Das war der Yogakongress 2016 bei Yoga Vidya – Teil 1/3

Vom 18. bis 20.11.2016 fand bei Yoga Vidya Bad Meinberg der 19. Yoga Kongress statt. Ungefähr 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten das Event, das sich dem Thema widmete: Erfolgreich Yoga unterrichten – Das Geheimnis, die Tiefenwirkung und Bandbreite des Yoga Vidya Stils.

Veranstaltet wurd der Yogakongress vom Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer/innen e.V. (BYV)

In dieser dreiteiligen Blog-Serie schildert Christine Endris ihre Eindrücke. Teil 1 gibt Auskunft über den Eröffnungstag. 

Tag 1, Freitag – Eröffnung

Die Eröffnung des Kongresses um 12.30 Uhr erlaubt es auch Berufstätigen, noch rechtzeitig anzureisen. Der Andrang ist groß!

Bei der Begrüßung der Ehrengäste und des Fachpublikums nennt Sukadev den Yoga Vidya Stil als den mittlerweile führenden im deutschsprachigen Raum. Yoga Vidya zählt zu den größten Ausbildungsstätten Europas. Der Yoga Vidya Stil zeichnet sich aus durch hohe Flexibilität z.B. in der Ausübung der Asanas. Früher wurde leidenschaftlich debattiert über Fragen wie: Wo muss bei der Kobra hingespürt werden – in die Arme, ins Becken oder in die Hände? Die glasklare Antwort lautet bei Yoga Vidya: Es kommt darauf an – auf die körperliche Verfassung des Übenden, auf die Zielsetzung wie längeres Halten oder meditativ oder beides. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dazu beigetragen, sehr individuelle Übungsmöglichkeiten zu entwickeln. Yoga Vidya ist maßgeblich an diesen Forschungen beteiligt, sowohl finanziell als auch praktisch. Heute schaffen es solche Untersuchungsergebnisse in die FAZ, den Spiegel oder ins Fernsehen. Denn: Hatha Yoga ist zum Mainstream geworden.

Yoga Vidya steht aber für mehr als nur Hatha Yoga und Stilfragen. Er steht besonders für 25-jährige Friedensarbeit. Er soll dazu motivieren, sich für den Frieden zu engagieren, liebevoll mit sich selbst zu sein, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und umzusetzen, dabei die Mitmenschen zu respektieren und das Miteinander friedvoll zu gestalten. Kurz: Den Frieden in der Welt mit allen Kräften zu fördern.

Tiere, Pflanzen, ökologisches Gleichgewicht, Gerechtigkeit, Toleranz und Klugheit (Vidya heißt Wissen!) gehören zum Yoga Vidya Stil und das Bewusstsein von Einheit, Verbundenheit und allumfassender Liebe. Natürlich gehören Stille und Meditation dazu. Seit Bestehen von Yoga Vidya und aller Zentren werden täglich mehrmals und regelmäßig Meditation, Mantrasingen und Gebete für den Frieden praktiziert. „Kleiner“ Nebeneffekt: Es macht Yoga Praktizierende selbst-bewusster und powervoll!

Die Ehrengäste aus der Region sind voll des Lobes über die Präsenz des Ashrams in Bad Meinberg und die gute Zusammenarbeit. Sukadev dankt ganz besonders dem anwesenden Ehrenvorsitzenden des Bad Meinberg e.V. Prof. Albertin, der ihm in den „Gründerzeiten“ vor 13 Jahren ganz intensive Unterstützung gegeben hat mit Hinweisen, Ratschlägen und Hilfestellung in praktischen Dingen.

Nepal Lodh hat sich einen schönen Satz für das Eröffnungsritual ausgedacht: „Ich grüße das Positive in dir! Namaste!“ Damit verbeugen wir uns vor unseren Nachbarn. Das tut der Gemeinschaft und dem Kongress ganz sicher gut.

Tradition und Moderne

Es folgt ein Vortrag von Sukadev: Bedeutung des Vermächtnisses von Swami Sivananda und von Swami Vishnu-devananda für die heutige Zeit

Swami Sivananda (1887 bis 1963) und Swami Vishnu (1927 – 1993) haben den neuzeitlichen Yoga stark geprägt. Swami Sivananda wuchs in einer angesehenen Brahmanenfamilie auf und erhielt eine umfassende Bildung, vom Sport (Ringer, Leichtathletik) bis zum Arztstudium. Respekt und Wertschätzung gegenüber den verschiedenen Religionen waren selbstverständlich. Die Bergpredigt kannte er auswendig! Und dass der Sprössling womöglich mal ohne Mantel oder Jacke nach Hause kam, dafür aber seinen Teller nach draußen mitnahm und an einen hungrigen Menschen gab, das gehörte zum alltäglichen Erfahrungsschatz seiner Eltern und wurde freundlich geduldet.

In Rishikesh gründete er schließlich 1936 einen Ashram mit Krankenhaus, in dem auch heute noch Arme umsonst behandelt werden. Er wurde als Ratgeber für viele Menschen, auch Politiker, in Indien sehr bekannt und geschätzt.

Ein ganz besonderes Verdienst von Swami Sivananda ist, dass er die bisher meist geheim gehaltenen klassischen Texte und Mantras weitergegeben und erklärt hat, er hat die Techniken des Pranayama klar beschrieben, er hat das yogische Wissen gedruckt – meist auch in englisch, damit alle Menschen im Osten wie im Westen Zugang dazu bekommen sollten. Das führte zu vielen Gästen lm Ashram aus Amerika und Europa.

Genau diese Tradition setzt Yoga Vidya fort.

Swami Vishnu-devananda lebte neun Jahre lang bei Sw. Sivananda in Rishikesh. 1956 ging er mit dem Auftrag, Yoga in den Westen zu bringen, nach Amerika und gründete 1959 den ersten Ashram in Kanada. Er bildete mehr als 37000 Yogalehrer aus. Einige der Schüler, die ihn dort oder später in anderen Ashrams besuchten und bei ihm blieben um zu lernen, sind zu diesem Kongress gekommen. Auch Sukadev zählt zu ihnen.

„Es liegt nicht alles in unseren Händen. Hinter allem lebt Brahman!“ sagt Sukadev.

Ein Gramm Praxis ist mehr Wert als Tonnen von Theorie

Eine Warnung für YogalehrerInnen: Ist jemand sehr gut und beliebt, bekommt er/sie immer mehr Schüler und damit mehr Arbeit. Unterrichtet jemand nicht so gut, wird mehr in die Werbung gesteckt. Das braucht auch mehr Zeit und Arbeit! Was ist die Folge und die Falle? Diese Zeiten gehen vom Sadhana weg, der eigenen Praxis! Das sollten wir vermeiden!

Thomas von Kempen sagt dazu passend: Jeder Mensch sollte täglich eine Stunde spirituell praktizieren. Wer stark beschäftigt ist – zwei!

Die Yogastunde danach mit Musik (Satyadevi spielt auf einem sehr feinen Saiteninstrument) und Zitaten von Swami Sivananda ergänzt den Vortrag sehr gut. Zu den Ansagen meines ersten Yogalehrers Sukadev zu praktizieren, ist  eine Reise an die Wurzeln für mich. Da wird etwas erneuert!

Teil 2/3 folgt demnächst…

Weitere Artikel zum Yoga Kongress 2016: 

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1 Kommentar zu “Das war der Yogakongress 2016 bei Yoga Vidya – Teil 1/3

  1. Sehe schöner Beitrag vom Konkret,
    Dieses Jahr möchte ich auch dabeisein ,kraft meiner Gedanken.

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