Swami Sivananda geht nirgendwohin: Mahasamadhi als Aufgehen in einer höheren Präsenz

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Von hu
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Jedes Jahr am 14. Juli gedenken Menschen weltweit Swami Sivanandas Mahasamadhi. In der Yogatradition bezeichnet Mahasamadhi den bewussten Austritt eines verwirklichten Yogis aus dem physischen Körper. Im Licht des Vedanta ist dies kein Tod, sondern Befreiung aus dem Netz von Namen und Form. Der Yogi kehrt zurück zu dem, was immer schon war: unveränderlich, ungebunden, eins mit Brahman.

Für seine Schüler jedoch bleibt die Erfahrung schlichter. Er ist nicht fortgegangen. Auch wenn der Körper nicht mehr da ist, wirkt Swami Sivananda weiter. Auf sie und durch sie.

“I’m not going anywhere.” („Ich gehe nirgendwohin“ – „Ich gehe nicht fort“)

In Erinnerungen aus seinem Umfeld wird Swami Sivananda Saraswati ein Satz zugeschrieben, den er in verschiedenen Situationen wiederholt gesagt haben soll:

„I’m not going anywhere.“

Er soll dies als ruhige Antwort gegeben haben, wenn Menschen Sorge äußerten, ihn -ihren Lehrer – zu verlieren.

Nicht als Aussage über den physischen Körper, sondern als Hinweis auf die nicht-duale Ebene des Selbst: Das, was wirklich ist, ist nicht an Geburt und Tod gebunden. Er sagte damit nicht: Dieser Körper bleibt, sondern eher: Das Verbindende geht nicht verloren, nur weil sich die Form verändert. In diesem Sinn verweist der Satz auf das Unveränderliche, das im Hintergrund aller Erscheinungen gegenwärtig ist.

Viele Schüler haben diesen Satz deshalb nicht als Theorie verstanden, sondern als etwas, das in schwierigen Momenten innerlich trägt. Nicht als Konzept, sondern als Erinnerung daran, dass das Wesentliche eines Gurus nicht an Sichtbarkeit gebunden ist.

Dieser Satz ist eine Art Schlüssel, mit dem sich auch die Wahrnehmungen vieler seiner Schüler nach seinem Mahasamadhi erschließen lassen.

14. Juli 1963 – Der Übergang: von innen, von außen

Am Tag seines Mahasamadhi empfing Swami Sivananda weiterhin Besucher. Auch in seiner körperlichen Schwäche blieb seine Aufmerksamkeit bei den Menschen, die zu ihm kamen. Er sprach über Dharma, über Selbstverwirklichung, über die Wichtigkeit des Dienstes. Ein Arzt besuchte ihn, wie es in seinen letzten Wochen üblich war, um seinen Zustand zu überwachen. Ihm sagte er noch: „I have many things to do.“

Gegen Nachmittag wurde seine Stimme leiser, doch er hörte nicht auf zu geben. Er richtete Worte der Klarheit an seine Schüler und wies auf das Wesentliche hin: „Sattva, Shanti“ – Reinheit und innerer Frieden. Er sorgte sich bis zuletzt um das Essen für die Gäste und um den ordentlichen Ablauf der täglichen Puja.

Zeitzeugen beschreiben keinen abrupten Bruch, sondern ein allmähliches Zurücknehmen der körperlichen Kraft, während die innere Klarheit bestehen blieb. In den Erinnerungen von Schülern wie Swami Chidananda wird dieser Moment nicht als dramatischer Einschnitt geschildert, sondern als stille Verdichtung.

Im Moment des Übergangs berichten mehrere Anwesende im Kutir von einem feinen, süßen Duft, der sich im Raum ausbreitete. Beschrieben wurde er als intensive Süße von Jasminblüten, teils auch mit einer Note von Sandelholz. Niemand hatte Blumen oder Räucherwerk in den Raum gebracht – eine äußere Ursache war nicht erkennbar. Der Duft wurde nicht von allen gleich wahrgenommen, bleibt aber in den Berichten als gemeinsame Erinnerung an eine veränderte Atmosphäre erhalten.

