20 Jahre vegan – Einige Gedanken

Vor genau 20 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, vegan zu leben. Wie so viele Entscheidungen in meinem Leben, war auch diese eine gute, eine wichtige, eine richtige Entscheidung.

In der Bhagavad Gita heißt es „Yoga ist Geschick im Handeln“. Vegan zu leben bedeutet für mich, bestimmte Aspekte in meinem Leben geschickt zu führen. Ich persönlich habe dadurch bislang nur Vorteile erfahren. Ich kann das sagen, weil ich das so sehen will.

Anfangs war es ein irrationaler Impuls. Später entwickelte sich vegan zu leben für mich zu einem moralischen Aufruf. Ich empfand eine Verantwortung fühlenden Lebewesen gegenüber, fühlte mich den sogenannten „Nutztieren“ verpflichtet – und dahingehend war meine „unkonventionelle Ernährungsweise“ auch ein Statement, eine Aussage, ein Appell, eine Inspiration für andere Menschen, das gängige Konsum- und Essverhalten in unserer Kultur zu überdenken.

Heute fühle ich mich untrennbar mit dieser Entscheidung verbunden. Und ich bin im Frieden mit allem, so wie es ist.

Zu Beginn fiel es mir praktisch nicht gerade leicht. Am 7. Januar 1997, Tag Nr. 1 meines veganen Lebens, kaufte ich das erste Mal Sojamilch – in einer braunen 1 Liter-Glasflasche für 3 Mark und etwas. In meiner Erinnerung gefestigt hat sich der Eindruck, dass das wie ein trüber Mix aus Wasser und Mehl geschmeckt hat. Ich hatte also berechtigte Bedenken, diese geschmacksarme und trostlose Askese namens Veganismus dauerhaft durchhalten zu können. Und diese Bedenken kamen in den ersten 3 Jahren ab und an wieder. Ach herrje – keine Tiefkühl-Pizza, kein Nutella, keine Vollmilchschokolade, … in deren Bann ich doch zu meinen vorangegangenen Zeiten als Ovo-Lakto-(Pudding)Vegetarier gezogen worden war. 🙂

Doch es kam besser als befürchtet und anders als erhofft: Mein kulinarischer Horizont erweiterte sich im Laufe der Jahre. Wurde farbenfroher. Abwechslungsreicher. Vielfältiger. Innovativer. Die vegane Lebensweise (die sich nicht nur auf den Bereich der Ernährung beschränkt) hat mein Leben bereichert, positiv beeinflusst und ethisch-moralisch authentisch justiert. Auch gesundheitlich habe ich meiner Entscheidung viel zu verdanken – davon gehe ich ganz stark aus.

Mittlerweile ist der heutige „vegane Nahrungsmittelmarkt“ bunt und kreativ. Vegane Lokalitäten, Restaurants & Cafés sind seit einigen Jahren im Kommen. Vielen Menschen ist das Wort ‚vegan‘ heutzutage sogar geläufig und mehr noch: viele von ihnen wissen sogar, was es bedeutet. Das Wort ‚vegan‘ wird von Word oder von anderen Texteditoren mittlerweile nicht mehr als Rechtschreibfehler ausgewiesen. 😉

In all den Jahren hat sich etwas getan – und es tut sich was.

Be the change you want to see in the world

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt. ― Mohandas Karamchand Gandhi

Und dann das: Mehr als 10 Jahre lang habe ich Zustände in der „Nutztierhaltung“ dokumentiert, Schlachtungen fotografiert und gefilmt, Ställe betreten, mich an Pelzfarmen herangeschlichen, Kadaver gerochen, Mahnwache gehalten, demonstriert, appelliert. Aber niemals mit Hass sondern mit einem abwägendem Verständnis dafür, dass Menschen sich irren – mit all den daraus resultierenden Konsequenzen.

Mein Anliegen war, einen positiven Wandel in der Gesellschaft und Mitgefühl für unsere Brüder und Schwestern zu (be)fördern. Die Gemeinsamkeiten zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren überwiegen die zweifelhaften Unterschiede bei weitem.

Was ist ein Unterschied in Anbetracht von Einheit?

Ich weiß, all das Engagement hat etwas gebracht. Es wurde viel bewegt. Es gab viel aufbauendes Feedback, viel Unterstützung, viel Dankbarkeit. Drohungen und Beschimpfungen blieben ohne Folge und waren außerdem gering an der Zahl.

