Meine dritte Ashram-Erfahrung

Nachdem ich im September 1981 im Sivananda Ashram Woodbourne meine Yogalehrer Ausbildung absolviert hatte, wollte ich unbedingt in den Haupt-Ashram von Swami Vishnu-devananda, nämlich das Sivananda Ashram Yoga Camp bei Val Morin in der Nähe von Montreal/Kanada. So nahm

ich im August/September 1982 an der 4-wöchigen Intensiv-Yogalehrer-Weiterbildung („ATTC – Advanced Teachers Training Course“) in Val Morin, Kanada, teil. Darüber werde ich ein andermal schreiben. Ich war jedenfalls so tief berührt, dass ich ein paar Monate wieder in den Ashram geben wollte.  Zwischen den Jahren kam Swami Vishnu-devananda immer in seinen Haupt-Ashram („Headquarter“, auf französisch „Maison-Mère“, Mutterhaus genannt). Sein Geburtstag wurde ja auch am 31.12. gefeiert – so war es eine besonders segensreiche Zeit. Ich kam also kurz vor Weihnachten an. Und zu meiner grenzenlosen Enttäuschung war Swami Vishnu-devananda nicht bei den Satsangs. Ihn hatte eine Erkältung erwischt! Damals hatte ich nicht gedacht, dass Yoga Meister auch erkältet sein können… Dieses Mal war ich als „Karma Yogi“, also als Mithelfer, im Ashram. Die Erkältungswelle hatte einige Sevaka erwischt – so auch den Rezeptionisten. So war es ziemlich chaotisch – in den ersten 5 Tagen musste ich 8 Mal mein Zimmer wechseln. Schließlich quartierte ich mich selbst im Archiv-Raum ein, inmitten von langen Reihen von Aktenordnern – zusammen mit drei anderen… Wir legten eine Decke unter uns und eine Decke über uns – so konnten wir auf dem Fußboden schlafen. Jedenfalls hatten wir unsere Ruhe und mussten nicht mehr den Schlafplatz wechseln. Auch die Mithelfer-Betreuung war etwas chaotisch. Es gab mehrere Menschen, die sich für mich zuständig fühlten und mir ständig Aufgaben geben – meistens mehreres zur gleichen Zeit. Die ersten Tage war ich immer wieder frustriert wegen diesem großen Chaos im Ashram. Schließlich gab mir jemand den Ratschlag: „Du bist nicht hier wegen betriebswirtschaftlicher Effizienz“ (die Person wusste, dass ich Betriebswirtschaft studierte). „Du bist im Ashram, um loszulassen, zu dienen und Gott zu erfahren“. So ließ ich ganz los, nahm alles von der humorvollen Seite, tat was ich konnte, lächelte mit meinen Mitmenschen – und hatte eine großartige Zeit im Ashram. Schließlich kam auch Swami Vishnu-devananda zu den Satsangs – ich erlebte viele inspirierende Erfahrungen mit meinem Guru und hatte während der letzten Ashramtage nach Neujahr die tiefsten Meditationen, die ich bis dahin kannte.

Ich hatte gelernt: Einfachheit, Loslassen, Dienen – und dass mit Liebe vieles besser geht als mit Effizienz.

PS: Ich bin mir nicht mehr sicher, ob mein erster „Zwischen-den-Jahren-Aufenthalt“ im Sivananda Ashram Yoga Camp 1982-1983 oder 1983-1984 war… Ich werde da nochmal nachschauen müssen…

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