The Power of Sequenzing – Wie Deine Yogastunden zu einem ganz besonderen Erlebnis werden

Vielleicht hast Du das schon einmal erlebt: Du besuchst eine Yogastunde, die irgendwie anders ist, als andere.

Es ist, als würdest Du auf eine Reise gehen. Du bist mit Deiner Konzentration und Aufmerksamkeit völlig absorbiert, bewegst Dich ganz natürlich, wie in einem Fluss, von einer Position in die nächste und wunderst Dich am Ende, wie es Dir möglich war, so weit in die Rückbeuge oder Hüftöffnung zu kommen.

Womöglich kennst Du Yogalehrer, deren Stunden immer besonders gut besucht sind, weil sie irgendwie anders unterrichten und die Yogastunde bei ihnen zum Erlebnis für die Schüler wird.

Was steckt dahinter?

Die Antwort lautet: Sequenzing!

Diese Yogalehrer sind weder erleuchtet, noch können sie zaubern. Sie beherrschen einfach die Kunst des Sequenzings. Und diese ist kein Geheimnis und kann von jedem erlernt werden.

Was bedeutet Sequenzing?

Sequenzing heißt, dass ich mir als YogalehrerIn Gedanken darüber mache, was ich in meiner Yogastunde machen möchte und ihr ein Thema gebe. Dieses Thema wird dann während der Yogastunde vorbereitet, findet seinen Höhepunkt (Peak) und wird danach wieder ausgeglichen.

Das Thema der Yogastunde ist Dein Peak-Asana. Dies könnte zum Beispiel Chakrasana, das Rad sein. Nun kannst Du Dir überlegen, was dieses Asana von Deinen Schülern verlangt:

Starke Handgelenke, gedehnter Trizeps, Außenrotation der Oberarme, Öffnung und Länge auf der gesamten Körpervorderseite, besonders Brustkorb und Hüftbeuger, Kontrolle über die Beckenstellung…

Du kannst Dich fragen:

  • Was muss offen/gedehnt sein?
  • Was muss gekräftigt sein?
  • Wo brauche ich Körperbewusstsein?

Entwicklung der Yogastunde

Anhand dieser Fragen kannst Du Dir Übungen und Asanas überlegen, die Du dem Peak-Asana vorschaltest, um die Schüler körperlich darauf vorzubereiten. Dabei beginnst Du mit ganz einfachen und leichten Bewegungen, die dann immer schwieriger und intensiver werden.

Für den Peak kannst Du den Schülern einfachere und schwierigere Varianten und Hilfsmittel anbieten, damit jeder seinen Fähigkeiten entsprechend üben kann.

Danach sollten die Schüler einen Moment in einer neutralen Position verweilen, damit sich das Geübte setzen und das Nervensystem sich beruhigen kann. Das kann im Fersensitz, im Stehen oder im Liegen geschehen. Auch der herabschauende Hund kann eine neutralisierende Übung sein.

Danach ist es wichtig, dem Körper einen Ausgleich zu geben. Du kannst Dich fragen: Welche Körperteile wurden in welcher Weise besonders beansprucht? Mit welchen Bewegungen/ Asanas kann ich das auf möglichst sanfte Weise ausgleichen?

Dies könnte in unserem Beispiel vom Rad möglicherweise sein, dass Du die Handgelenke lockerst, Schultern und Nacken entspannst, die Wirbelsäule mit einer sanften Drehung ausgleichst, um dann in eine lockere Vorbeuge zu gehen. Auch eine leichte Hüftöffnung kann angenehm sein.

Um das Thema Deiner Yogastunde zu unterstützen, kannst Du Dir überlegen, mit welchem Chakra Dein Peak-Asana in Verbindung steht. Welches Element ist damit verbunden? Welche Gottheit? Welche Mantras? Welche Eigenschaften? Welche Story? Welches Pranayama passt dazu? Welche Bilder und Worte?

Chakrasana in unserem Beispiel könnte man mit dem Anahata Chakra (Herzzentrum) in Verbindung bringen. Dieses steht für das Luftelement. Hier geht es um Weite, Ausdehnung, Bewegung, Freiheit, im weitesten Sinne um Mut. Vielleicht kannst Du dazu eine Story aus dem alltäglichen Leben in die Stunde rein nehmen.

