Yoga im Winter: Weihnachten und Lebensfreude

Der Heilige Abend und die Weihnachtstage sind ja nicht gerade besonders yogische Feiertage. Für die Inder ist der 21. Dezember ja auch nicht der kürzeste und dunkelste Tag des Jahres. Dafür feiern in Indien viele die frohe Weihnachts-Botschaft, während hier in Europa immer mehr Menschen dem Yoga Weg folgen. Irgendwo dazwischen suchen wir nach dem wahren Kern dieser und jener Mythen und Lebenswelten. An Weihnachten zum Beispiel dreht sich alles um die Geburt eines irdischen Kindes. Das kann einen fast an den lebensfrohen Krishna erinnern, der – was viele gar nicht wissen – im Gefängnis geboren wurde. Mitten in der ausweglosen Situation kommt da so ein Knabe zur Welt, der mit seinem Strahlen alle Mauern und Herzen zum Schmelzen bringt. Wenn das kein Bekenntnis ist zum irdischen Leben und kein eindeutiges Ja zum körperlichen Sein ist.

In Zeiten des Zweifels und der Lebenskrisen kann das schon mal eine beruhigende Botschaft sein: Diese Welt der drei (oder mehr) Dimensionen, das irdische und das menschliche Sein sind keine Fehlschaltung und kein Irrtum. Tod und Wiedergeburt, Schöpfung, Empfängnis, materielles Leben und Sterben – das sind keine Zufälle oder Entscheidungen unserer kleinen Seele, sondern sie entspringen offensichtlich einem größeren Willen als unserem. Da, wo die Nacht und der Zweifel am dunkelsten sind, erscheint das Universum in Gestalt eines menschlichen Kindes und lächelt uns voller Lebenswillen ins Gesicht.

Soviel zur frohen Botschaft an Weihnachten, an die wir uns Jahr für Jahr mit Freude und Zuversicht erinnern – wenn wir können. Wer die Weihnachtsgeschichte – oder eine beliebige Yoga Schrift – etwas genauer liest, der findet darin aber selbstverständlich auch die anderen Botschaften des Lebens: Dunkelheit und Kälte, Schicksalsschläge, Zurückweisung, Hunger und Durst, Sehnsucht und Verzweiflung. Die ganze Palette menschlichen Seins also, die nicht im Glanz von Licht, Liebe und Hoffnung erstrahlt. Und die geht mit der Geburt eines göttlichen Kindes wider Erwarten nicht zu Ende (Siehe Bhagavad Gita, Bibel und Co).

Daneben findet man in der Weihnachtsgeschichte  dann noch jenen leuchtenden Stern, der das ganze Drama vom Leben, vom Hoffen, Glauben, Beten, Lieben, Sterben und Geboren Werden beobachtet – obwohl er weder über Augen noch über ein Gehirn verfügt, wie unsereins. Und die heiligen drei Könige, die irgendwo von einem Licht der Erkenntnis gehört haben und daraufhin alles stehen und liegen lassen, um einem teilnahmslosen und unmenschlichen Himmelsgestirn zu folgen. Viel zu spät und lange nach der Heiligen Nacht – sogar erst im neuen Jahr – finden sie schließlich den Stall und schenken dem Kind ihre Reichtümer und Schätze.

Man könnte meinen, Stern und Könige würden in der üppigen Geschichte von Joseph, Maria und Christkind, Hirten, Eseln und Schafen, Engeln und herzlosen Gastwirten eine kleine Nebenrolle spielen. Was wohl aus ihnen geworden ist? Wonach haben sie gesucht und was haben sie gefunden? Das ist vielleicht keine Frage für den üppigen Weihnachtstisch oder fröhliche Familienfeste. Aber vielleicht ja eine für’s Yoga: Welchem Stern folgen wir, wohin führt er uns und was würden wir wofür stehen und liegen lassen?

Ein Text von Dietlind Arndt.

Sukadev schreibt über Weihnachten >>

2 Kommentare zu “Yoga im Winter: Weihnachten und Lebensfreude

  1. Spannende Fragen, die du da stellst. da muss Frau echt mal darüber nachdenken. Gibt es überhaupt einem Stern, dem wir folgen können?

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