Hatha-Yoga (21): Bogen

Und nun in den Bogen, die Asana des sicheren Handelns. Zehenspitzen mit den Fingern berühren und den Rücken nach hinten biegen. So wird der Körper zum vollkommenen Kreis, zum Sinnbild der Unendlichkeit, zum OM, der Ur-Energie, zum Ursprung allen Seins.

Ja, schön wäre es, denke ich. Wäre meine Wirbelsäule nur, sagen wir, um 70 Prozent flexibler. Wäre ich nur schon Yoga-Meisterin. Stattdessen liege ich auf dem Bauch, greife mühsam die Fußgelenke mit den Händen und verbiege meinen Körper zu einem abstrakten Gebilde, das – nun ja – entfernt auch an einen Kreis erinnert.

Diese Yoga Übung ist so wunderbar symbolisch. Zum Beispiel in Sachen sicherem Handeln: Pfeil spannen, Ziel anvisieren,  loslassen – und genau die Mitte treffen. Solange ich nur den Spannungsbogen in meinem Leben nicht überspanne. Und mich nicht in den unmöglichsten Positionen verbiege, nur weil das vielleicht irgendwer von mir erwartet. Da spanne ich den Bogen doch lieber erst, wenn der Pfeil ganz sicher das richtige Ziel anvisiert. Genau. Was war noch mal mein Ziel? Und welchen Pfeil wollte ich abschießen?

Es ist doch gut, zu wissen, dass ich die Qualitäten des Bogens jederzeit in mir trage. Die Flexibilität und die Fähigkeit, voll Vertrauen loszulassen. Die Hingabe und die Stärke. Unser innerstes Wesen ist so vollkommen wie der Bogen: stark, biegsam und mit einem klaren Ziel vor Augen. Unser innerstes Wesen. Ich schaukele noch ein wenig in der Bauchlage und denke über mein innerstes Wesen und meine Ziele nach. Bis mir einfällt, dass ich mich eigentlich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrieren wollte. Und dass man seine wahren Ziele nicht durch Nachdenken findet.

Dietlind Arndt lebt und arbeitet bei Yoga Vidya in Bad Meinberg

Übrigens: Zum Lernen und Mitmachen gibt es Video-Anleitungen für die einzelnen Asanas. Yoga und Meditation Einführungsseminare bei Yoga Vidya werden bis zu 80 Prozent von den Krankenkassen übernommen.

1 Kommentar zu “Hatha-Yoga (21): Bogen

  1. diese Übung setzt ganz viel Energie frei bei mir, und wenn man sie regelmäßig macht wird es auch besser mit der Beweglichkeit der Wirbelsäule. Am Anfang war ich auch recht unflexibel, aber heute sieht es richtig gut aus

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