Hatha-Yoga (26): Dreieck

Manche sagen, das Dreieck sei schon der erste Schritt in die Tiefenentspannung. Stimmt. Du kannst dir also in aller Ruhe Zeit nehmen, um genauer hinzufühlen. Vielleicht bemerkst du ja eine Art Lebendigkeit im Körper. Oder du kannst der Energie nachspüren, die durch die gestreckten Seiten strömt. Ach ja, wusstest du übrigens, dass das Dreieck ein uraltes Symbol für die göttliche Energie ist?

Zugegeben, das ist nicht gerade der richtige Augenblick für so hochtrabende Bemerkungen. Trotzdem, man kann ja mal darüber nachsinnen, wo sich das Dreieck überall versteckt. Zum Beispiel in Trimurti, der Dreieinigkeit von Brahma, Vishnu und Shiva, also in Schöpfer, Erhalter und Zerstörer. Oder in der Trinität von Vater, Sohn und heiligem Geist. Oder auch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Auge des Horus guckt aus einem Dreieck. Die ägyptischen Pyramiden sind dreieckig. Und I Ging, das chinesische Orakel, das man heute in allen gut sortierten Buch- und Esoterikläden kaufen kann, besteht aus nichts weiter als aus drei unterschiedlich langen Stäben. Interessant: Wann immer es ein wenig überirdischer wird und wir uns von unseren sicheren vier Wänden wegbewegen, treffen wir auf die ominöse Drei. Und gerade jetzt, wo wir uns nach all den intensiven Asanas und Entspannungen ohnehin schon nicht mehr ganz im Hier und Jetzt fühlen, schleicht sie sich auf leisen Sohle direkt in unsere Yoga-Praxis.

Da stehen wir also. Lang gestreckt, zur Seite gebeugt und spüren der Energie nach, die durch die gedehnten Seiten fließt. Ist das wirklich nur vermehrter Sauerstoff oder ein angeregter Blutkreislauf? Sind wir nur deshalb so wach und entspannt, weil wir so tief geatmet und uns ein bisschen bewegt haben? Wer weiß das schon? Zum Glück können wir Yoga letzten Endes nur ganz für uns selbst entdecken und erleben – für unser ur-eigenes Selbst. Was immer da gerade fließt, oder auch nicht: Im Dreieck darf man die Augen schließen, einfach entspannen und alles wahr nehmen. Genießen ist unbedingt erlaubt. Denn wie gesagt: Wir befinden uns hier schon im ersten Stadium der Endentspannung.

Dietlind Arndt lebt und arbeitet bei Yoga Vidya in Bad Meinberg

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