Yogalehrer Ausbildung an der Nordsee – Zweiter Teil

Wow, Tag Drei. Und schon habe ich die erste der obligatorischen Yoga-Ausbildungs-Krisen hinter mir. Und ganz ehrlich: Ich bin froh, dass ich das Ashram-Leben schon in groben Zügen kenne. Da blieben mir zumindest der gefürchtete Kaffee-Entzug erspart und der Schock, plötzlich von früh bis spät von unbekannten Göttern und universellen Energien mit indischen Antlitz umgeben zu sein. Mal ganz abgesehen von der Holzhammer-Erkenntnis, dass ich solche Gefühlsgewitter noch nicht einmal ernst nehmen darf, weil sowieso alles – inklusive mir – in Wirklichkeit nur Maya ist – reine Illusion, der Traum eines unbekannten Träumers.

Solche Erkenntnisse waren mir zum Glück schon geläufig. Was mir ein bisschen Freiraum gab, die allgemein herrschende Ratlosigkeit und das Kopfschütteln im Raum zu studieren. Na ja, glauben darf ja zum Glück jeder, was er will…

Abgesehen davon, ob ich oder einer meiner lieben YLA-Kollegen nun dieser oder jener Weltanschauung an- und nachhängt, stelle ich gerade verblüfft fest, dass es mir in der ersten Woche der Yogalehrer-Ausbildung an der Nordsee gerade so gut geht wie lange nicht. Und das bei geschätzten 5, 75 Stunden Schlaf pro Nacht!

Da konnte mich gestern nur noch ein ausgiebiger Mittagsschlaf vor dem Delirium retten. Und seither geht es mir blendend. Meditationen zu allen Tageszeiten, der Lerndruck noch in weiter Ferne, jede Menge aufschlussreiche Vorträge von echten Vollblut-Yogalehrern und immer just, bevor das alles viel zuviel wird, folgt die nächste Yogastunde. In so einer Umgebung kann sogar ein Haufen „zufällig“ zusammen gewürfelter Menschen nach ein paar Tagen schon ein beachtliches Gruppengefühl entwickeln. Schließlich stolpern – oder fließen – wir gerade alle gemeinsam durch die Dicks und Dünns des Yoga-Lehrer-Aspiranten-Daseins. Also füge mich in den Fluss des Yoga-Lebens und spiele ein bisschen mit meinen neuen Erkenntnissen in Sachen Lebenskunst.

Shakti, erfuhr heute, tanzt den Tanz des Universums so lange, bis sie merkt, dass sie beobachtet wird. In dem Moment, wo sie das merkt, hört sie auf und der Weltentanz ist beendet. Was könnte ich also Besseres tun, als einfach nur alles zu beobachten: die schwappenden Gefühle, stillen und lauten Protest, Aha-Erlebnisse, Dankbarkeit, Staunen, Heiterkeit in mir und um mich herum. Den Nordseewind, den Geruch nach Meer, den weiten Blick über das kuh-geschmückte Plattland, die Sonne, die mich während der Asanas bescheint und natürlich das Essen, das hier genau so lecker, bunt und natürlich sattvig ist, wie in Bad Meinberg). Seufz. Mehr braucht es manchmal gar nicht, und schon ist alles gut.

Und ist das nun Illusion oder Realität? Richtig oder falsch? Wäre das hier ein Gewinnspiel, dann könnte ich mich vermutlich morgen schon nicht mehr retten vor schlauen ultimativen Antworten mitsamt ihrer stichhaltigen Beweisführung. Darum lasse ich das auch lieber und harre einfach der Dinge, die da kommen. Die richtige Antwort liegt vermutlich ohnehin irgendwo ganz anders vergraben.

1 Kommentar zu “Yogalehrer Ausbildung an der Nordsee – Zweiter Teil

  1. Tolle, bewußte Verinnerlichung der Yogalehrer Ausbildung von Dieta.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Alles Liebe und Gute!

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