Die fünf Koshas (Hüllen) und wie Yoga uns da raus holt

Die Yoga Schriften lehren uns, dass das menschliche Wesen mehr ist, als ein Körper, der aus Nahrung und den Elementen besteht.

In den Upanishaden ist die Rede von fünf Hüllen, die unser Menschsein ausmachen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass diese fünf Hüllen nicht unser wahres Selbst sind, sondern dieses nur um- oder verhüllen.

Das Konzept der 5 Hüllen, Panchakosha, ist ein wichtiges Konzept aus dem Vedanta und kann gut beschreiben, warum und wie Yoga auf den verschiedenen Ebenen des Menschseins wirkt.

Die fünf Koshas (Hüllen) sind:

Das wahre Selbst ist formlos. Es ist weder Mann noch Frau. Es ist Bewusstsein, das wir Atman oder Brahman nennen. Dieser Atman wird von den fünf Hüllen verdeckt. Ein Gleichnis von Swami Sivananda besagt, dass der Atman auf die gleiche Weise von den Hüllen verdeckt wird, wie das Feuer vom Rauch.

Der Rauch ist durch das Feuer entstanden und verhüllt dieses nun, sodass wir es nicht mehr sehen können. So ist es auch mit den Koshas. Sie bestehen nur aufgrund des Atman, verhüllen ihn aber nun. Wir sehen nur noch die Hüllen und identifizieren uns mit ihnen und vergessen, dass unser wahres Selbst der Atman ist, der diese Hüllen sieht.

Die Yoga-Techniken dienen dazu, die Identifikation mit den Koshas zu lösen und das Selbst zu erkennen. Da die fünf Hüllen zu ganz unterschiedlichen Bereichen unseres irdischen Seins gehören wird klar, dass es in einer ganzheitlichen Yoga-Praxis unterschiedliche Techniken dafür geben muss.

Mit welchen Yoga-Techniken sprechen wir welche Hülle an?

Für die meisten Menschen findet die „Arbeit“ in den drei unteren Ebenen a) Körper, b) Atem und c) Geist/ Emotionen statt. Hier sitzen die meisten Hindernisse, Blockaden und Verunreinigungen, von denen wir uns mit Hilfe der Yoga-Praxis befreien wollen.

Im Bewusstsein gibt es keine Hindernisse oder Verunreinigungen und unsere Unterscheidungskraft wird sich von selbst entwickeln, wenn sich die Hindernisse der unteren drei Ebenen auflösen.

Wie lösen Asanas, Pranayama und Meditation die Identifikation mit den Koshas?

Die Yoga-Techniken lösen Verunreinigungen der Koshas auf. Diese Verunreinigungen sind Hindernisse auf dem spirituellen Weg, weil sie uns mehr in die Identifikation mit den Hüllen bringen.

Nehmen wir beispielsweise den Körper. Der physische Körper soll uns ein gutes Fahrzeug auf dem Weg zur Erlösung sein. Ist er krank und schwach, müssen wir uns mehr um ihn kümmern. Wir müssen ihn ausruhen, mit ihm zum Arzt gehen, Tabletten nehmen, Massagen bekommen usw. Die ständige Auseinandersetzung mit dem Körper wird zu einer stärkeren Identifikation mit ihm führen.

Ist der Körper durch eine ausgeglichene Asana-Praxis und gesunde Ernährung stark und gesund, funktioniert er einfach. Wir brauchen uns nicht zu viel um ihn kümmern und können uns auf andere Dinge konzentrieren.

Blockaden in den Energiezentren können körperliche und geistig-emotionale Auswirkungen haben. So kann es sein, dass ein Organ nicht harmonisch funktioniert oder ein Mensch psychische Probleme hat, wenn es an einem Chakra oder in einer Energiebahn eine Blockade gibt. Auch dies führt zu mehr Identifikation mit dem Körper oder mit dem Geist und den Emotionen, da wir uns damit auseinandersetzen müssen.

Durch Pranayama können wir unser Energiesystem reinigen, was sich auf alle drei unteren Hüllen auswirkt. Durch regelmäßiges Pranayama kommen wir zu mehr Lebensenergie und größerer Gesundheit. Es reinigt die Psyche von falschen Identifikationen und vorgefassten Meinungen und verbrennt alle Arten von Karma (sanchita karma, prararabhda karma und agami karma).

Swami Sivananda lehrt uns:

Ist das Prana unruhig, so ist es auch der Geist. Wenn das Prana ruhig ist, ist auch der Geist ruhig. Somit bereitet uns Pranayama optimal auf die Meditation vor. Geist und Emotionen kommen zur Ruhe und wir können mit der Meditations-Praxis beginnen.

Ashtanga Yoga nach Patanjali

Betrachten wir den achtgliedrigen Yogapfad nach Patanjali, fallen Parallelen auf:

Yama und Niyama qualifizieren den/ die SchülerIn für den Yogaweg. Durch Asanas (Körperübungen) wird der Körper fit gemacht, denn mit einem gesunden Körper können die folgenden Praktiken optimal geübt werden.

