Kinderyoga Kongress – Abschlussworte Sukadev

Anfang September war der Kinderyoga Kongress. Dabei hat Sukadev auch mehrere Vorträge gehalten. Hier das Skript seines Abschlussvortrags, in dem er auf das Motto des Kinderyoga Kongress eingegangen ist, nämlich :  Berühren, Begeistern, Bewegen. Übrigens: Die Hauptvorträge aller Kinderyoga Kongresse findest du auch in der Kinderyoga Community http://www.kinder-yoga.cc in der Rubrik Kinderyoga Videos.

Hier also das Skript des Abschlussvortrags von Sukadev, mit dem er die Essenz des Kinderyoga Kongresses zusammenfasste:

Abschlussvortrag Kinderyoga Kongress: Berühren, Begeistern, Bewegen – Kinderyoga als Beitrag für eine bessere Welt

1. Auf dem Weg zu einer mitfühlenderen, friedvolleren Welt

sukadev13Ich sehe Yoga als Teil einer großen Entwicklung zu einer friedvolleren, mitfühlenderen Welt.  Es gibt verschiedene Kräfte, die momentan wirken auf diesem Planeten.  Bekannter ist Gier, Profitgier, religiöser Fanatismus, Bürgerkriege.  Aber größer ist die Strömung zu mehr Mitgefühl, zu mehr Friedfertigkeit.

Wurde früher ein König nur als „groß“ bezeichnet, wenn er möglichst viele Eroberungskriege geführt hat, ist das heute anders.  Frieden ist heute ein hohes Ideal, Völkerverständigung. Und es gilt als „normal“, dass alle Menschen auf der Welt gleichen Wert haben. Das klingt so selbstverständlich, dass wir vergessen, wie anders das noch vor 100 Jahren war: Die Europäer hatten sich die Welt aufgeteilt in Kolonien. Andere Völker galten als minderwertig, Nichtweiße wurden verprügelt, misshandelt, verstümmelt. Und was vor 70 Jahren, also 1939-1945, war, weiß hier jeder.

Noch vor 150 Jahren haben sich Menschen duelliert, wenn ihnen nicht gepasst hat, wie der andere sich ihnen gegenüber verhalten hat.

So ist die Zivilisation weit gekommen in mancherlei Hinsicht. Noch ein paar Beispiele:

  •  Selbst in der Reitkunst und im Hundetraining nehmen gewaltfreie Methoden immer mehr zu.
  • Im Umgang mit Verbrechern überwiegt die Vorstellung, dass man weniger strafen will sondern mehr verstehen und therapieren will.
  • Auch im Polizeieinsatz sind Deeskalationsstrategien mindestens in der Theorie immer wichtiger.
  • Es gibt keine Strategie, die machtvoller ist als die Abschaffung der Todesstrafe, um die Mordrate zu senken.
  • Auch bzgl. Ernährung wissen immer mehr Menschen, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, die man nicht einsperren, grausam misshandeln, umbringen und dann essen sollte. Gestern haben wir gehört, dass Traumata in die Zellen eingreifen. Tiere die gegessen werden, haben entweder ein Dauertrauma hinter sich oder das Trauma des Getötetwerdens. Das nimmt man zu sich – und eben auch das Bewusstsein, dass man jemanden umgebracht hat. So ist die Frage, ob man ein tierisches Schnitzel isst, nicht nur Privatsache, sondern betrifft das Leben von jemand anderem. Immer mehr Menschen wissen das. So steigt der Anteil der Vegetarier und Veganer zwar langsam, aber beständig. Ich hoffe, dass ich es noch erleben werde, dass das Essen von Rindern, Schweinen, Hühnern genauso verpönt ist wie das Essen von Hunden und Katzen.

Kinderyoga als wichtiges Element auf dem Weg zu einer mitfühlenderen, friedvolleren Welt

Das Thema „Auf dem Weg zu mehr Mitgefühl in der Welt“ auf Kinder bezogen:

Wurden früher Kinder erzogen, indem man sie als Baby hat schreien lassen, als Kind geschlagen und verprügelt hat, mit Rohrstock, Lineal, Einsperren in Karzer etc., versucht man es heute anders.

