Interview mit Swami Divyananda

Interview mit Swami Divyananda Saraswati

Swami Divyananda ist Leiterin des Hauses Yoga Vidya Westerwald und Yogalehrerin /-Ausbilderin, Meditations-Lehrerin, Entspannungskursleiterin und Yogatherapeutin. Swamijis Spezialgebiete sind Yoga bei besonderen Beschwerden und Bhakti Yoga. Sie begleitet und motiviert dich mit ihrer ruhigen und kraftvollen Ausstrahlung.

Für Swami Divyananda ist Yoga eine „Art und Weise, das ganze Leben in Einheit und Harmonie zu verbringen.“ In diesem Interview spricht sie über die Bedeutung, die Yoga in ihrem Leben hat, wie sie zum Yoga gefunden hat und was ihr beim Unterrichten besonders am Herzen liegt.

Liebe Swamiji, was bedeutet Yoga für dich?

Yoga hat eine ganz große Bedeutung für mich. Yoga ist für mich eine Art und Weise, das ganze Leben zu gestalten. Es ist mehr als etwas, was man einfach nur so macht, um sich zu entspannen oder neue Kraft zu tanken. Es ist eine Art und Weise, das ganze Leben in Einheit und Harmonie zu verbringen. Das ist für mich die Bedeutung von Yoga.

Wie bist du zum Yoga gekommen?

Das weiß ich noch ziemlich genau. Das war zu einer Zeit, zu der ich gar nicht richtig wusste, was mit mir los war, ich war so diffus unglücklich, habe sicherlich auch gedacht, dass mein Glück von Objekten oder den Menschen um mich herum kommt. Ich hatte auch einen ganz normalen Beruf und habe festgestellt, dass mich das alles nicht dauerhaft glücklich macht und war dann auf der Suche nach dem dauerhaften beständigen Glück.

Ich wusste damals nichts über Yoga, ich bin nicht christlich und bin auch nicht religiös aufgewachsen. Ich wusste, irgendetwas fehlt mir, ich wusste aber nicht genau was. Das war der Zeitpunkt, als meine Schwester mich buchstäblich zu einer Yogastunde mitgeschleppt hat, zu Yoga Vidya Köln am Eigelsteintor. Ich hatte dazu damals überhaupt keine Lust, dachte, ich kann das alles gar nicht, ich war mein ganzes Leben nicht sportlich und hatte Bilder von Yogis im Kopf, die auf Nagelbrettern liegen und sich irgendwie verbiegen.

In dieser ersten Stunde habe ich aber gemerkt, da passiert etwas mit mir: durch die Bewusstheit, die tiefe Bauchatmung und das bewusste Im-Hier-und-Jetzt-Sein. Einfach mal dem Gedankenkarussel eine Pause gönnen. Das habe ich mir dann aus der ersten Stunde mitgenommen, dieses Gefühl und ich wusste, ich will das nicht nur einmal, das reicht mir nicht, ich möchte das leben, in mir kultivieren und stärker werden lassen.

Wie ging der Weg weiter?

Ich habe dann gleich Anfängerkurs 1 und 2 besucht, habe in der Zeit an sehr vielen offenen Yogastunden teilgenommen und irgendwann kam das „normale“ Leben und viele Aufgaben in der äußeren Welt, im Berufsleben, die Beziehung, die ich damals hatte hinzu und habe das Yoga regelrecht wieder vergessen.

Bis ich dann nach 1½ Jahren wieder an demselben Punkt stand, ich war müde, erschöpft und unzufrieden, nicht von innen heraus genährt. Und dann ist mir Yoga Vidya wieder eingefallen und ich habe im Internet nach Yoga Vidya gesucht. Gleich auf der Startseite erschien eine große Werbung: „Yogaferien auf Amrum“. Das gab es vor ein paar Jahren noch, als es den Yoga Vidya Nordsee Ashram noch nicht gab. Ich war allerdings zu schüchtern, alleine hin zu gehen, hatte auch eine Scheu vor dem, was mich dort erwartet und dachte, dass das nur für fortgeschrittene Yogis wäre. So habe ich dann meine Mutter angerufen, die schon länger Yoga praktiziert hat und habe mit ihr auf Amrum die Yoga Ferienwoche verbracht. Also eigentlich bin ich über diese Woche richtig ins Yoga eingestiegen.