Du könntest das mit Krishna in Verbindung bringen und die Lebensfreude dazu nehmen und ein Krishna Mantra singen. Möglicherweise möchtest Du am Schluss der Stunde in der Meditation besonders zum Herzen spüren oder eine Ausdehnungsmeditation machen.

Welche Entspannungstechnik passt in Shavasana dazu? Vielleicht kennst Du ein Mudra, dass dazu passt und das Du in Deine Stunde integrieren möchtest?

Unser integraler Yoga nach Swami Sivananda bietet Dir eine reichhaltige Fülle an Werkzeugen und Möglichkeiten Deine Yogastunde immer wieder neu zu gestalten. Und hier kommen bei vielen Yogalehrern oft die Fragezeichen: Wie soll ich das bei einer festgelegten Asanareihe (die Yoga Vidya Grundreihe) umsetzen?

Ganz einfach: Werde kreativ!

Die Antwort heißt: Wenn Dein Yogastunden-Gerüst bisher aus Asanas bestand (Shirsasana, Sarvangasana, Halasana ect.), ersetze die Asanas durch Asana-Gruppen, die Du dann themenbezogen füllen kannst.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Das ist das Gerüst der klassischen Yoga Vidya Mittelstufenstunde:

Weiche dieses Gerüst auf, indem Du die Asanas durch Asana-Gruppen ersetzt und dir erlaubst Teile hinzuzufügen:

  • Ankommen (Shavasana, Sitzen, Meditation, Mantra, Talk)
  • Pranayama (kann auch am Ende der Yogastunde nach Shavasana geübt werden)
  • Aufwärmende Übungen (z.B. Katze-Kuh mit verschiedensten Varianten)
  • Surya Namasaka klassisch
  • Surya Namaskara mit Variationen (z.B. alle Standhaltungen, Stützhaltungen, Variationen im Hund und vieles mehr)
  • Bauchmuskleübungen
  • Umkehrhaltungen (und Stützhaltungen), Rückbeugen
  • Vorwärtsbeugen und Hüftöffner
  • Rückbeugen
  • Drehungen (hier kann die Stunde enden und Du kannst weiter gehen zu Shavasana)
  • Stützhaltungen
  • Standhaltungen
  • Shavasana
  • Mediation, Mantra

Nun kannst Du Dir überlegen an welche Stelle dieses Gerüstes Du Dein Peak-Asana setzt und wie Du die vorbereitenden und ausgleichenden Übungen und Asanas in das Gerüst ein flechtest. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Die Yoga Vidya Reihe ist keine Fessel. Sie ist ein energetisch wirksames Grundgerüst, anhand dessen Du wundervolle kreative Yogastunden bauen kannst, die Deine Schüler abholen, wo sie stehen und auf eine spannende Reise mitnehmen, auf der sie immer tiefer eintauchen in die Asanas, ihren Körper, den Atem und in sich selbst.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Om Shanti

Quellen:

  • Yoga-Workouts gestalten, Mark Stevens

Seminare mit Gauri

  • 01.02.2019 – 03.02.2019, Ayuryoga (Yoga Vidya Westerwald)
  • 15.02.2019 – 17.02.2019, Asana intensiv – Die 84 Hauptasanas
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Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

→ Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

 

5 Kommentare zu “The Power of Sequenzing – Wie Deine Yogastunden zu einem ganz besonderen Erlebnis werden

  1. großartiger Wegweiser ! mille mille grazie 😉 Gauri

  2. großartiger Wegweiser, mille mille grazie 😉 Gauri

  3. Hallo Gaudi, deine Artikel sind immer wieder einfach inspirierend! Ich lese dich sehr gerne!

  4. Chappeau .. das ist ein sehr hilfreicher Bericht .. ich habe noch nie eine Yogastunde gemacht, aber jetzt ist es soweit ..

  5. Danke Gauri! Immer wieder gute Anregungen… Om shanti… Grüße aus dem Odenwald von Yadunandini

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