Aus Hilfslosigkeit kommt dabei zwar manchmal oft die Pille zum Einsatz – immer noch besser als Prügel oder einsperren von Kindern und Jugendlichen in ein schwarzes Zimmer, das früher in Schulen nur allzuoft üblich war.

Yoga kann da weitere Wege anzubieten, die im Sinne einer gewaltfreien Erziehung, einer respektvollen mitfühlenden Erziehung und Pädagogik immer wichtiger werden können.

Yoga wirkt physiologisch nachweisbar, auf die Stresshormone, auf das Immunsystem, auf die Ausschüttung von Botenstoffen, auf die Entwicklung von bestimmten Hirnregionen, welche mit Mitgefühl, Lernfähigkeit und der Fähigkeit zur Selbstkontrolle in Bezug stehen.

Yoga wirkt psychologisch für bessere Selbstwahrnehmung, Selbstakzeptanz, Selbstbewusstsein.

Darüber haben wir auf dem Kongress immer wieder gehört, Studienergebnisse wurden uns präsentiert.

Ich bin der Überzeugung: Yoga kann ein Element sein, welches Kinder glücklicher werden lässt. Und da die Kinder von heute die Zukunft von morgen sein werden, gilt: Kinderyoga kann mit zu einer glücklicheren Welt beitragen.

Berühren, Begeistern, Bewegen

Dieser Kongress stand unter dem Motto:

Berühren, Begeistern, Bewegen

Dieses Motto kam immer wieder vor.

Zum einen ist Berühren Begeistern, Bewegung etwas, was Kinderyoga besonders ausmacht:

  • Oft sind Kinderyogastunden so aufgebaut, dass Partnerübungen und achtsame Berührung integriert sind
  • Ein Kinderyogalehrer muss begeistern
  • Eine Kinderyogastunde hat mehr Bewegung als andere Yogastunden

Aber Berühren, begeistern, bewegen ist auch der Dreischritt der Motivation jedes Menschen:

  •  Man lässt sich berühren, anrühren von etwas
  • Das trifft die Tiefe des Geistes, der Seele, das begeistert
  • Das bewegt uns und trägt dazu bei, dass wir etwas bewegen

So gilt das auch für uns Yoga Übende, als Yoga Lehrende oder auch als alle, die mit Kindern zu tun haben:

  • Wir wollen uns von Kindern innerlich berühren lassen
  • Wir wollen im Geist, in der Seele, im Göttlichen Inspiration und Begeisterung holen
  • Wir wollen dann Mut schöpfen, um etwas zu bewegen

Ich hoffe, der Kongress hat dazu beigetragen:

  • Innerlich berührt zu werden von vielem, was ihr erlebt habt
  • Innerlich Begeisterung spüren, weil es die Tiefe in euch angesprochen hat, eure inspiriert hat
  • Mut, etwas zu bewegen

Natürlich gilt für die Kinder Berühren – Begeistern – Bewegen:

In der Yogastunde berühren die Kinder vieles:

  • den Boden
  • ihre Haut
  • ihre Gefühle
  • die Tiefe ihres Wesens

Kinder werden innerlich berührt.

Kinder werden durch eine Yogastunde begeistert:

  • innere Kraft, Prana
  • Selbstbewusstsein
  • Gefühl angenommen zu sein
  • Ideen
  • Innere Stärke
  • Zugang zu etwas Göttlichem

Kinder bekommen dann die Kraft etwas zu bewegen.

Darauf muss man auch vorbereitet sein: Kinder die Yoga üben, werden anspruchsvoller.

Offenheit für Kinderyoga in verschiedensten Settings

Ihr habt von vielen Referenten gehört, wo sie überall Kinderyoga unterrichten.

Ein besonderer Schwerpunkt war Yoga in den offiziellen Institutionen, nämlich Kindergarten bzw. Kita, Grundschulen, Gymnasien, Ganztagsschulen.

