Kugelrunde Philosophen

Eine kleine inspirierende Geschichte aus dem gestrigen Samstag Abend Satsang:

Dass die Hummel nicht fliegen kann, weiß längst jedes Kind. Dass sie es trotzdem tut, erleben wir jedes Jahr aufs Neue. Gestern, pünktlich auf den lang ersehnten warmen Tag, verflog sich eine auf meinen Balkon. „ Mehr links!“ – „ Höher!“ – „Nein! Andere Richtung!“, hörte ich mich rufen. Ich wollte nicht, dass sich die kleine dicke Kugel etwas zuleide tut, und ernannte mich zum Kopiloten.

Wo hat die aber auch ihren Flugschein gemacht?! Hummeln wirken in ihrer luftigen Unbeholfenheit immer ein bisschen wie angetrunken. Mir sind die braunschwarzen Blütenstaubsammler weit sympathischer als diese aggressiven Wespen, deren Kostümierung einen allein schon in Angst und Schrecken versetzt. Und die es ja genau genommen nur auf die Marmelade auf unserem Brot und auf die Möglichkeit zuzustechen abgesehen haben. Die Hummel sticht nicht. Sie ist froh, wenn sie einigermaßen Kurs halten kann und die Blüten ob ihrer Last nicht gleich dutzendweise vom Stängel kippen. Ihr Brummen stimmt mich milde und ihre unfreiwillige Komik heiter. Für mich sind diese fliegenden Pelzchen wahre Philosophen.

„Versuch das Unmögliche!“, hummeln sie mir zu und: „ Scheitere mit einem Lächeln!“

Einmal hatte eine zu viele Pollen geladen und vermochte nicht mehr abzuheben. Sie nahms gelassen, nutze die Gelegenheit, um sich zu putzen, und wartete erst einmal ab. Mir war, als brummelte sie was von „ Man muss auch mal Pause machen können“. Ich war beeindruckt und weiß seitdem: Von uns zweien ist die kleine Hummel der größere Lebenskünstler.

 

Aus dem Buch „Herbst in Basel“ von Anette Herbst, erschienen im Knapp Verlag

 

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