Heute weiß ich: Ich hatte mein Leben sinnvoll gestaltet. Mit Karma-Yoga.

Teils handelte ich ohne Anhaftung an die Früchte meines Tuns – für mich war es ein selbstloser Dienst zum Wohle des Ganzen, zum Wohle aller. Seitdem ich mit dem integralen Yoga in Kontakt gekommen bin, wird mir klar, welche Bedeutung das auf die persönliche Entwicklung hat.

Jetzt, da ich als Yogalehrer bei Yoga Vidya lebe und in den Genuss einer Art Daseinsvorsorge komme, mit einer sattwigen, vollwertigen, biologischen und köstlichen veganen Voll-Verpflegung, glaube ich, dass ich nicht zuletzt auch Früchte meiner vergangenen Handlungen ernte. Dass es das hier gibt, so wie es ist, hat auch etwas mit mir zu tun.

Om Shanti

Seit einigen Jahren kümmere ich mich konkret um mich selbst. Ich wende mich dem Frieden im Inneren zu. Der innere Frieden ist das Licht der Welt. Friede, Liebe, Wahrheit, Gott, … welches Wort auch immer man wählt – es kündet von jenem einen unsichtbaren unteilbaren Ungeteilten, ohne das alles Wahrnehmbare nicht in Erscheinung treten kann.

Mit sich selbst im Frieden zu sein ist enorm wichtig, weil alles Denken, Fühlen, Handeln und Sein entsprechende Impulse an die Welt weitergibt. Die Welt dient dem Menschen als ein Spiegel seiner eigenen inneren Prozesse.

Der Meister sprach: „Biete Frieden an und er ist dein. Weil er dein ist, kannst du ihn geben. Gib, gib, gib. Von ganzem Herzen.“ ~dg

Als ich begann, vegan zu leben, hielt ich mich für einen Agnostiker.
GOTT? Ja? Nein? Keine Ahnung – mir egal!

Doch heute glaube ich.

Heute glaube ich.  

LIEBE bietet sich dir an, um angenommen zu werden.

In jedem Moment.

Jederzeit.

Ohne Vorbehalt.

Geduldig.

Bedingungslos.

Frei.

Lass das Leben nicht sinnlos verstreichen.

Meide Zorn.

Sei gütig.

Entwickle Zufriedenheit und fördere die Zufriedenheit anderer.

Sei dir im Klaren darüber, was du wirklich brauchst. Sei dir im Klaren darüber, was überflüssig ist. Lass dein Leben nicht eine bloße Ansammlung von Objekten oder Erinnerungen sein, sondern lebe im gegenwärtigen Moment. Wo ist gestern, wo ist morgen – hier in diesem Augenblick? Hier gibt es nur „Ein Jetzt“. Das bedeutet nicht, nicht auch an Vergangenes denken zu dürfen oder Erwartungen an die Zukunft haben zu können. Aber: Sei offen für das Glück des Augenblicks.

Es gibt Fragen, die kann ich nicht beantworten. Es gibt Antworten, die widersprechen sich. Und es gibt Stille. Dieses kostbare, unendlich weit gefüllte Reich der Stille, das niemals leer ist sondern stets erfüllt ist mit und durch sich selbst.

Dieses hier geht an dich:

Ich danke dir!

Wie auch immer du lebst: du lebst so gut du kannst. Was auch immer du tust: du tust, so gut du kannst. Wieviel auch immer du gibst: du gibst, soviel du kannst.

Einem Ruf folgend höre ich, was eine Stimme zu mir sagt:

„Ich bin Liebe. Ohne dich kann ich nicht sein und ohne mich kannst du nicht sein. Suche mich. Finde mich. Erkenne mich. Verkünde mich. Nimm dies als Basis für ein wohl gelebtes Leben.“  

Hier, an dieser Stelle, was bleibt?

Immer das, was immer ist –
das Eine ohne Gegenteil.

OM

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3 Kommentare zu “20 Jahre vegan – Einige Gedanken

  1. schön:)

  2. Anonymous

    Wow, Danke 😊

  3. Es tolles Statement.
    „Gehe ganz aus dir hinaus aus Liebe zu Gott, und Gott wird ganz aus sich hinausgehen aus Liebe zu dir. Was dann bleibt, ist die schlichte Einheit.“ Meister Eckhart LG nirmala

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