Erfahrungsbericht meiner 2-jährigen Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya in Düsseldorf

Manisha, Absolventin der zweijährigen Yogalehrer Ausbildung im Stadtcenter Düsseldorf, berichtet im folgenden Text über ihre Ausbildung.

»Muss man den Kopfstand können, um eine Yogalehrer-Ausbildung machen zu können?« Heute lächele ich über die Fragen, die mir damals durch den Kopf gegangen sind. Vor meiner Ausbildung bei Yoga Vidya war Yoga für mich in erster Linie die korrekte Beherrschung der Asanas. In zwei Jahren und 723 Unterrichtseinheiten lernte ich die Bedeutung des integralen Yoga von der Pike auf kennen und letztendlich darüber auch mein wahres Selbst.

Das erste Mal stand ich vor rund 10 Jahren in Australien auf der Matte; in einem Ashtanga Yoga Studio. Da ich als Kind jahrelang Taekwondo praktiziert hatte, kamen mir viele Bewegungsabläufe vertraut vor und im Vergleich zu den hektischen Kursen im Fitnessstudio – die ich nie mochte – gefiel es mir, die Bewegungen mit der Atmung zu verbinden. Und das vollkommen entspannte Gefühl nach dem ersten Shavasana am Ende der Stunde machte Lust auf mehr.

Von diesem Moment an war Yoga aus meinem Leben nicht mehr weg zu denken: Mindestens einmal die Woche ging ich ins Studio und fing bald an, morgens zu Hause zu praktizieren. Die nächsten Jahre besuchte ich meist einen wöchentlichen Yogakurs und probierte über die Zeit viele verschiedene Stile aus. Dabei stand das Körperliche stets im Vordergrund.

Shanti Devi-Raum bei Yoga Vidya Bad Meinberg
Shanti Devi-Raum bei Yoga Vidya Bad Meinberg

Vom Körperlichen zum Ganzheitlichen

Vor rund fünf Jahren kam dann die Meditation zu meiner Praxis hinzu. In der Zeit lebte und arbeitete ich im hektischen London und sehnte mich nach einem Ruhe- und Kraftort. Diesen fand ich im Buddhistischen Zentrum und die einstündige Meditation am Samstagnachmittag wurde schnell zu einem festen Bestandteil meines Wochenendes. Tief in die Stille einzutauchen wurde zum Highlight meiner Woche – schon verrückt in einer Stadt mit einem so umfassenden Angebot an Vergnügungen wie London – und der Wunsch, die Stille weiter zu erfahren, wuchs und wuchs.

Infos: 2-Jahres-Yogalehrer/in-Ausbildung →

Das Gedankenkarussell zur Ruhe bringen

Als ich vor rund drei Jahren zurück nach Deutschland gezogen bin, hätte ich am liebsten direkt eine Yogalehrer-Ausbildung gemacht. Doch damals habe ich meiner Intuition noch nicht wirklich vertraut und wollte erst einmal etwas „Vernünftiges“ machen. So nahm ich eine Position als Beraterin in einer Social-Media-Agentur an, allerdings nicht ohne mir vorher eine Auszeit in einem Yoga Retreat auf einer kleinen Insel in Thailand zu gönnen. Dort erlebte ich zum ersten Mal wie befreiend es sich anfühlt, wenn der Geist komplett zur Ruhe kommt. Diesen Zustand konnte ich zurück in der Werbeagentur nicht lange bewahren. Ich musste schnell viel Verantwortung und damit auch eine sehr hohe Arbeitsbelastung übernehmen und das Gedankenkarussell lief zu neuen Hochtouren auf.

Als Ausgleich wollte ich die wundervolle Yogawirkweise erneut erleben und suchte nach Möglichkeiten, in Deutschland für eine Woche ein Retreat zu machen. Eine gute Freundin empfahl mir Yoga Vidya und ohne mich näher zu informieren buchte ich eine Woche als Individualgast in Bad Meinberg.

Lernen im größten Ashram außerhalb Indiens

Eingangsbereich Rezeption, Yoga Vidya Bad Meinberg
Eingangsbereich Rezeption, Yoga Vidya Bad Meinberg

Der Ashram in Bad Meinberg löste bei meinem ersten Besuch eine große Mischung an verschiedenen Empfindungen aus. Ich weiß noch genau, wie eindrucksvoll und gleichzeitig ungewöhnlich, ja fast schon absurd, ich es fand eine solch große traditionell lebende Yogagemeinschaft in einem kleinen Ort in Deutschland zu finden. Und der Kontrast zwischen dem Kurhotelkomplex und den so liebevoll gestalteten Räumlichkeiten. So was hatte ich wirklich noch nie gesehen.

