Rückblick: Der Yoga Kongress 2018 – Teil 1 von 3

„Lokah Samastah Sukhino Bhavantu. Mögen alle Wesen, in allen Welten, Glück und Harmonie erfahren“ – mit diesem wunderschönen Mantra begann und endete der Yoga Kongress 2018 am vergangenen Wochenende (16. bis 18.11.2018) bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

Zum 15. Mal kamen Yogis und Yoginis hier mit Referenten aus ganz Europa, Indien und Russland  zusammen. Unter dem Motto „Yoga – Forschung und Selbsterforschung“, gaben Professoren, Wissenschaftler, Yoga-MeisterInnen und Yoga-Spezialisten ihr Wissen mit viel Freude und Inspiration weiter. Yoga wurde von allen Seiten theoretisch und natürlich auch praktisch beleuchtet, geübt und gefeiert.

Yoga-Meister beim Eröffnungsritual.

Für einen guten Start zelebrierte der indische Yoga Meister, Nepal Lodh, ein Eröffnungsritual zur Reinhaltung der 5 Elemente. Elmar Brok, Europaabgeordneter und Kongress-Schirmherr, grüßte aus Straßbourgh. Er sprach von einem immer größer werdenden Bedürfnis der Gesellschaft nach Ruhe und Entspannung und ist sich sicher, dass Yoga eine sehr wirkungsvolle Antwort darauf geben kann. Weitere regionale Kooperationspartner fanden inspirierte Worte zum Kongressmotto und teilten ihre Gedanken: „Selbsterforschung mit Yoga, kann helfen eine innere Heimat zu finden und die ist Bedingung, um nach außen wirksam zu sein und sich für Gutes einsetzen zu können“, Antonius Grothe, stellvertretender Vorstand des Landesverband Lippe. Ludmilla Gutjahr vom Stadtmarketing Bad Meinberg beschreibt „Yoga als Balsam für den Organismus und Hilfe den Schatz des Körpers und des Lebens zu bewahren.“

Sukadev fasste die Essenz des Yoga noch zusammen als Gesundheit, Freude und Frieden. Und als Möglichkeit, ein friedvolles Leben inmitten einer hektischen Welt zu führen.

Bei aller Theorie, ist Yoga vor allem auch Praxis.

Zum Beispiel: Hatha Yoga. Eine kleine Auswahl fortgeschrittenster Positionen, präsentierte Fabian Belser während der Eröffnungsveranstaltung. Ob langjähriger Yogi oder Anfänger, danach waren alle voll motiviert, sich selbst in das facettenreiche Programm zu stürzen. Für wirklich jedes Yoga-Bedürfnis war Etwas dabei: ob sportlich, meditativ, spielerisch oder therapeutisch.

Organisation des Tagesablaufs

Knapp 100 verschiedene Programmpunkte bot dieser Kongress, da war die Auswahl gar nicht so leicht. Auf praktischer Ebene neue Techniken lernen, Bekanntes neu entdecken, abtauchen in die Tiefen yogischer Schriften oder sich entspannenden Klängen hingeben. Bipolare Atemdynamik, yogische Praktiken aus der Gheranda Samhita oder vedantische Selbsterforschung. Kinderyoga, Sonnengrußvariationen oder Klangyogastunde. Jeder stellte sich seine individuelle Mischung aus Vorträgen und Workshops zusammen.

Am besten so, dass die Kräfte über drei Kongress-Tage reichten. So war die persönliche Organisation des Tagesablaufs schon ein Teil der Selbsterforschung. Daraus ergaben sich Fragen wie: Kann ich gut entscheiden, was für mich wichtig ist und Prioritäten setzen? Ohne einer alternativen Entscheidung nachzutrauern? Schätze ich richtig ein, wie viel an Input ich aufnehmen kann? Plane ich auch Zeit fürs Nichtstun ein?

Kongress-Eröffnung im Sivananda Saal bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

Vedanta – das Ende des Wissens… oder doch erst der Anfang?

Zur vedantischen Einstimmung, der Vortrag „Verwirrung des Selbst und seine Lösung“ von Chandra Cohen. Wer sich anschließend für den Maxi-Workshop „Who you are“ mit Atmanshanti Hoche entschied, konnte Vedantaphilosophie weiter vertiefen. Lange gehaltene Asanas untermalt mit Texten von Shankaracharya und indischer Musik.

Alternativ dazu, konnte man auch erst später einsteigen. Und zum Beispiel die Yoga Stunde mit Katyayani genießen. Vedantisch ging es auch hier weiter, gesungen und mit Harmonium begleitet, konnte die Aussage „Sat-Chid-Ananda Swarupoham“ tief wirken. Übersetzt: „Sein, Wissen, Glückseligkeit ist meine wahre Natur“.

In jeder der 12 Yoga Vidya Grundstellungen und beim Pranayama entfaltete sich die Wirkung ein wenig anders. Dabei konnte man die Grenzen des physischen Körpers und vielleicht auch des Bewusstseins spüren, um dann darüber hinaus zu gehen. Mein Aha-Erlebnis: Unzufriedenheit entsteht, weil man denkt, man wäre nur innerhalb der körperlichen und geistigen Grenzen existent und darauf beschränkt. Am Ende der Stunde: ruhige Gelassenheit.