Glücklicherweise gibt es dafür immer mehr Offenheit – die wissenschaftliche Forschung ist dafür Türöffner, und natürlich dass immer mehr Erwachsene, auch Lehrer und Schulleiter und Ministeriumsbeamte, selbst Yoga üben.

Kinderyoga kann in die Schulen Eingang finden im

  • Sportunterricht
  • Projektwochen
  • Als AG
  • Als eigenständiges Regelfach
  • In der Ganztagsschule

Kinderyoga kann auch im Normalunterricht integriert werden als kleine Übungen zwischendurch – so wurde Kinderyoga vermutlich am allerfrühesten vermittelt: Yoga übende Lehrer/innen haben Kindern und Jugendliche die eine oder andere Übung vermittelt. So habe ich die ersten Yoga Entspannungsübungen im Religionsunterricht als 14-Jähriger mitgemacht.

Kinderyoga kann in Sportvereinen Eingang finden. Kinderyoga kann ins allgemeine Sporttraining integriert werden, wie das ja auch bei der Fußballnationalmannschaft und in vielen anderen Leistungssportarten geschieht. Kinderyoga wirkt leistungsverbessernd und entspannend.

Kinderyoga wird seit Jahrzehnten auch in Yogaschulen und Yoga Zentren unterrichtet. Als ich 1980 erstmals in ein Yoga Zentrum ging, gab es da schon viele Jahre regelmäßig Kinderyoga.

Kinderyoga in Ashram Umgebung

Ein weiteres Setting, in denen Kinder Yoga üben können, ist die Ashramumgebung, wie wir das hier in den Yoga Vidya Ashrams haben.

In allen Yoga Vidya Ashrams gibt es Kinderyoga Seminare. Hier in Bad Meinberg an jedem Wochenende, und in allen Schulferien. Oft kommen ganze Familien oder Mutter mit Kind oder Großmutter mit Kind, weil die Erwachsenen Yoga üben wollen und eben Kinder haben. Dann sind es oft die Kinder, die wieder kommen wollen.

Hier im Ashram entwickelt sich das Konzept von Kinderyoga in verschiedene Richtungen. Insbesondere kann hier Kinderyoga besonders tief gehen. Hier kann man Kinderyoga in seiner Breite und Vielfalt unterrichten und erfahren:

Langfristig macht insbesondere spirituelle Erfahrung glücklich.

Alle anderen Sicherheiten verschwinden irgendwann.

Traumatische Erfahrungen macht jeder.

Eine tiefe spirituelle Verankerung hilft, in allem einen Sinn zu sehen.

 

Wenn wir über Kinderyoga sprechen, wird ja meist Hatha Yoga gemeint.

Hier im Ashram können wir Yoga in all seinen Aspekten unterrichten, als ein offenes Angebot, in denen sich Kindern eine eigene Welt erschließt.

Selbst Hatha Yoga hat in Indien drei Wurzeln:

Hatha Yoga hilft, durchlässiger zu werden, transparenter zu werden:

  • Tiefe der Seele
  • Höhere Göttliche Wirklichkeit
  • Tiefe der Seele des anderen

Hatha Yoga hilft zu mehr Mitgefühl, es berührt. Hatha Yoga hilft sich innerlich begeistern zu lassen Hatha Yoga hilft Kraft zu bekommen um Gutes zu bewirken, etwas zu bewegen.

Und Hatha Yoga hilft, durchlässiger zu werden, damit die Lichtenergie, die Friedenskraft, die in diese Welt kommen will, auch wirken kann.

So trägt Hatha Yoga, auch Kinderyoga, zu einer besseren, einer friedvolleren, einer glücklicheren Welt bei.

So möchte ich euch ermutigen, immer mehr zu unterrichten, immer mehr Kinderyoga zu unterrichten.

Es gibt eine große Offenheit für Yoga, gerade jetzt.

Jetzt ist ein guter Moment, nach draußen zu gehen.

Offenheit in Kindergärten, Schulen, Ganztagsschulen. In Sportvereinen, Jugendzentren. In Yogaschulen.

