Meine erste Ashram-Erfahrung

Als Jugendlicher hatte ich einiges gelesen von Ashrams. Und als ich 1980 im Sivananda Yoga Zentrum München mit Yoga begann, hörte ich vieles über die Ashrams. So war ich sehr gespannt, als im im September 1981 aufbrach zu meinem ersten Ashram-Besuch. Damals gab es noch keine Yoga Ashrams in Deutschland, mindestens keine in der Sivananda Yoga Tradition. So musste ich über den großen Teich, nach USA. Dort gab es in der Nähe von New York die „Sivananda Ashram Yoga Ranch“. Dort wollte ich meine 4-wöchige Intensiv- Yogalehrer Ausbildung machen. Ich kam zunächst in New York an, fuhr vom Flughafen aus nach Manhattan, und mit einem Taxi ins  Sivananda Yoga Center New York. Und einen Tag später ging es dann mit dem „Van“ (Kleinbus) in den Ashram. Ich kam rechtzeitig zum Abendessen. Dort sah ich Yogi Hari und setzte mich zu ihm. Er lächelte mich an, fragte wie ich hieß und wo ich herkomme. Dann sagte er: „You must learn to smile“ (du musst lernen zu lächeln) – und lächelte über das ganze Gesicht. Dann meinte er noch, ich solle langsam essen…

Als ich mein Zimmer bezog, stellte ich fest, dass die Fensterscheiben fehlten. Erst vor ein paar Jahren war aus einem verlassenen, etwas heruntergekommenen Reiterhof (Ranch) ein Ashram geworden – und das Geld für gründliche Renovierung hatte gefehlt. So wurden manche Gästezimmer ohne Fensterscheiben gelassen. Normalerweise im Sommer kein Problem – nur im September 1981 fror es nachts ab und zu mal… Gute Gelegenheit zu Tapas, wie uns unser Ausbildungsleiter, Swami Sankarananda, erläuterte. Und er ging mit gutem Beispiel voran: Er ging stets barfuß. Auch wenn frühmorgens der Boden gefroren war… Ich versuchte es ihm gleich zu tun… Und stand morgens um 4h auf, um vor der Meditation ausreichend Zeit für mein Pranayama zu haben.

Während unserer Yogalehrer Ausbildung herrschten strenge Sitten: Für Meditation oder Vorträge zu spät zu kommen, war nicht möglich: Die Tür wurde mit Beginn abgeschlossen. Und wer dann nicht da war, musste eine schriftliche Zusammenfassung schreiben… Wer wegen Erkältung fehlen wollte, musste fasten: Swami Sankarananda stand auf dem Standpunkt, dass Fasten die beste Medizin gegen fast alle Krankheiten war. So gab es auf dieser Yogalehrer Ausbildung nur ganz wenige, die mal einen Vortrag verpassten 🙂

Ich lernte jedenfalls, was Ashramleben heißt: Disziplin, Askese, Einfachheit. Aber auch: Gemeinschaft, Verbundenheit, gegenseitiges Helfen. Intensive spirituelle Praxis. Und tiefe Erfahrung.

Bleibt zu erwähnen, dass von 30 Teilnehmern etwa 10 sich im Lauf der nächsten Jahre entschlossen, länger in einem Ashram zu leben. Wir waren tief berührt von der Erfahrung  – und wollten das weiter vertiefen und anderen ermöglichen.

8 Kommentare zu “Meine erste Ashram-Erfahrung

  1. Mahashakti

    Lieber Sukadev,
    das ist wunderbar, danke, dass Du das mit uns teilst.
    Om Shanti,
    Mahashakti

  2. Ich finde den Beitrag von Sukadev im Blog klasse. Es öffnet das Bewußtsein was ein Yoga Ashram war, sein kann, ist, aber auch den Wert der Yoga Vidya Ashrams, wo doch jedes Zimmer Fenster hat…, hIhi.

    Ja, die Yoga Vidya Ashram sind wundervoll. Trotz vieler und schöner Anehmlichkeiten (Ashram mit 10 Sterne) haben sie doch den inneren Charakter eines trationelen Ashram beibehalten, und zeichnen das Ashramleben aus so wie es Sukadev oben beschrieben hat.

    Ich hoffe, Sukadevs Bericht hat eine Fortsetzung!!
    Danke!

  3. Liebe Susanne 😀
    wenn dein Mann dich nicht mitnimmt, werde ich dich mal einladen, da ich es nicht schön finde dass dein Mann alleine fährt. Versprochen!!

    Yogische liebe Grüße aus Bad Meinberg
    Rafaela

  4. schön, dass du siese erfahrung nun auch einmal teilen konntest. ich hatte leider noch nie die möglichkeit das einmal auszuprobieren. mein mann schon, aber vielleicht nimmt er mich ja mal das nächste mal mit 😉

  5. Ja, im Mittelalter entschlossen sich viele, im Kloster zu leben weil sie in der Erbfolge nicht an erster Stelle standen und nichts hatten zum Überleben. Nur wenige gingen dorthin aus Überzeugung. Heute gehen die Menschen freiwillig in Klausur. Das ist wertvoll!

  6. Hallo Sukadev,

    der Beitrag ist sehr inspirierend.Danke!
    liebe Grüsse aus Bosnien!!
    Lara

  7. Lieber Sukadev,
    vielen dank für Deinen Bericht über die Anfänge Deiner Ashram-Erfahrungen in den USA.
    Aber gut,dass Du Deiner Vision gefolgt bist und zurück nach Deutschland gekommen bist, sonst gäbe es jetzt kein Yoga- Vidya und somit keine so wundervollen Ashrams wie in Bad Meinberg und Westerwald – ich kenne nur diese beiden –
    Da ich selber nur immer sehr kurze Aufenthalte in oben erwähnten Ashrams hatte, würde ich mich sehr wünschen,dass noch mehr Menschen , die schon länger dort leben über ihre Erfahrungen ,hier in dieser community, berichten würden. Mich würde auch sehr interessieren,wie z. B. ein Paar , eine Familie mit kleinen Kindern hier lebt oder auch sehr, wie erleben ältere Menschen ,55+ 🙂 das Ashramleben.

  8. Premajyoti

    OM
    Schöner Bericht,
    Danke.

    vielleicht schaffst Du es ja bald einmal wieder über den großen Teich zu fliegen, wäre doch bestimmt mal schön.
    😀

    Om Shanti

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