Wallfahrt in die Yogastadt Bad Meinberg

Ein Bericht von Manfred Sirch:
Die Wallfahrt gilt in nahezu allen religiösen Traditionen als eine wertvolle spirituelle Praxis.
Der Pilgerweg nach Santiago de Compastella zum Beispiel, ist nicht nur für Katholiken oder Christen, sondern für spirituell suchende Menschen aller Richtungen ein Begriff, schon lange bevor Hape Kerkeling (ein Buddhist) das Buch „Ich bin dann mal weg“ veröffentlichte, das über 100 Wochen Platz 1, der Bestseller Sachbücher anführte.
Die alten Griechen pilgerten nach Epidauros, Delphi und Ephesos, die Juden bereits vor über 3000 Jahren nach Jerusalem. Für die Christen wurden die Wirkungsstätten Jesu zum Heiligen Land zu wichtigen Wallfahrtszielen. Eine Pilgerreise war damals sehr gefährlich und dauerte oft Jahre, wenn man zu Fuß von Mitteleuropa aus versuchte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth zu erreichen.

Die größten Wallfahrtsorte der Katholiken sind Guadalupe (Mexico), Rom (Italien), Lourdes (Frankreich), Fatima (Portugal), Tschenstochau (Polen), Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) und im deutschsprachigen Raum Altötting und Kevelaer.
Die fünfte Säule des Islam (Haddsch) verpflichtet den frommen Muslim, wenigstens einmal im Leben nach Mekka zu pilgern.

Die wichtigsten Pilgerorte der Buddhisten sind Lumbini, wo Siddharta geboren wurde, Bodh Gaya, dem Ort seiner Erleuchtung und Sarnath, wo der Buddha seine erste Predigt hielt.
Der heiligste Wallfahrtsort der Hindus ist sicherlich Varanasi (= Benares) und für einen Yogi in der Tradition von Swami Sivananda ist es Rishikesh, weil Sivananda dort wirkte und die Divine Life Society gründete.
In Europa ist Bad Meinberg mittlerweile zum größten Wallfahrtsort für Yogis avanciert. Zehntausende kommen jedes Jahr hierher um Seminare zu besuchen oder einfach nur um Kraft zu tanken.
Die beliebtesten Verkehrsmittel um nach Bad Meinberg zu kommen sind neben dem Auto auch der Zug, meist verbunden mit einer Abholung vom Bahnhof. Diese Weise in die Yogastadt zu kommen ist schnell und bequem.
Schnelligkeit und Bequemlichkeit sind aber nicht die besten Begleiter auf dem spirituellen Weg, im Gegenteil:
Die selbstverwirklichten Meister aller Traditionen empfehlen uns Askese (tapasya) und Entschleunigung, verbunden mit Achtsamkeit und dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“.

Warum also nicht einmal vom Bahnhof Horn, die 3,9 km bis zum Seminarhaus zu Fuß gehen? Das würde der Umwelt gut tun (CO2 einsparen) und kann sogar als spirituelle Praxis (Karma-Yoga), den Weg für eine Gotteserfahrung ebnen.

Beim Gehen wiederhole ich ein Mantra und habe den freien Himmel über mir, anstelle eines Autodaches. Wenn ich so nach 45 Minuten Fußmarsch am Seminarhaus ankomme, dann bin ich erstmal meinen Füßen dankbar, dass sie mich so weit getragen haben.
Ich bin glücklich, dass ich meinen Körper bereits auf dem Weg spüren konnte und mit Mutter Erde in Berührung blieb.
Daher freue ich mich bei der Ankunft im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg gleich doppelt. Vielleicht weil mir ein wenig vom Glück der religiösen Pilger aller Zeiten zuteil geworden ist.
Es ist beschaulich allein zu gehen und dabei ein Mantra zu wiederholen, macht aber auch geistige Freude, wenn man einen Yogi oder eine Yogini an seiner Seite hat.

Wer diese 4 km schon einmal zu Fuß gegangen ist, hat vielleicht wie ich, beim Gehen dieses sich steigernde Glücksgefühl empfunden, je mehr man sich dem Seminarhaus nähert. Der Weg wird nämlich immer schöner.
Sobald man die Bahnhofstraße hinter sich hat und der Kreisel erscheint, erwartet einen die verkehrsberuhigte Fußgängerzone und im Anschluss daran der historische Kurpark bis man schließlich das Haus Shanti erreicht und der Anblick der Chakrapyramide das Herz höher schlagen lassen.

So möchte ich auch allen, die in diesem Jahr in die Yogastadt Bad Meinberg pilgern werden „Ultreia“ zu rufen, wie es die Pilger auf dem Jakobsweg seit über 1000 Jahren tun. Es bedeutet „Vorwärts! Weiter!“

2 Kommentare zu “Wallfahrt in die Yogastadt Bad Meinberg

  1. Atmarama Manfred

    Hallo Katrin,

    bereits am 20. März habe ich unter
    http://mein.yoga-vidya.de/profiles/blogs/wallfahrt-in-die-yogastadt-bad-meinberg-teil-2
    einen Artikel veröffentlicht, in dem ich ganz wie du argumentierte: 3,9 km ist kein Pilgern, obgleich das für 99 % aller Seminarteilnehmer anscheinend noch viel zu weit und zu schwer ist. In dem Artikel fragte ich die Yoga-Vidya Community, wer mit mir eine richtige Wallfahrt machen möchte. Leider wurde der Artikel nur von 29 Leuten gelesen und von denen hat sich niemand gemeldet.

  2. Hallo Du,

    ich finde es ja sehr löblich, von Horn aus zu Fuß zum Seminarhaus zu laufen, aber eine Wegstrecke von 3,9 km zu bestreiten, schon als „pilgern“ zu bezeichnen ist vielleicht doch ein bisschen gewagt -:)?

    Herzliche Grüße und Om Shanti

    Katrin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.