Yoga im Herbst: Wegweiser im Nebel

So ist der Herbst. Man geht morgens frohgemut aus dem Haus und wo landet man? In einer dicken Nebelsuppe, anstatt in den ersten Sonnenstrahlen des Tages. Gefühlte Temperatur bei 5 Grad Celsius, 99 Prozent Luftfeuchtigkeit, Aussicht gleich null.

Da bleiben einem nicht viele Möglichkeiten. Wenn das Zurück ins Bett schon mal wegfällt, gibt es nur noch: Augen zu und durch. Oder gerade jetzt: Augen auf. Den Nebel kann man nämlich auch genießen und dabei auch noch richtig Spaß haben. Spannend, mal gar nicht zu wissen, was hinter der nächsten Straßenecke liegt oder hinter der nächsten Kurve des Schicksals. Das Leben ist voller Überraschungen. Warum nicht einfach neugierig durch den Nebel schreiten?

Manchmal ist diese Art beschränkter Sicht aber auch einfach anstrengend und nervig. Da hilft auch keine Neugierde. Der Nebel steht nicht umsonst für Verwirrung, Unsicherheit und Zweifel. Wohin führt mein Weg? Warum das schon wieder? Welchen Sinn haben diese merkwürdigen und manchmal sogar unangenehmen Lebenserfahrungen? Und gibt es überhaupt einen Sinn? Nach so vielen Jahre Yoga und Meditation, Lächeln und Vertrauen steckt man immer noch in Mayas Schleiern fest. Klar, in den Asanas ist immer alles sonnenklar, richtig, gut und sinnvoll. Aber jetzt, hier, im Nebel?

Aber halt. Genau dafür ist Yoga schließlich da. Manchmal braucht es einfach die Zeit und den Raum, um richtig zu entspannen und in den Asanas wieder zu sich zu finden – gerade im Herbst und gerade im Nebel. Und wenn für’s Hatha Yoga keine Zeit ist, dann kann man immer noch Yoga im Alltag üben, Aufmerksam bleiben und vertrauen. Siehe da: Wir alle haben noch ganz andere Sinnesorgane als nur die Augen. Durch den Nebel kann man auch vorsichtig tasten, die Ohren spitzen, die Feuchtigkeit auf der Haut spüren. Und die unbekannteren unter den Sinnen trainieren: Intuition und Einfühlungsvermögen.

Also los: Tief durch Bauch und Brust atmen, Sauerstoff tanken, anhalten, entspannen und gucken, wohin uns das Leben zieht oder spült. Manchmal dauert das vielleicht etwas, aber ganz sicher taucht dann genau zur richtigen Zeit mitten aus der Nebelsuppe ein Wegweiser auf. Nur ein einziger. Aber er zeigt uns den Schritt in genau die richtige Richtung, nach der wir uns die ganze Zeit gesehnt hatten, ohne es zu wissen. Wer weiß, ob wir den Wegweiser ohne den Herbstnebel überhaupt gesehen hätten?

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