Pädagogik seit den 50er Jahren im Umbruch, noch mehr seit den 60er/70er Jahren, noch mehr seit den 90er Jahren:

  • Erziehung und Schule ohne Rohrstock und Prügelstrafe: Yoga hilfreich auch und gerade bei sogenannten „Problemkindern“, „schwierigeren Kindern“
  • mehr Beibringen in kürzerer Zeit: Hirnforschung: Emotion und Körper wichtig für Lernen – Yoga ist so wichtig
  • Multikulti: Kinder mit Migrationshintergrund: Yoga ist für alle neu: Gemeinsame Sprache und Begegnung
  • Kinder brauchen mehr Bewegung, auch und gerade in einer Umgebung, wo sie nicht so einfach aus dem Haus gehen können, um auf der Straße zu spielen, wie ich das noch kannte. Yoga kann man mit wenig Platz überall machen, drinnen wie draußen, zuhause und in der Schule.
  • Kinder müssen lernen, auch den Körper und die Gefühle kennen- und schätzen zu lernen, brauchen einen Ausgleich für die intellektuell-visuell-auditiv orientierte Welt. Es gibt kaum etwas, wodurch man Körper, Gefühle und Geist besser kennen lernen kann als durch Yoga. Und nicht umsonst ergibt sich aus dem Wortstamm von „Selbstbewusstsein“, dass Mut und Vertrauen aus Bewusstsein seiner selbst kommt.
  • Im Zeitalter der Globalisierung und von Pisa wird der Leistungsdruck auf die Kinder weiter zunehmen. Umso wichtiger, dass Kinder durch Entspannungstechniken lernen, mit Stress besser umzugehen. Letztlich hat sich gezeigt, dass durch Entspannungstechniken die Leistungs- und Lernfähigkeit steigt. Die Leistungsgesellschaft und die Wissensgesellschaft wird sich dabei zur Kreativitätsgesellschaft entwickeln. Yoga hilft, die Quellen der Kreativität sprudeln zu lassen.
  • Glaubenssysteme und vorgegebene Sinnsysteme sind aus der Mode gekommen. Vorgegebene Wertsysteme werden in Frage gestellt, bzw. haben sich aufgelöst. Gerade für viele Jugendliche erscheint das Leben heute manchmal sinnlos. Yoga hilft Menschen, den Ruf ihrer Seele zu hören und so aus sich selbst heraus Sinn im Leben zu finden. Yoga sagt: Im Inneren steckt in jedem Menschen Liebe, Verantwortung, Kreativität, Mitgefühl und Freude. Indem die Spannungen aufgelöst werden, finden Kinder Zugang dazu.

Mehrere Trends:

  • Hedonistische Gesellschaft: Es muss Spaß machen.
  • Schnelllebige Gesellschaft: Es muss sofort wirken.
  • Utilaristische Gesellschaft: Es muss zu etwas gut sein.
  • Individualistische Gesellschaft: Es muss in der Verantwortung des Individuums sein und seine persönliche Entwicklung fördern.
  • Vereinsamte Gesellschaft: Durch große Mobilität haben Menschen weniger Kontakte
  • Sinnsuchende Gesellschaft: es muss das Sinnvakuum füllen.

 

Yoga spricht all das an. Kinderyoga spricht all das an.

Habt also Mut, Kinderyoga anzubieten. Die Türen sind immer offener für Kinderyoga. Jetzt ist der Moment, die Welt von Morgen zu gestalten. Kinderyoga ist da ein entscheidendes Element.

Danke

Zum Abschluss möchte ich danken:

  • Matangi, welche die Hauptorganisatorin dieses Kongresses war
  • Michaela Hold, welche die praktische Koordination und Organisation vor Ort koordiniert hat
  • Die Techniker, welche Soundanlage und Video betreut haben
  • Alle Referenten
  • Alle Sevaka
  • Mithelfer
  • Alle Besucher

Euch allen alles Gute bis zum nächsten Kongress!

Nächste Kongresse:

 Kinderyoga Übungsleiter Ausbildungen

  • 29.3.-12.4.15
  • 5.-19.7.15

 

 

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