Ab dann ging es sehr schnell: Bei dieser Ferienwoche habe ich an allen Programmpunkten teilgenommen. Dabei habe ich eine sehr tiefgreifende Erfahrung machen dürfen. Es ist sehr wichtig, jegliches Tun mit einem Gebet zu verbinden, mit Gedanken des Friedens und des Wohlwollens oder einem inneren tiefen Wunsch, wie eine Art Sankalpa (Vorsatz, Bitte) in sich zu kultivieren. Ich habe selbst erfahren, wenn dieses Gebet, dieser Wunsch ganz stark wird, dann geschieht etwas. Das ist magisch und nicht immer können wir so intensiv beten. Das ist ein großes Geschenk, eine Gnade, diesen Zeitpunkt zu erwischen, wo dieses Gebet von innen heraus so tief sein kann.

Es war mein innerer tiefer Wunsch in dieser Woche, Erkenntnis zu erlangen. Mein Sankalpa damals war: „Erkenntnis durch Yoga. Bitte lass mich eine positive Kraft in meinem Leben und im Leben der anderen sein“. So war mein Sankalpa in jeder Sekunde, egal ob ich in der Meditation saß, in der Hatha Yoga Stunde war oder draußen spazieren oder beim Essen, es war einfach immer präsent und das war ein großes Geschenk. Ich kann nicht behaupten, dass ich immer so ein starkes Sankalpa in mir trage, da ich ja auch mal abgelenkt werde durch die Sinne. Aber in dieser Woche war dieses Gebet sehr stark und dadurch entstand ein innerer Raum, wie ein innerlicher Tempel.

Bei Yoga Vidya Köln habe ich dann eine Monatskarte gekauft und war fast jeden Tag dort. Nach 3 Monaten wurde ich gefragt, ob ich dort einziehen möchte. Zu dem Zeitpunkt war in meinem Leben alles durcheinander, bin dann bei Yoga Vidya Köln für ein Jahr als Mithelferin eingezogen, habe tagsüber noch normal in meinem Job gearbeitet und abends im Yogazentrum mitgeholfen. Mir ist recht schnell klar geworden, dass ich Yoga systematisch lernen möchte, die Yogalehrer Ausbildung machen, in einer Gemeinschaft leben und Yoga an andere Menschen weitergeben möchte.

Was liegt dir beim Unterrichten am Herzen, was möchtest du in deinem Yoga Unterricht weitergeben?

Ich denke, da möchte jeder Yogalehrer das gleiche: Yoga hat die Kraft, den Menschen auf allen Ebenen des Seins zu berühren, das verdeutlicht z.B. das Konzept der 3 Körper und 5 Hüllen. Darüber bin ich mir in den letzten Jahren immer bewusster. In diesem Konzept ist alles enthalten – so ist auch im Yoga alles enthalten, denn Yoga ist nicht irgendetwas außerhalb von uns, sondern findet in uns und durch uns statt. Das heißt, wir arbeiten auf der körperlichen Ebene. Viele meiner Yogastunden sind auch sehr körperlich orientiert, aber niemals ausschließlich. Es gibt immer bestimmte Punkte in der Stunde oder sogar in jeder Asana wo das Empfinden über den Körper hinausgeht. Über diese körperliche Wahrnehmung gehen wir tiefer von der Annamayakosha in die Pranamayakosha hinein über die Bewusstheit und die Atmung, zur Quelle des größten Glückes in uns, zu dem was wir alle suchen oder sicher einmal gesucht haben. Der Atem ist dabei der Schlüssel, die zweite Hülle, die Pranamaya Kosha das ist die Bewusstheit und Atembewusstheit, die man durch die bewusste Atmung erreicht. Und der Atem durchdringt letztlich alle Hüllen, geht weiter über die Manomayakosha, die emotional –geistige Hülle, weiter über die Vijnanamayakosha, die intellektuelle Hülle bis zur Anandamayakosha.

Ich glaube fest daran, dass Yoga eines der Mittel ist, mit der wir über die Begrenzungen unserer Körper und Hüllen hinausgehen können und diese Wonne, dieses dauerhafte Glück, erfahren können, auch in der Yogastunde und auch wenn es nur für einen Bruchteil einer Sekunde ist, ist es wie ein Segensschauer erfahrbar.

Du gibst bei Yoga Vidya sehr viele Seminare, von „Yoga und Meditation Einführung“ bis zu Yogalehrer Aus- und Weiterbildungen. Welche Seminare oder Ausbildungen unterrichtest du besonders gern?

