Hatha-Yoga (24): Krähe

Die Krähe. Dieser schwarze, laute Vogel wohnt mitsamt seiner Großfamilie auf den immer noch kahlen Feldern und ist uns – mal ehrlich – ein bisschen unheimlich. Warum eigentlich? Ahnen wir etwa etwas von seiner Intelligenz? Oder erinnern wir uns dunkel an alte Märchen, in denen er glänzende Kostbarkeiten in sein Nest verschleppt? Krähen und Raben sind in der Mythologie von Naturvölkern die wachsamen Hüter magischer Gesetze. Sie schweben weitsichtig am Himmel und beobachten den Lauf der Welt. Weit weg vom kleinen Erdenleben. Bis zu dem Moment, in dem es etwas zu tun – oder zu holen – gibt. Dann stürzen sie sich blitzschnell und garantiert siegreich ins Getümmel.

Und im Yoga? Da balancieren wir einigermaßen wackelig auf den Armen und fühlen uns dabei meistens nicht gerade frei wie ein Vogel. Manch einer ist vermutlich schon froh, die Füße überhaupt ein paar Sekunden lang vom Boden abzuheben. Jetzt heißt es dranbleiben und üben. Auch wenn der Körper ob dieser ungewohnten Asana protestiert. Bis man irgendwann mit kraftvollen Armen und erhobenem Kopf über dem Boden schwebt und tatsächlich etwas von der Kraft der Krähe spürt. Wer hätte gedacht, dass wir so stark sind? Dass wir uns so weit von der Erde lösen können? Dass wir selbst dann noch das Gleichgewicht halten können, wenn unsere Füße den Halt verlieren?

Vielleicht ist die Krähe wirklich ein Magier, der unsere innere Wahrheit bewacht. Sogar im Yoga. Sie inspiriert uns dazu, zu fliegen, auch wenn die ganze Kraft der Erdanziehung dagegen spricht. Sie weiß, wie stark unser Wille ist. Sie weiß, dass wir mit der Kraft unseres Willens (fast) alles erreichen können. Und dass wir dazu nichts weiter brauchen, als ein wenig Geduld und Übung, um diese Kraft und unser inneres Gleichgewicht wieder zu finden. Also gleich noch einmal: Willenskraft sammeln, tief atmen, konzentrieren, das innere Gleichgewicht finden – und fliegen.

Dietlind Arndt lebt und arbeitet bei Yoga Vidya in Bad Meinberg

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