Mitternachtsraga mit Anubhab

Ein Konzert besonderer Art war am Samstagabend im Seminarhaus Yoga Vidya Westerwald zu hören. Drei Musiker des Ensembles und Projektes „Anubhab“ spielten klassische indische Raga-Musik, aber auch zwei Kirtans und ein tibetisches Heilmantra als Zugabe. Anubhab faszinierte und konfrontierte gleichzeitig mit einer ganz anderen Art von Musik, die wir Europäer nicht gewohnt sind: „Toll und mit soviel Hingabe und Liebe haben sie gespielt und gesungen“, sagten einige Zuhörer nach dem Konzert. Wieder andere würden sich erst noch mehr in die Musik reinhören müssen, sie sei noch so fremd. Doch genau das will Anubhab ändern: „Wir möchten die klassische indische Musik, aber auch Kirtans, Bhajans oder Bollywood in Europa spielen und die Musik hier verständlich machen“, sagte der Gründer von Anubhab Debasish Bhattacharjee.

Zum Ensemble Anubhab zählen insgesamt 16 indische Musiker, vornehmlich von der Rabindra Bharat Universität Kalkutta, die im Wechsel für 1-3 Monate nach Deutschland kommen, um Konzerte und Projekte mit indischer Musik zu geben. Am Samstagabend waren neben dem Gründer Debasish der Harmoniumspieler und Sänger Ashish Gurung sowie die Managerin, Sängerin und Tanpuraspielerin Conny Rave auf der Bühne. Sie präsentierten uns einen Spätabend- oder Mitternachtsraga.

„Ein Raga, ganz allgemein, ist eine melodische Grundstruktur der klassischen indischen Musik“, erklärte Conny. Jeder Raga beruhe auf einer feststehenden Tonskala, d.h. nur diese Töne des Skala werden beim Spielen verwendet. „Es gibt unzählige Arten von Ragas, die eine bestimmte Stimmung ausdrücken und Tageszeiten, Jahreszeiten oder Festen zugeordnet werden“, beschrieb uns Debaisish die Vielfalt und Tiefe der Ragas. Der von Anubhab präsentierte Mitternachtsraga sei ruhiger, meditativer Art. Ashish spielte zu Anfang des Konzertes die Töne des Mitternachtsragas auf dem Harmonium vor. „Mit diesen Tönen wird er improvisieren und die vier Teile eines Ragas entwickeln und gestalten“, erklärte Conny den weiteren Ablauf.

„Der erste Teil des Ragas heißt Alaap“, führte sie weiter aus. Er sei die Einführung in den Raga, in dem die Melodien entwickelt werden. Diesen Teil spielte Ashish alleine. Danach, im zweiten Teil Bilampath, setzt auch Debasish an der Tabla ein. „In zweiten Teil wird Krishna als König besungen, in einer Komposition, die auf 48 Schlägen beruht“, sagte Conny. Im Madhya, dem dritte Teil, werde Krishna als Kind beschrieben, wie er Ghee klaut und seine Streiche macht. Die Musik wurde hier schneller und aufregender. Beeindruckend war die Fingerfertigkeit der beiden indischen Profimusiker. “ Der abschließende Teil Tarana ist „wie eine Jazz-Improvisation über den Raga, sehr mathematisch, musikalisch höchst anpruchsvoll“, erklärte Debaisish den letzten Teil der Mitternachtsraga.

Im Anschluss an den Raga spielte Anubhab das bekannte Gayatri-Mantra und widmete Rama einen zweiten Kirtan. Die Zuhörer waren eingeladen, mitzutrommeln, zu rasseln oder klatschen. Deutlich spürte man, dass den Gästen die Kirtans bereits vertraut waren. Beschwingt haben sie mitgesungen. Ein tibetisches Heilmantra als Zugabe ließ das Konzert enden, sehr beruhigend, sehr tief.

Die Einführung, Hinführung oder auch Irritation ist Anubhab mit der klassischen indischen Musik geglückt. Wer weiteres Interesse hat, kann bei ihnen in Köln an einer Schule auch Unterricht nehmen. Etwa 45 Schüler lernen bereits die klassischen indischen Instrumente.

Eure Westerwälder Yogis

2 Kommentare zu “Mitternachtsraga mit Anubhab

  1. Schade, dass im Blog nicht eine Vorankündigung des Konzert „Das Konzert der besonderer Art“
    statt gefunden hat. Trotzdem ist es sehr schön jetzt nachzulesen und einen Einblick zu bekommen vom Mitternachtsraga mit Anubhab.

  2. Pingback: Rave News

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