Dusty Wenk – von der Barbesitzerin zur Yogalehrerin

Dusty Wenk, 38, lebt und arbeitet im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Sie ist stellvertretende Teamleiterin der Küche und wie es so schön heißt: “Die Küche ist das Herz des Ashrams“. Dies verkörpert sie mit ihrer herzlichen und feurigen Art. Doch nicht nur da wirkt sie. Sie engagiert sich vielfältig und hat sich, da sie selbst lesbisch ist, das Ziel gesetzt, mit ihren Seminaren vor allem auch Schwule und Lesben zu erreichen. Dusty hält die homosexuelle Szene für sehr spirituell und möchte mit ihren Seminaren speziell diesen, aber natürlich auch allen anderen Interessierten eine erste Anlaufstelle als Einstieg in die bunte und facettenreiche Yogawelt bieten!

In einem Interview gibt sie uns einen kleinen Einblick in ihre Motivation und ihren bisherigen Werdegang. Von der Barbesitzerin, zur Clubbesitzerin, zur Menschenrechtsaktivistin in den Vereinigten Staaten und Gründerin einer privaten Hilfsorganisation für sozial Benachteiligte und Obdachlose bis hin zur Yogalehrerin hat sie schon so einiges erlebt.

Warum willst du speziell Schwule und Lesben für den spirituellen Weg motivieren?

Ich bin selbst lesbisch und denke, von der spirituellen Sicht aus betrachtet, bin ich dies nicht ohne Grund. Ich bin überzeugt, dass Schwule und Lesben mit ihrem Anderssein eine ganz besondere Mission haben, quasi eine karmische Aufgabe, die Welt mit ihrem Anderssein zu inspirieren, etwas bunter zu machen und starre, eingefahrene Systeme zu verändern.

Wie hat sich dieses Anderssein bei dir geäußert?

Dusty_Kopfstand-01Auch wenn ich erst mit 18 eindeutig verstand, dass ich lesbisch bin, wusste ich doch schon als Kind, dass auch meine ganze Denkweise schon sehr anders war als die der “Gesellschaft” und der meisten Menschen, die mich umgaben. Ich konnte schon sehr früh bei vielem, was so eindeutig nicht gerecht war, nicht verstehen, wie die Menschheit all das ohne sich aufzubäumen hinnehmen konnte.

Zum Beispiel verstand ich nicht, wie eine katholische Kirche, die ihre Päpste, Bischöfe und Priester prunkvoll kleidete, im größten Luxus leben konnte, von Teilen und Hingabe sprach, dann aber trotzdem andere Menschen in größter Armut leben lassen konnte ohne groß einzuschreiten. Auch die Korruption in der Politik und die Politiker mit ihren millionenschweren Werbekampagnen, die sich eigentlich für die Menschheit einsetzen sollten. Oder in der Sportwelt, dass die großen Sportclubs, die das meiste Geld hatten, die besten Spieler einkaufen konnten, wo blieb da der faire Wettbewerb? Somit können Sportler Millionen verdienen und Krankenschwestern im Vergleich dazu fast nichts. Und dann eben dieser massive Schwulenhass. All das konnte ich schon sehr früh nicht verstehen. Es gab so viele Baustellen, die von mir in die Hand genommen werden wollten! Somit war mir als junger Mensch eins deutlich klar, Geld regiert die Welt. Und da war mir klar: Wenn ich wirklich etwas verändern möchte, dann brauch ich dafür Geld. Viel Geld. Also beschloss ich, selbst meine Million zu verdienen, um dem offensichtlich herrschenden Ungleichgewicht entgegenzusteuern. Somit war mit 20 Jahren mein Masterplan, dass ich bis ich 30 bin eine Million verdiene, um mich dann vollständig der Weltrettung widmen zu können. Für diese Zwecke eröffnete ich eine Szenebar in meiner Heimat, Nürnberg, das 75B.

Und – was wurde aus dem Traum von der Million?

Trotz meiner Bemühungen merkte ich: 75B ist vielleicht die ideale Körbchengröße, aber vielleicht doch eine Nummer zu klein um mich mit der erhofften Million auszustatten. Ich beschloss, eine Dimension größer zu werden und nahm einen Kredit auf, um eine Fabrikhalle anzumieten und mit Hilfe meiner Freunde in eine Partylocation zu verwandeln. Völlig motiviert hatte ich dann in meinem jugendlichen Leichtsinn nicht rechtzeitig festgestellt, dass ich auf einen Immobillienhai herein gefallen bin, und musste dann die leidvolle Erfahrung machen, dass meine Miete von einem Tag auf den anderen um das Dreifache erhöht wurde. Statt dass ich die Schulden des Kredits monatlich abbezahlen konnte, kamen jeden Monat neue dazu. Letztendlich konnte ich die Miete nicht mehr bezahlen und musste schweren Herzens die Location dicht machen. Fast zeitgleich zu diesem großen Schock kam dann auch noch die Trennung meiner 10-jährigen Beziehung dazu, da meine erste große Liebe, die mittlerweile zurück in ihrer Heimat, den Staaten, wohnte, wieder in mein Leben trat und ich mir eingestehen musste, dass meine Gefühle von damals noch immer so stark waren wie 11 Jahre zuvor. Der Verlust meiner Eventlocation, meines großen Traums und meiner mir so vertrauten, langjährigen Partnerin war meine erste schwere Lebenskrise. Dies war eine Zeit, in der ich gefühlt nicht hätte tiefer sinken können.

Wie bist du aus dieser Lebenskrise herausgekommen?