Schon in der Nacht nach seinem Mahasamadhi und den gesamten folgenden Tag kamen Menschen aus Rishikesh und von weit her zum letzten Darshan. Nachdem Swami Sivanandas Körper rituell gewaschen, neu eingekleidet und mit Tilak sowie Blumengirlanden geschmückt worden war, riss der Strom der Besucher bis tief in die Nacht nicht ab. Am Morgen des 16. Juli wurde sein Körper unter dem Klang von Muschelhörnern, Glocken und Rezitationen aus dem Kutir getragen. Am Rajbansi Ghat am Ufer des Ganges, erfolgte ein feierliches Abhishekam: Zunächst wurde der Körper nach alter Tradition mit verschiedenen rituellen Substanzen gesalbt, anschließend mit dem Wasser der Ganga gebadet. Danach trugen seine Schüler ihn in einer mit Blumen geschmückten Sänfte, begleitet von Kirtan und Rezitationen, zum Viswanath-Hügel.

Dort wurde nach einer letzten öffentlichen Arati der Körper in Meditationshaltung im Samadhi (hier: Ruhestätte eines verwirklichten Meisters) beigesetzt. Über der Samadhi errichtete die Divine Life Society später einen Schrein mit einem Shiva-Lingam. Doch in den Erinnerungen der Anwesenden blieb weniger das öffentliche Zeremoniell, als die Erfahrung seiner Präsenz, die sich nicht einfach auflöste. Viele Schüler berichteten später: „Obwohl er den Körper verlassen hat, ist Swami Sivananda immer noch bei uns; seine subtile Präsenz erfüllt den Ashram und leitet uns.“

Wer den Samadhi-Mandir (Schrein) besucht, begegnet dort keinem Denkmal eines großen Lehrers, sondern einem lebendigen Mittelpunkt des Ashramlebens: täglich finden hier Satsangs und Arati statt. Und Jedes Jahr am 14. Juli versammeln sich hier Mönche, Sevakas und Pilgerer zum Mahasamadhi-Gedenken, mit Abhishekam, Arati, Kirtan und Meditation.

Der samadhi, die letzte Ruhestätte von Swami Sivanda nach seinem Mahasamadhi

Der Guru wirkt weiter

Viele Schüler berichten, dass sich nach dem Mahasamadhi etwas verschoben hat: Seine Präsenz wurde nicht schwächer, sondern anders erfahrbar. Erinnerung und Gegenwärtigkeit gingen ineinander über und zeigten sich in Meditation, in stillen Momenten, in innerer Ausrichtung oder Not und es entstand ein neues Gefühl von Nähe. Dabei ist wichtig: Diese Berichte sprechen nicht von einer Aufhebung von Verlust im äußeren Sinn. Der Körper ist nicht mehr da. Die Begegnung im physischen Sinn ist beendet. Und gleichzeitig bleibt etwas in der inneren Erfahrung lebendig.

Swami Chidananda bestätigte mehrfach in Rückblicken: Viele Anhänger hatten danach Visionen – mal im Wachzustand, mal im Traum – in denen Swami Sivananda erschien, ihnen zurief oder einfach lächelnd zur Seite stand. Manche berichteten davon, plötzlich seinen Namen im Kopf zu hören, wenn sie Hilfe brauchten. Andere beschreiben, wie sie in der Meditation sein Lächeln sahen, wie früher. Wenn man die verschiedenen Zeugnisse zusammen liest, fällt etwas auf, das sich nicht leicht in eine einzelne Erklärung fassen lässt. Es geht weniger um ein „Ereignis“, sondern um eine Veränderung der Bezugsebene.

Swami Sivanandas Wirken beschränkt sich nicht auf seine physische Lebenszeit. Er hat Strukturen geschaffen, die durch ihn weiterwachsen: Die Divine Life Society, die Bücher, die unzähligen Gespräche, die inspirierten Herzen. Es ist wie ein Organismus, der weiterwächst, Samen trägt, die keimen und Wurzeln schlagen.

Wenn Menschen heutzutage seine Schriften studieren und in seinem Namen dienen, dann ist das kein Zufall. Es ist der Beweis dafür, dass in seiner Wahrhaftigkeit das Göttliche durch ihn wirkte – und nun, da er eins ist mit dem Absoluten, durch das Göttliche selbst weiterwirkt.