Ich gebe alle Seminare sehr gerne, und bei jedem Seminar oder jeder Ausbildung geht es für mich darum, die Leute dort abzuholen wo sie stehen.

Die Yogalehrer Ausbildungen finde ich besonders interessant, da ich erfahren habe, was für ein tiefes transformatorisches Potenzial in diesen Ausbildungen steckt, sowohl in den 4-wöchigen Yogalehrer Ausbildungen wie auch in den 2- oder 3-jährigen Ausbildungen. Das ist eigentlich das, warum ich Yoga unterrichte. Es ist schön, ein Wochenendseminar zu unterrichten, manchmal bekomme ich dann das Feedback, dass die Leute danach aufgehört haben zu rauchen oder kein Fleisch mehr essen. Aber Yoga kann noch tiefgreifender wirken. Ich glaube, dass umfassend gelebtes Yoga das Potenzial hat, einen großen Frieden herbei zu führen, sowohl in uns wie auch in der ganzen Welt. Ich glaube, dass dieses tiefste innere Potenzial, was jedem von uns zu Eigen ist, geweckt werden kann, wenn die Ausbildungen sehr intensiv sind. Deswegen liegt im Unterrichten von Ausbildungen mein Fokus.

Und natürlich auch Asana Intensiv Seminare, weil es so viel Spaß macht, sich zu bewegen. Diese unterrichte ich auch gerne mit vielen Hilfsmitteln wie z.B. Bändern, Gurten, Stühlen, Klötzen oder mit Partnerübungen, da es diese Freude, das spielerische Erleben bei den Asanas fördert.

Ist es für dich eine besondere Erfahrung gewesen, die Swami Weihe zu empfangen?

Ich glaube, dass es keine besonderen Erfahrungen gibt. Ich glaube, dass wir alle Erfahrungen machen, die dem menschlichen Spektrum entsprechen. Sicherlich haben mich meine intensiven Erfahrungen mit Yoga auf den Weg gebracht, die Swami Weihe zu nehmen.

Hast du eine Zukunftsvision in der Yoga eine Rolle spielt?

Nein, da mag ich nicht so weit gehen. Ich habe keine große Vision für die Zukunft, die kann in die ein- oder andere Richtung gehen.

Für mich geht es im Leben darum, wie bei einer Waage, wenn die Welt aus den Fugen geraten ist, diese wieder auszurichten. Wie in der Bhagavad Gita, 2. Kapitel als Krishna Arjuna auffordert: „Steh auf und kämpfe!“

Wir haben die Wahl, woran wir uns beteiligen, die dunklen Energien auf der Welt stärken, tatenlos zusehen oder etwas Gutes bewirken. Ich habe das tiefe innere Bedürfnis, als entgegengesetzte Kraft zu Krieg, Gewalt und Traurigkeit zu wirken und das Potenzial des Yoga, die Kraft der Liebe zu nutzen. Die Aufforderung Krishnas an Arjuna bedeutet für mich, mich nicht hängen zu lassen, sondern in meinem Rahmen und nach meinen Möglichkeiten positiv in meiner Umgebung zu wirken.

Ob durch andere Menschen, die dasselbe tun, eine gemeinsame große Kraft des Friedens geschaffen werden kann, darüber möchte ich mich nicht äußern, spielt vielleicht von der höchsten Warte aus betrachtet auch gar keine so große Rolle.

Was schätzt du an Yoga Vidya besonders?

Inmitten all des Trubels und aller Geschäftigkeit, die hier herrscht, mag es von außen vielleicht gar nicht so aussehen, als wären wir besonders besinnlich. Doch es ist immer wieder magisch, wie Gäste und Sevaka hier tiefgreifend entspannen konnten, einige wie niemals zuvor und Teilnehmer nach Aufenthalten in einem der Yoga Vidya Ashrams vielleicht gar nicht mehr nach Hause wollten, weil sie hier tief in sich hineinhorchen konnten und in der Tiefe der Seele berührt wurden.

Auch im hektischen Alltag lässt uns die Yogapraxis die Tiefe der Seele wieder finden und uns im Einklang mit den kosmischen Gesetzen leben. Yoga bietet den Weg und die Hilfsmittel, um dort hinzukommen.

 

Weitere Informationen: 

 

1 Kommentar zu “Interview mit Swami Divyananda

  1. Der Link zur Fotoshow funktioniert nicht.
    Om Shanti.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.