Ein Hauch von Indien

Hoher Besuch in Bad Meinberg: Swami Yogaswarupananda aus dem Sivananda Ashram in Rishikesh ist zu Gast. Er gibt ein Seminar zur Bhagavad Gita, erfreut sich – hoffentlich – am wechselhaft-warmen deutschen Frühsommer und hat ganz nebenbei  und unauffällig einige Teilnehmer des Samstag Abend Satsangs verzaubert. Mich zum Beispiel.

Für manchen Nicht-Yoga-Vidyaner mag das gar nichts Besonderes gewesen zu sein. Wenn man, wie es ein Gast mal ausgedrückt hat, schon „den Gottensdienst in einer Fremdsprache feiert“ und dabei mit erstaunlicher Ausdauer Zungenbrecher-Mantras rezitiert, dann ist ein echter indischer Swami in orangefarbenen Roben womöglich gar keine so große Überraschung. Es stimmt schon: Manchmal braucht es ein bisschen Zeit, bis man die kraftvolle Wirkung des Sanskrit nicht nur ahnt, sondern direkt spürt.

indischertanzAber auch so war die Atmosphäre an diesem Samstag Satsang irgendwie anders. Vielleicht weil ein paar Augenblicke lang alles so einfach, leicht und heiter war. Oder weil während der Mantra Meditation ganz plötzlich ein Gefühl von Gemeinsamkeit in der Luft lag. Vielleicht haben ja auch die fließenden Freudentänze von Lalitha Devi und ihren Tanzworkshop-Teilnehmern die Luft im Sivandanda Saal in positive Schwingungen versetzt, oder es war Swamijis  Heiterkeit bei der Idee, die eigenen Zähne zu verklagen, weil sie die Zunge gebissen haben. (Schließlich klagen wir uns ja auch gegenseitig an, obwohl wir, bei Lichte betrachtet, auch nichts anderes sind, als die verschiedenen Teile eines unendlich-ewigen Bewusstseins.) Wie dem auch sei…

Wer von einer besonderen Atmosphäre nicht sprechen mag, nur weil ein hoher Gast aus Indien auf der Bühne saß, hatte auf jeden Fall die wunderbare Gelegenheit, mal wieder ein paar erhellende Einblicke in die Bhagavad Gita und den Hintergrund von echtem Karma Yoga zu gewinnen. Immer wieder nützlich, denn schließlich ist laut Bhagavad Gita bewusstes Karma Yoga in allem Tun der sicherste Weg, um sich seiner Selbst und dem Sinn des eigenen Lebens bewusst zu werden.

Was ja manchmal leichter gesagt ist, als getan, das wird im indischen Sivandanda Ashram offensichtlich einfach gelebt: Dort wird – wenn man Swami Yogaswarupananda glauben darf – jede Handlung ganz bewusst dem Göttlichen gewidmet. Ob wir das auch können? Beim Arbeiten, Essen und dann noch beim Besuch im Kino? Wie würden wir  unseren Alltag wohl gestalten, wenn wir echtes Karma Yoga üben würden?  Die Dinge gelassener nehmen? Uns mehr Zeit für andere und für den Augenblick nehmen? Pflichten nicht mehr lästig finden?

Manchmal tut es einfach gut, wenn ein Mensch leibhaftig vor einem sitzt, der solche Ideale ohne große Kommentare und konsequent in die Tat umsetzt. Dann weiß man doch zumindest wieder, dass ein Leben im Einklang weder unmöglich noch ein Zauberwerk ist. Noch dazu gibt es tatsächlich Menschen, die mitten in unserer verschrobenen Welt genau so leben. Wenn die alle so ruhig und friedlich strahlen wie Swami Yogaswarupananda und damit einen ganzen Saal und 200 Menschen in Heiterkeit und Freude versetzen können, dann muss das ein lohnenswertes Ziel sein. Prompt wird so ein Samstag Abend Satsang zu einem Geschenk – selbst in Fremdsprache und nach einem langen Seminar-, Arbeits- und/oder Karma Yoga-Tag.

Noch ein paar Gelegenheit, bei Yoga Vidya echten Swamis zu begegnen >>

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