Ein Geschenk an Swamiji

Wenn ich heute über Swami Sivanandas Mahasamadhi schreibe, denke ich gleich an mein erstes Treffen mit ihm zurück. Da war ich gerade einmal einen Monat Sevaka. Mein Seva war hauptsächlich im Ritual-Team. Ausgerechnet in der Woche von Swami Sivanandas Geburtstag fielen gleichzeitig die Leiterin des Teams und ihr Stellvertreter aus. Ich ‚Frischling‘ war plötzlich das Team.

In genau dieser Woche fanden mehrere große Veranstaltungen statt: die große Puja zu Ehren von Swami Sivanandas Geburtstag, gleich am Tag darauf eine Guru-Puja und zwei Tage darauf noch eine Puja mit dem Priester des Ganesha-Tempels Berlin. Alles musste vorbereitet, aufgebaut, begleitet, abgebaut, gereinigt und wieder aufgebaut werden. Zusätzlich zu den alltäglichen Aufgaben, wie der Altarpflege in allen Häusern.

Ich bekam Unterstützung von Omkari und Shankara, und dafür bin ich bis heute dankbar. Dennoch lag die Verantwortung für das, was anfiel, bei mir. Von früh bis spät war ich beschäftigt, hielt das ewige Licht am Brennen, koordinierte die supertollen! Karma-Yogis und sorgte dafür, dass alles weiterlief.

Je näher der Geburtstag Swami Sivanandas rückte, desto mehr kam mir der Gedanke, einfach hinzuwerfen. Mir war das alles zu viel. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich fühlte mich klein und überfordert. Schließlich setzte ich mich an einem Altar vor sein Bild und sagte: „Swamiji, ich kenne dich noch nicht besonders gut. Aber ich ziehe das jetzt durch. Das ist mein Geburtstagsgeschenk an dich.“

Und genau das tat ich. Nach dem Aufbau der zweiten Puja, saß ich völlig geschafft gemeinsam mit Omkari vor dem mit Blüten dekorierten Altar und meditierte für einen Moment. Und da traf ich dann Swamiji: Er lief über eine Brücke auf mich zu, blieb auf der Brücke stehen, winkte mir zu und lachte. Dann drehte er sich um und ging wieder seines Weges. Die Erfahrung dauerte nur einen Augenblick, hat mich aber sehr erfreut: Mein Geschenk war angekommen.

Für mich ist dies einer von vielen Hinweise darauf, dass die Wirkung eines Menschen nicht mit dem Ende seines physischen Lebens endet. Die Wirkung hängt allein vom Maß der Verwirklichung ab. Und ist dieser Artikel nicht auch ein schönes Zeugnis von Swami Sivanandas Vermächtnis? Mehr als sechs Jahrzehnte nach seinem Mahasamadhi, sitzt eine mittelalte Frau an der Nordsee und schreibt über ihn. Ist inspiriert von einem Menschen, den sie nie physisch getroffen hat und der dennoch durch sie wirkt.

Feiere mit uns Mahasamadhi!

Du bist herzlich dazu eingeladen, an diesem besonderen Tag in eines unserer Ashrams zu kommen und den Mahasamadhi von Swami Sivananda mit uns zu feiern. Praktiziere mit uns gemeinsam Pranayama, Satsang und Yogastunden mit Inspirationen von Swami Sivananda. Lass dich auf diese Weise von Swami Sivanandas erhebender Energie mittragen.


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Die Autorin hu:

Vor mehr als 20 Jahren zwang mich eine schwere Krankheit dazu, meinen vorgedachten Pfad als Filmemacherin und Autorin zu verlassen und neue Wege zu finden und zu gehen. Diese Reise führte mich zu Heilern und spirituellen Lehrern, zu Hexen, Schamanen, ins Zen-Kloster und in die Einsiedelei. Durch meine Erfahrungen habe ich gelernt, dass wahres Verstehen und Erkennen nicht im Kopf stattfindet, sondern das ganze Wesen, das ganze Sein erfüllt. Seit September 2022 bin ich Sevaka bei Yoga Vidya. 🌻 hu

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