Ich habe auf mein Herz gehört. Der Gedanke an Amerika und meiner ersten großen Liebe, fing an, in mir zu arbeiten. Ich wusste, ich musste dem nachgehen, und so machte ich mich auf den Weg nach Los Angeles, wo ich dann in einem Tierheim jobbte. Dort kam auch meine treueste Freundin zu mir: Happy, meine Hündin, die mich seitdem überall hin begleitet. Doch da meine große Liebe in der Army und in Augusta, Georgia verpflichtet war, bin ich nach Atlanta, Georgia umgezogen. Atlanta war eine Stadt, in der ein Wind wehte, der nach Veränderung roch. Ich lernte viele inspirierende Menschen kennen, und merkte, um Menschen helfen zu können und Dinge zu verändern, benötigt es nicht unbedingt Berge von Geld. Somit richtete ich mein Engagement danach aus, all diese inspirierenden Menschen unter einen Hut zu kriegen und gründete kurzerhand eine private Organisation, The Real Rolemodels („Die wahren Vorbilder“), mit der ich eine Art Dachverband für alle Organisationen, die sich um die zahlreichen Obdachlosen in der Stadt kümmern, bildete. Unter anderem organisierte ich auch einen Civil Rights March für Schwule und Lesben und ließ dort unter anderem Politiker und Aktivisten Protestreden halten.

Dein Aufenthalt in Georgia klingt nach einer aufregenden Zeit. Was hat dich diese Zeit gelehrt?

Ich fühlte in dieser Zeit eine sehr starke Führung, die meinem Leben eine Richtung gab. Und das, obwohl ich an vielen Tagen nicht einmal Geld hatte, um mir Klopapier zu kaufen! Denn ich musste ja jeden übrig gebliebenen Penny nach Hause schicken, um meine Schulden abzubezahlen. Auch musste ich mir immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um mein Visum zu verlängern. Doch immer dann, wenn es nicht mehr weiterging – und es gab viele Sackgassen, das Geld reichte hinten und vorne nicht – kam ein Mensch um die Ecke, der mir die Hand reichte. Diese Zeit lehrte mich dadurch vor allem eins, Dankbarkeit. Denn schließlich blieb mir eines, was vielen der Menschen, für die ich mich mit meiner Organisation einsetzte, nicht mehr blieb, und zwar Hoffnung.

Zu dieser Zeit hatte ich viel Zeit mit zwei Reiki-Meisterinnen, in einem Mastermind Team und in Meditation verbracht und lernte dadurch die immense Kraft der Gedanken kennen. Ich beschäftigte mich sehr viel mit Abraham Hicks und der Law of Attraction, Teal Swan, A Course in Miracle und Marianne Williamson und vielen der Hay House Autoren wie zum Beispiel Wayne Dyer und begriff: Was sich im Außen abspielt, ist genauso auch in meinem Inneren zu finden. Wenn ich die Welt verändern will, muss ich nicht da ansetzen, wo ich es früher versucht habe – im Außen -, sondern ich muss an meiner Einstellung arbeiten. Und die positive Einstellung zieht dann wiederum positive Ereignisse an – es ist magisch!

 

Dusty_Meditation-01Kannst du dafür ein Beispiel für die Kraft der Gedanken nennen?

Ja, zum Beispiel manifestierte ich den perfekten Job für mich. Ich lernte beim Organisieren des Civil Rights March die Firmenchefin von Gayborhood kennen – eine Firma, die mit den Gelben Seiten zu vergleichen wäre. Nur dass sie nicht einfach nur Firmen listet, sondern nur ausschließlich schwulenfreundliche Firmen. Die Firmenchefin, selbst lesbisch, wurde im täglichen Leben mehrfach massivst diskriminiert und beschloss daraufhin, ein Firmenverzeichnis anzufertigen, bei der nur Firmen gelistet werden, die sich eindeutig tolerant gegenüber Homosexualität bekennen. Und ich sah darin meine große Chance, denn zu dieser Zeit zog es mich nach Austin, Texas – wieder meiner großen Liebe hinterher. Austin, Texas war für Gayborhood noch kaum erschlossen. Also sprach ich sie prompt darauf an und sagte, dass ich gerne als Außendienstmitarbeiterin in Austin on tour gehen möchte. Und just like that hatte ich den Job und von der Firma sogar Startkapital um den Markt aufzubauen.

Doch war für mich auf Dauer dann doch ein anderer Weg vorgesehen, denn mein Visum war schon überzogen und ich musste ausreisen. Nach einem Aufenthalt in Deutschland wollte ich wieder in die USA einreisen, doch da ich das letzte Visa überzogen hatte, wurde mir die Einreise verwehrt und ich hätte mich erst einem langen, aufwendigen Visaverfahren unterziehen müssen.

Keine Möglichkeit für dich, in die USA zurückzukehren – wie konntest du in Europa wieder Fuß fassen?

Zurück in Deutschland habe ich mich dann erst einmal in Reiki einweihen lassen. Da ich während meines Aufenthaltes in den USA meine Spiritualität sehr vertieft hatte und somit sich auch viele meiner Ansichten und Lebensweisen geändert hatten, suchte ich dann in Europa nach einer spirituellen Gemeinschaft. Erst dachte ich, in Italien in Damanhur fündig zu werden, da dies eine wunderschöne Föderation von spirituelle Gemeinschaften ist, doch konnte ich mich nicht damit anfreunden, dass dort noch Alkohol getrunken und Fleisch gegessen wurde. Wieder zurück in Deutschland fragte mich mein Bruder, ob ich ihn zu einem Seminar bei Yoga Vidya begleiten möchte, und als ich dann hier in Bad Meinberg ankam, spürte ich sofort: Hier will ich bleiben! Und dies obwohl ich noch nicht im geringsten mit der indischen Yoga– Tradition vertraut war. Bei meinem Einführun