend ist. Um Befreiung zu erlangen, ist es Ziel der Yogis, sich von allen drei Gunas zu lösen und sich nur noch mit Brahman zu identifizieren, denn nur Brahman (reines Bewusstsein) steht über den Gunas.

Bis dahin jedoch, wollen wir einen möglichst sattvigen Lebensstil führen, damit auch im Geist so viel und so oft wie möglich Sattva, also Klarheit und Frieden herrschen. Und dabei kann uns unsere Nahrung unterstützen. Denn so wie alles im Universum, enthält auch unser Essen alle drei Gunas.

Unsere Lebensmittel lassen sich in drei Gruppen einteilen: Sattvige, rajasige und tamasige Nahrung.

Die sattvigen Nahrungsmittelgruppen sind:

  • Gemüse und Salat
  • Obst
  • Getreide (Vollkorn, kein Weißmehl)
  • Hülsenfrüchte, Saaten und Nüsse (und Fette)

Rajasige Nahrungsmittel sind z.B. Weißmehl, Zucker, Kaffee und scharfe Gewürze. Hastiges Essen wirkt rajasig. Zu tamasiger Nahrung gehören unter anderem Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak und andere Drogen, Tiefkühlkost, Konserven, unreife oder alte Nahrung, was zu lange gekocht wurde und wenn man zu viel isst.

Als Yoginis und Yogis versuchen wir, uns vor allem mit sattvigen Lebensmitteln zu ernähren. Rajasige Nahrung sollte nur sehr reduziert gegessen und auf tamasige Nahrung so gut es geht verzichtet werden.

Dies sind allgemeine Richtlinien, die uns nicht davon abhalten sollten unseren gesunden Menschenverstand zu benutzen. Auch wenn z.B. scharfe Gewürze als rajasig gelten, sind sie doch sehr gesund und können bei Verdauungsproblemen oder Erkältungen als Medizin wirken.

Und manchmal tut ein Stück Schokolade der Seele gut oder es wäre einfach gemein, den Geburtstagskuchen, den deine Oma dir gebacken hat, nicht zu kosten. Es ist gut, Regeln zu haben, die gesund sind, aber es ist nicht gesund, diese zum Dogma oder Fanatismus werden zu lassen.

Meditation und positives Denken

Das ist letztendlich das, worauf es ankommt und wofür wir die anderen Techniken praktizieren. Wir wollen glücklich sein. Ein gesunder Körper und viel Energie sind toll, aber keine Garantie zum glücklich sein.

Ich kann den schönsten und stärksten Körper haben und dennoch unglücklich sein. Andersrum kann ein Mensch, obwohl er krank oder körperlich behindert ist, sehr glücklich sein. Es kommt also darauf an, wie und was ich denke!

Und genau das üben wir in der Meditation. Durch verschiedene Konzentrationsübungen wie zum Beispiel Mantra-Wiederholung oder Beobachtung des Atems, wird uns bewusst, wie viele Gedanken wir haben und dass diese Gedanken Objekte sind, die kommen und gehen, aber keinen Einfluss auf uns haben müssen – es ist unsere Entscheidung.

So lernen wir Schritt für Schritt uns von negativen Gedanken zu lösen und hilfreichen Gedanken mehr Raum zu geben. Das bedeutet nicht, dass wir Dinge, die uns traurig oder wütend machen, einfach ausblenden und so tun, als wären sie nicht da.

Es heißt viel mehr, dass wir uns konstruktiv mit diesen Dingen auseinander setzten und schauen, wie die Situation uns nutzen kann, wie wir das Beste daraus machen was wir daraus lernen können. Es ist eine andere Art, die Welt zu sehen.

Wenn wir das Vertrauen haben, dass immer alles gut und zu unserem Besten ist, können wir in jeder Situation nach Geschenken suchen und werden sie auch finden. Das Leben wird zu einem spirituellen Lernfeld und zur ständigen Meditation, wenn Du, anstatt mit dem Finger auf scheinbar Schuldige zu zeigen und Dich als Opfer zu bemitleiden, anfängst, Dich zu fragen:

Was erzählt mir diese Situation über mich? Was halte ich fest, was ich besser los lassen sollte? Vor was habe ich Angst? Was möchte ich vermeiden? Warum fühle ich mich in dieser Situation traurig/ ängstlich/ wütend/ enttäuscht/ genervt ect.?

Es geht darum, den Geist immer wieder leer zu machen, sich von Gedanken und Emotionen zu lösen und die Dinge so klar wie möglich zu sehen. So kommst Du immer mehr in den Augenblick und wirst mit jedem Los lassen etwas freier.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Hatha Yoga eine wundervolle Praxis ist, die das menschliche Wesen in seiner Gesamtheit berührt.

Mit Asanas halten wir den Körper fit und geschmeidig, um entspannt meditieren und unsere Aufgaben im Alltag erledigen zu können. Pranayama gibt uns Energie und reinigt den astralen Körper.

Durch bewusste Entspannung bleiben wir gelassen und belastbar und bewahren einen klaren Kopf. Und die sattvige Ernährungsweise unterstützt die körperliche Gesundheit und die geistige und emotionale Harmonie.

Damit schafft Hatha Yoga beste Voraussetzungen für eine regelmäßige Meditationspraxis und mehr Bewusstheit im Alltag, die zur mehr Freiheit und weniger Leid führen.

Hatha Yoga macht happy!

Om Shanti

Quellen:

Seminare mit Gauri:

  • Asanas anatomisch exakt, 16.11.2018 – 18.11.2018
  • Asana intensiv für Achtsamkeit, Geduld und Beweglichkeit, 23.11.2018 – 25.11.2018
  • Asana intensiv – Sonnengebete, 14.12.2018 – 16.12.2018
  • Asana intensiv – Hingabe an Gott, 21.12.2018 – 23.12.2018
  • Asana intensiv, 25.12.2018 – 01.01.2019

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

→ Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

 

1 Kommentar zu “Die 5 Säulen des Hatha Yoga und ihre Anwendung im Alltag – Teil 2

  1. Danke dir, liebe Gauri für diesen Artikel! Wenn man sich etwas mit Yoga befasst und selber praktiziert, dann weiss man das ja eigentlich alles. Und doch bin ich persönlich froh, wenn ich auf so eine angenehme Art daran erinnert werde =) Kurz, knackig, gut verständlich und so was von treffend. Damit auch geeignet für ALLE, welche erst mit Hatha Yoga beginnen. Oder es noch wollen. In jedem Fall sehr motivierend =) Schreib weiter so =)

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