Ayurveda ganz einfach (2): Die Doshas verstehen

Wenn du schon ein wenig über Ayurveda gelesen oder gehört hast, ist dir bestimmt der Begriff Dosha begegnet. Oder du hast jemanden sagen hören: Mein Vata ist im Moment sehr hoch. Oder jemand anders sagt: Ich bin ein Pitta-Typ, deshalb reagiere ich jetzt etwas gereizt. ;=)

Was hat es also mit Vata, Pitta und Kapha auf sich?

Die Dohas sind die verschiedenen Bioenergien des Ayurveda. Frei übersetzt bedeutet Dosha soviel wie, das was verdirbt. Denn die Doshas verändern sich ständig.
Grundlage der Doshas sind die 5 Elemente, die in der Natur präsent sind: Wasser, Luft, Erde, Feuer, Äther (Raum).

Diese Elemente bilden wiederum die 3 Doshas:

  • Feuer + Wasser = Pitta (Galle)
  • Luft + Raum = Vata (Wind)
  • Wasser + Erde= Kapha (Schleim)

Im Ayurveda wird davon ausgegangen, dass der Mensch ein Abbild des Universums ist; also müssen die Doshas auch in ihm selbst vorhanden sein. Diese manifestieren sich im Menschen sowohl körperlich als auch geistig. Du erkennst sie an ihren typischen Eigenschaften.

Im Folgenden möchte ich die Doshas beschreiben, damit du dir ein Bild davon machen kannst.

Die 3 Doshas des Ayurveda

Vata
Vata ist das Prinzip der Bewegung. Es drückt sich durch das Nervensystem des Menschen, die Atmung sowie die Verdauung bzw. Ausscheidung aus.
Vata besitzt folgende Eigenschaften: trocken, kalt, leicht, fein, beweglich, wechselhaft, rau.

Pitta
Pitta ist das Prinzip der Umwandlung und Hitze. So zeigt sich das Pitta im Stoffwechsel, dem Sehvermögen und der Körperwärme. Auch unser Blut und die Haut sind von Pitta durchdrungen.
Pitta besitzt folgende Eigenschaften: heiß, leicht, flüssig, fließend, sauer, durchdringend, scharf.

Kapha
Kapha ist das Prinzip der Stabilität und Struktur. Im Körper ist es z. B. verantwortlich für das Schmieren, Nähren und Stabilisieren der Gelenke, für die Immunkraft und den Lypmphfluss.
Kapha besitzt folgende Eigenschaften: schwer, kalt, feucht, schleimig, ölig, weich, stabil.

Das fettgedruckte Adjektiv ist jeweils die markanteste Eigenschaft des Doshas. Ein Beispiel dafür: Nur Pitta ist heiß, Vata und Kapha sind kalt.

Das ist im ersten Moment graue Theorie oder einfach eine ungewohnte Sichtweise. Dr. Frawley empfiehlt in seinem Buch Mit dem Herzen denken eine schöne praktischen Übung dazu: Das Erspüren der Doshas in der freien Natur und in dir selbst.

Erspüren der Doshas in der freien Natur und in dir

Vata: Mache an einem kühlen, trockenen aber windigen Tag einen Spaziergang und achte auf die  vorherrrschenden Eigenschaften. Nimm wahr, wie sie sich in der Natur zeigen. Spüre dann deine Reaktion darauf. Vielleicht fühlst du dich erst ganz klar und leicht. Ein Gefühl von Weite entsteht, von Freiheit. Nach einer Weile eine mag sich deine Wahrnehmung verändern: Nun beginnst du dich unruhig und schutzlos zu fühlen oder entwurzelt.

Pitta: Wähle einen heißen, schwülen, Sommertag, um die Eigenschaften von Pitta zu erfahren: Wärme und Feuchtigkeit. Nach längerer Zeit wird es dir vielleicht zu stickig. Unruhe und Gereiztheit kommen auf. Du möchtest dich gern abkühlen.

Kapha: Wähle einen regnerischen, kühlen Tag aus. Es ist jedoch windstill. Sitze an einem überdachten Platz und lasse die Umwelt auf dich wirken. Du magst dich erst ganz angenehm ruhig fühlen und geerdet. Nach längerer Zeit wird daraus vielleicht Schwere. Du fühlst Müdigkeit und Trägheit.

Auf diese Weise kannst du in jeder Situation ein Gefühl für die Existenz der Doshas und ihre Eigenschaften entwickeln. Denn im Ayurveda dreht sich alles um diese Eigenschaften.
Anhand der beschriebenen Übung wird auch das Prinzip des Gleichgewichts bzw. des Ausgleichens deutlich: Schwingt eine Eigenschaft in ein Übermaß um, wird die gegenteilige Eigenschaft zugeführt um wieder die Balance herzustellen.
Dazu ein einfaches Beispiel: Mal angenommen, du warst etwas zu lange in der Sonne. Dann ist dir auf einmal sehr heiß. Du gehst dann in den Schatten, um dich abzukühlen. Du wirst wahrscheinlich auch Durst haben und trinkst etwas Kühles. Als Mahlzeit wählst du einen erfrischenden Salat. So wird das überschüssige Dosha, in diesem Fall Pitta, reduziert. Das Gleichgewicht ist wieder hergestellt.

Jeder Mensch hat alle 3 Dohas zu individuell unterschiedlichen Anteilen in sich. Diese bilden seine ganz eigene physische und zum Teil auch psychische Konstitution, die Urnatur (Prakriti).
Diese Urnatur bleibt immer gleich, sie kann lediglich durch verschiedene Einflüsse aus der Balance geraten.
Aus einem Vata-Typ kann also nie ein Kapha Typ werden. Die Aufgabe ist es, ein ausgeglichener Vata-Typ zu sein, also die Stärken der jeweiligen Konstitution zu leben und die Schwächen auszugleichen.

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, was es mit den Doshas auf sich hat. Bitte beachte, dass ich zur Erklärung immer nur einige Aspekte herausziehe. Zum Beispiel könnte man die Wirkung der Doshas im Körper noch umfassender darstellen. Aber dafür gibt es ganze Bücher und auch entsprechende Ausbildungen. Ich möchte hier in dieser Artikel-Serie eher eine Idee davon vermitteln, wie das Prinzip des Ayurveda im Großen und Ganzen funktioniert.

Gern kannst du auch Fragen in den Kommentaren stellen. Ich werde dann versuchen, diese zu beantworten.

Im nächsten Beitrag geht es um die verschiedenen Konstitutionstypen im Ayurveda, die schon angesprochene Urnatur. Du wirst dich oder auch Menschen aus deinem Umfeld in den Beschreibungen wiedererkennen :=)

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