Pranayama erhöht die Lebensenergie und bereitet auf die Meditation vor, indem es uns zu Pratyahara (nach Innen wenden der Sinne) und Dharana (Konzentration) führt und so die Voraussetzungen für Dhyana (Meditation) schafft, welche ihrerseits wiederum die Basis für Samadhi ist.

Wie wir sehen, baut eine ganzheitliche Yoga-Praxis systematisch aufeinander auf und enthält nicht nur Asanas, sondern auch Pranayama und Meditation. Dabei nimmt das Pranayama eine Schlüsselrolle ein, weil es Körper und Geist miteinander verbindet.

Was kann passieren, wenn nicht ganzheitlich praktiziert wird?

Wenn wir unsere Yoga-Praxis aus der Sicht der fünf Hüllen betrachten, wird deutlich, dass wir durch  alleiniges Üben von Asanas sehr wahrscheinlich nicht zum Ziel kommen können.

Es gibt Menschen, die täglich Asanas üben, deren Körper aber nicht sehr kräftig und deren Geist unruhig ist. Sie sind auf der ersten Stufe stehen geblieben und können sich durch Integration einer regelmäßigen Pranayama-Praxis weiter entwicklen.

Andererseits fehlen einer Meditations-Praxis, der weder Asana noch Pranayama vorangehen die Erdung und die Vorbereitung. Es kann sein, dass die betreffenden Personen unter Schmerzen oder Krankheiten leiden, den Geist während der Übung nicht zur Ruhe bringen können und ständig an etwas anderes denken müssen.

Diese Menschen sind ohne Vorbereitung auf die dritte Stufe gesprungen und wundern sich nun, dass sie schwanken. Ihnen wird eine ausgeglichene Asana-Praxis Erdung geben und den Körper entspannen. Mit Pranayama können sie ihren Geist reinigen und zur Ruhe bringen, um besser in die Konzentration gehen zu können.

Pranayama wird in den Yoga-Schriften oft als die wichtigste Praxis hervorgehoben. Dennoch hat sie keinen Boden und kein Ziel, wenn sie dauerhaft isoliert geübt wird. Pranayama erhöht das Prana und somit Vata.

Zu viel Vata kann den Geist unruhig machen, zu Sorgen und Ängsten führen und es sehr schwer mache, sich zu konzentrieren. Eine ausführliche Asana-Praxis schafft die notwendige Erdung, damit sich das erzeugte Prana harmonisch entfaltet.

Wenn Prana harmonisch fließt und Geist und Emotionen zur Ruhe gebracht sind, ist der Mensch bereit, um mit Meditation die nächste Stufe auf dem Weg zur Selbsterkenntnis zu erklimmen. Es wäre sehr schade, das nicht zu tun…

Fazit

Sicher haben die Meisten von uns ihre Liebslingspraxis. Die Einen üben am liebsten Asanas, Andere mögen lieber Pranayama und wieder Andere könnten stundenlang nur meditieren. Wenn wir immer nur das Gleiche machen, werden wir uns nicht weiter entwickeln.

Am Ende werden wir auf dem Sterbebett genauso viel Angst haben, wie jeder andere Mensch, der keine Asanas usw. geübt hat, weil wir unser Leben nicht dazu genutzt haben, unser Selbst zu erkennen und nun nicht wissen, wer wir sind.

Die Anleitung, wie wir unsere Praxis aufbauen sollen, gibt uns Patanjali: Asanas, Pranayama, Meditation. Wenn Du morgens sehr früh aufstehst, um zu üben, kannst Du auch mit der Meditation beginnen, damit diese noch vor 6 Uhr stattfinden kann.

Wenn alle drei Praktiken regelmäßig geübt werden, ist die Reihenfolge in einer Einheit gar nicht so wichtig. Das Wichtigste ist, dass Du alles in Deine Yoga-Praxis integrierst. Das könnte auch ein guter Vorsatz für das neue Jahr sein – aber warte nicht bis dahin – fange jetzt an!

Om Shanti

Vortrag von Sukadev über die 3 Körper und 5 Hüllen:

Quellen:

Seminare mit Gauri

  • 14.12.2018 – 16.12.2018, Asana intensiv – Sonnengebete
  • 21.12.2018 – 23.12.2018, Asana intensiv – Hingabe an Gott
  • 25.12.2018 – 01.01.2019, Asana intensiv
  • 15.02.2019 – 17.02.2019, Asana intensiv – Die 84 Hauptasanas
  • 29.03.2019 – 31.03.2019, Asana intensiv – Frühlingserwachen
  • 05.04.2019 – 07.04.2019, Asana intensiv für Ausgeglichenheit, innere Stabilität und Vertrauen
  • 21.04.2019 – 28.04.2019, Yoga Fitness Coach Ausbildung

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

→ Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

 

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