An den Aufbau der Yogastunden musste ich mich auch erst gewöhnen. Aus den Kursen der Stadtstudios war ich fließende, sehr dynamische Stunden gewöhnt und auf Atemübungen (Pranayama) wurde meist ganz verzichtet. Auch die geführte Tiefenentspannung hatte ich vorher so nicht erlebt, merkte aber schnell, wie gut mir die Verbindung der verschiedenen Elemente tat und mein Kopfkarussell damit zur Ruhe gebracht werden konnte.

Die Vielfältigkeit des integralen Yogas

Am zweiten Abend wagte ich mich zum ersten Mal in den Satsang, ohne wirklich zu wissen, was mich dort erwartet. Die stille Meditation mit so vielen Menschen empfand ich als sehr beeindruckend und sehr kraftvoll. Es war ein wirklich einschneidender Moment in dem ich realisierte, dass Meditation ein Teil des integralen Yoga ist. Was für eine Erkenntnis! Schnell merkte ich wie umfangreich der integrale Yoga ist und viele Fragen kamen auf. So buchte ich als nächstes ein Wochenendeinführungsseminar in Bad Meinberg.

Die Grundlagen hatte ich jetzt verstanden und mein Herz sehnte sich immer mehr danach, dem Yoga einen größeren Stellenwert in meinem Leben einzuräumen. So schaute ich nach Optionen, eine Yogalehrer-Ausbildung machen zu können. Die meisten Angebote kamen aufgrund meiner Arbeitszeiten nicht in Frage und das Yoga Vidya Stadtcenter in Düsseldorf war eines der wenigen Studios, die auch eine späte Gruppe anboten. Inhaltlich überzeugte mich die umfassende und praxisorientierte Ausbildung über zwei Jahre mit insgesamt über 720 Stunden.

Aufbau der Ausbildung

Die 2-jährige Ausbildung ist in acht Themenblöcke unterteilt:

• Philosophie und Ziel des Yoga
Hatha Yoga allgemein
Tantra und Kundalini Yoga – Yoga der Energie
Raja Yoga – Mentales Training und Meditation
• Karma Yoga – Yoga der Tat
Bhakti Yoga – Der Kontakt zum Göttlichen
Jnana Yoga – Der Yoga des Wissens
• Yoga Unterrichtsmethodik

Im ersten Ausbildungsjahr wird die eigene Persönlichkeit geschult und so eine solide Grundlage für die eigene Praxis und zum Unterrichten geschaffen. Im zweiten Jahr wird die eigene Übung weiter vertieft und klassische Yoga-Schriften, wie die Bhagavad Gita, Hatha Yoga Pradipika und Yoga Sutra behandelt. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt auf der menschlichen Anatomie, Physiologie und Bewegungslehre.

Ein wirklich vielversprechendes und umfassendes Paket! Außerdem gefiel mir, dass in der Ausbildung zwei Intensivwochen im Ashram in Bad Meinberg und mehrere Intensiv-Wochenenden inkludiert sind. Das gibt es so in Deutschland nicht noch mal!

Jede Woche Yoga

Gemeinsame Yogapraxis
Gemeinsame Yogapraxis

Die Ausbildungsgruppe trifft sich einmal in der Woche. Ein großes Commitment – gleichzeitig eine solide Basis für eine regelmäßige Praxis und die eigene Entwicklung. Gemeinsam werden Asanas, Pranayama, Meditation, Tiefentspannung und Mantra-Singen praktiziert, jeweils mit einem anderen Schwerpunkt in der Theorie und Praxis.

Es ist toll mit einer Gruppe über zwei Jahre gemeinsam zu wachsen. Das schweißt unglaublich zusammen und es sind starke Freundschaften entstanden. Einen Ort und Menschen zum Austausch über die eigene spirituelle Praxis zu haben ist unglaublich wertvoll und eine große Unterstützung!

Erfahrung und Expertise

Die Ausbildungsabende sind in einen theoretischen und einen praktischen Teil unterteilt: Der theoretische Teil unserer Ausbildung wurde von der 80-jährigen Padmakshi Berger unterrichtet, die u.a. über sechs Jahre den Yoga Vidya Ashram im Westerwald geleitet hat. Ihre langjährige Erfahrung ließ sie in ihren Unterricht mit einfließen und führte uns sicher und mit viel Freude durch die sehr umfangreiche Theorie. Praktisch übernahm sie das Anleiten der Meditationen. Wir übten jede Woche eine neue Meditationstechnik und lernten in den zwei Jahren von ihr auch viele Rituale und Bräuche kennen.

Der praktische Unterricht wurde von zwei erfahrenen Yogalehrern durchgeführt. Anfangs mussten einige sich erst mit dem Gedanken anfreunden, in der ersten Zeit vor allem die 12 Grundasanas zu üben. Doch im Nachhinein waren alle dankbar, die Grundstellungen und Grundlagen des Yoga so kleinteilig – auch in der Praxis – vermittelt bekommen zu haben. Meiner Meinung nach die Basis einer guten Yogastunde und eines guten Yogalehrers!

Anatomie, Schwangeren- und Kinderyoga