Der Freitagabend appellierte weiter an den Forschergeist in uns. Sukadev teilte seine Erfahrung vom Lesen der Yoga Sutras von Patanjali. Nachdem er diese mindestens 50 Mal gelesen, selbst mehrere Bücher dazu geschrieben und viele Seminare gegeben hatte, kam ihm beim 51. Mal Lesen wieder eine ganz neue Erkenntnis. Fazit: Bleibe neugierig und wissbegierig. Ruhe dich nicht in unbewussten Routinen aus mit der Entschuldigung „so bin ich halt“.

Mit Selbsterforschung kannst du steuern wohin die Reise geht und hinter die Routinen schauen und tiefer gehen. Beleuchte alles im Leben von verschiedenen Seiten mit Bewusstheit. Wie ein Wissenschaftler, nähere dich einer Sache immer wieder aus einer anderen, neuen Perspektive an. Das lässt sich schön in der Partnerschaft ausprobieren: du kannst dir, jeden Tag neugierig und bewusst deinen Partner anschauen und aus einer neuen Perspektive sehen. Vielleicht erlebst du so viele positive Überraschungen.

Sukadev, spiritueller Leiter von Yoga Vidya, spricht zum Kongress-Motto: Yoga Forschung und Selbsterforschung.

Dann der Vortrag von Prof. Dr. Martin Mittwede zum Thema “Selbsterforschung im Licht der altindischen Philosophie und modernen Psychologie“. Fazit: Selbsterfahrung wächst von innen, man kann sie nicht machen. Es wird sich nicht wirklich in dir festigen können, was du nicht selbst erlebt hast. Die Herausforderung: authentische Spiritualität leben. Akzeptiere deinen Lebensweg wie er ist. Manche Weiterentwicklung kann man einfach erst nach unzähligen Erfahrungen machen. Es hilft, die Verbissenheit loszulassen und alle Aspekte und Bereiche im Leben als Wachstumsmöglichkeit zu sehen. Ein Guru oder wohlwollende Freunde können dir auch immer wieder helfen, dich objektiver zu erforschen.

Forschung belegt Wirksamkeit von Yoga

Wer dann noch Kapazität hatte, konnte den außergewöhnlichen Prof. Dr. Marcus Stück um 21:15 Uhr erleben zum Thema „Epigenetische und psychobiologische Veränderungen durch bewusstseinserweiternde Methoden“. Dieser geniale Wissenschaftler hat herausgefunden, dass sich durch negativen Stress das Erbgut verändert. Mit höchstem persönlichen Körpereinsatz bei einer Extrem-Bergtour. Hier wurde ihm an jedem Etappenziel Blut abgenommen, um anschließend die Veränderungen in seiner DNA über die Zeit der Tour festzustellen. Seine extremen Erfahrungen von Kälte, Hunger und Schmerzen hatten sich tatsächlich in der DNA, also im Erbgut bemerkbar gemacht und er würde diese Informationen jetzt an seine Kinder weitergeben. Eine andere Studie wies nach, dass sich auch psychische Traumata im Erbgut zeigen und damit von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Als überzeugter Yogi hatte Marcus Stück schon oft genug in seiner Praxis erfahren, dass ein Energieausgleich in Körper und Geist stattfindet. Das wollte er empirisch belegen, in einer Zeit, in der jeder alles behaupten kann. Seine Studien zeigen, dass sich durch Entspannung und Anspannung mit passender Atmung beim Hatha Yoga oder in der Meditation das sympathische und parasympathische Nervensystem rhythmisiert. Damit sorgen bewusstseinserweiternde  Methoden ganz automatisch dafür, dass die Resonanz der Zellen im Körper wieder synchronisiert wird.

Yoga und Meditation haben also Einfluss auf autonome Reaktionen im Körper wie zum Beispiel den biologischen Flucht/Kampf-Mechanismus als Reaktion auf Stress. So will Prof. Dr. Marcus Stück mit seinen Studien auch dafür sorgen, dass Yoga und Meditation flächendeckend an Schulen eingesetzt wird, um Kinder darauf vorzubereiten, mit Stress umzugehen. Durch die stimulierte Wahrnehmung verstärken sich außerdem die Sensibilität und die Verbindung zwischen Mensch und Natur. Krasser Gegensatz dazu wäre eine egozentrische Ausrichtung der Schulkultur und Arbeitswelt. Mit bewusstseinserweiternden Methoden, wird ein verbessertes Gemeinschaftsgefühl und eine Kultur der Zusammenarbeit geschaffen. Alles in Allem, wir wussten es ja schon immer, trägt Yoga zur Verbesserung der Welt bei.

Die Zusammenfassung der Kongress-Tage Samstag (17.11.2018) und Sonntag (18.11.2018) folgen in den kommenden Tagen – du findest alle veröffentlichten Teile unter diesem Link:

Schau einfach wieder hier vorbei.

0 Kommentare zu “Rückblick: Der Yoga Kongress 2018 – Teil 1 von 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.