Sommersonnenwende an den Externsteinen

Bericht aus der Lippischen Landeszeitung:

 

Von Martina Karaczko Einzeln oder in Gruppen sind wieder mehrere hundert Menschen aus ganz Deutschland zu der Felsformation gepilgert, die in der Nacht auf den 21. Juni besonderes Interesse genießt. Dieses Datum lockt seit langem viele Menschen an den Ort, der sich zu einer Pilgerstätte für Esoteriker entwickelt hat. Schon drei Stunden vor Mitternacht blicken die Menschen in den Himmel: Dort schwebt ein unbekanntes Flugobjekt, gelblich erleuchtet. Hat die Mystik schon begonnen? Eine spezielle Kraft soll von den Steinen ausgehen. Doch wer ein Ritual am Fuße der Steine oder Mystik im Abendhimmel erwartet, den empfängt Deutsches Rotes Kreuz und Polizei. Der Rasen vor den Felsen hat sich in eine Zeltstadt verwandelt. Überall sitzen und liegen die Sommersonnen-Jünger auf Decken oder auf der Wiese. Das Lagerfeuer im Mittelpunkt und einige kleinere Ableger machen die Luft trübe vom Rauch. Jenseits der Feuer ist es mittlerweile stockdunkel. Vermutlich werden die Decken leiden unter den vielen Fußabdrücken. Während auf der Wiese die Stimmung sehr intensiv ist, liegen die Externsteine im Dunkeln. Nur eine kleine Fackel zaubert bizarre Lichtspiele auf die Oberfläche. Drei einsame junge Männer trommeln dort für sich. Robert Grobelny ist einer von ihnen. Er hat den Weg aus München hinter sich. „Ich interessiere mich fürs Mittelalter und für Götter“, sagt er. Er sei das erste Mal hier und spüre eine pulsierende Kraft von den Steinen ausgehen. Zurück zum Feuer: Wie im Rotationssystem wechselt dort der harte Kern die Plätze. Immer wieder andere schieben sich nah ran ans Geschehen. Manch Trommler, der sich zuvor am Rande des Feuers wähnte, sitzt plötzlich in der dritten Reihe, weil immer mehr Menschen die kleinen Lücken füllen, um nah dran zu sein. Doch niemanden stört es. Die Stimmung ist friedlich. Ein paar Meter weiter spielt jemand Dudelsack, die nächsten zeigen ihre Fertigkeit mit den Feuerstäben. Dann Ent-Mystifizierung des UFOs: Es entpuppt sich als japanischer Feuerballon, von denen noch mehrere in die Lüfte geschickt werden sollten. Ein Festival ist es, aber kein esoterisches. Manche sind gekleidet wie Esoteriker, vielleicht sind sie es. Doch der Großteil der Besucher ist keiner Gruppierung zuzuordnen. Einige tragen neonfarbende Leuchtbänder, sie scheinen nur ein wenig feiern zu wollen. Zwei Studenten aus Enger verlassen das Geschehen bereits um halb eins. Sie studieren Maschinenbau und wollten einfach nur mal schauen. Ein anderer, jemand aus der unmittelbaren Nachbarschaft, kommt her, weil er hier trommeln kann, ohne dass es jemanden stört. Ein echter Zusammenhang zwischen Göttern und Steinen ist logischerweise gar nicht belegt. Das Festival beruht wohl mehr auf einer Pseudotradition, die keiner so recht benennen kann. Die Sommersonnenwende ist ein alternatives Volksfest geworden, ohne Bierstände und Grillbuden. Man versorgt sich selbst. Förster und Landesverband werden den Müll wegräumen, der sich von Stunde zu Stunde vermehrt. Ein paar Meter von den Münchnern entfernt steht Oberkommissar Thomas Behrend. Er hat Dienst bis um sechs. „Ich gehe davon aus, dass es ruhig bleiben wird“, sagt er. Er wird Recht behalten, die bunte Menschenmenge bleibt an diesem Wochenende friedlich.

 Copyright: Lippische Landeszeitung

 

 

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