Die Yoga Familie im Ashram Bad Meinberg

Wo lebt man am besten als Familie, die Yoga praktiziert? Natürlich bei Yoga Vidya Bad Meinberg! Journalistin Zoë Aschenbach interviewte für das Magazin “Welt der Spiritualität” (4/15) Mona, Jasmin und Ingrid – eine Dreigenerationenfamilie, die unter einem Dach lebt!  Hier kannst du nachlesen, wie eine Yoga Familie im Ashram lebt.

Mona, Jasmin und Ingrid leben gemeinsam unter einem Dach: Mutter, Tochter und Großmutter. Das allein ist heutzutage in Deutschland schon bemerkenswert geworden. Wirklich besonders wird es allerdings, wenn man sich das „Dach“ näher anschaut, unter dem die Familie hier Unterschlupf gefunden hat. Denn es ist ein Aschram. Genau genommen der größte Ashram außerhalb von Indien und Hauptsitz des gemeinnützigen Vereins Yoga Vidya e. V., angesiedelt im ostwestfälischen Kurort Bad Meinberg. Ich frage mich, wie das Leben in einem modernen Aschram wohl ist. Was motiviert einen Menschen in unserer Zeit und hiesigen Breitengraden dazu sich für diesen speziellen Lebensweg zu entscheiden? Und nicht nur einen Menschen, sondern in diesem Falle gleich eine ganze Familie.

So mache ich mich auf den Weg zu Yoga Vidya nach Bad Meinberg, um sie persönlich zu befragen. An Bielefeld und Detmold vorbei immer weiter hinaus aufs Land bis ich schließlich mein Ziel, Bad Meinberg, erreiche. Umgeben vom Teutoburger Wald und nahe den berühmtmagischen Externsteinen ist der 4.000-Einwohner-Ort pur in der Natur gelegen. Dass der Ashram nicht nur eine spirituelle Lebensgemeinschaft mit hinduistischer Ausrichtung ist, sondern auch Europas größtes Yoga-Seminarhaus, hatte ich bereits der Website (www.yoga-vidya.de) entnommen. Yogaweg Nr. 7, lautet die Adresse. Die Rezeption befindet sich im sogenannten Haus Shanti.

Auf der Suche nach meinem Zimmer bin ich zunächst etwas orientierungslos. So viele Gänge, Yogaräume und Zimmer. Zum Glück entdecke ich rasch die Gebäudepläne und Schilder an den Wänden, die mir den richtigen Weg weisen. Die anderen Gäste hier irren nicht mehr umher, sondern schlendern ungewohnt entspannt an mir vorbei. Das Odysseegefühl scheint also ein klassisches Neuankömmlings-Ding zu sein. Neugierig betrachte ich die Passanten: Sehen die irgendwie anders aus? Lässt sich bei den Menschen hier ein gemeinsamer Nenner finden? Bisher wirkt ihr äußeres Erscheinungsbild – abgesehen vom allgegenwärtigen Yoga-Outfit – auf mich allerdings ziemlich normal. Es sind überwiegend Frauen im mittleren Alter, einen bestimmten „Typ“ kann ich allerdings nicht ausmachen. Doch etwas ist schon anders…Irgendwie ist da mehr Offenheit, mehr Weichheit in den Gesichtern; mehr Transparenz und Leuchten in den Augen.

Auch besagte Familie begegnet mir am nächsten Morgen beim Interview mit wachem Blick. Alle drei sind gertenschlank und erstaunlich frisch für die frühe Stunde. Ob das an der gesunden Ernährung und spirituellen Praxis hier liegt? Schon um sechs Uhr morgens kann man sich im Ashram täglich mit einer Stunde Pranayama, den yogischen Atemübungen, für den Tag „fit“ atmen, erfahre ich von Mona. Um Sieben geht es unmittelbar weiter mit dem einstündigen „Satsang“. Dort gibt es gemeinsame Meditation, Mantrasingen, hinduistische Rituale und einen Kurz-Vortrag.

Mona Henss, die 55-jährige Mutter, war die erste in der Familie, die es in den Ashram zog. Tochter und schließlich Großmutter folgten. Jetzt sind sie alle drei fester Teil der spirituellen Gemeinschaft vor Ort, bestehend aus etwa 170 Vereinsmitgliedern, die dauerhaft im Ashram Yoga Vidya Bad Meinberg arbeiten und leben („Sevakas“ genannt). Eine überdimensionale WG, wenn man so will. Jeder Mitbewohner hat sein eigenes Zimmer inklusive Bad. So wohnen Mona, Jasmin und Ingrid eng beieinander und haben gleichzeitig jede Ihren Raum für sich.

“Ich war gerade auf der Suche nach einer passenden Gemeinschaft, als ich über meine damalige Nachbarin Bettina Shakti von Yoga Vidya erfuhr”, erklärt Mona mir. Tochter Jasmin war damals 14, der Sohn gerade drei. Seit ihrer zweiten Schwangerschaft hatte Mona starke Rückenschmerzen. Die Yogaübungen, die ihr Yogalehrerin Bettina zuhause zeigte, halfen prompt und Mona wollte mehr davon. So kam sie kurz darauf das erste Mal als Gast zum Yoga Vidya Ashram im Westerwald. „Und ich fand’s klasse! Hier will ich leben, dachte ich.“ Doch der Schritt ins Aschramleben musste vorerst warten. Nach diversen Umzügen war es Jasmin leid und sagte: „Mama, jetzt ziehen wir aber nicht mehr um bis ich groß bin und weggehe von dir!“ So wurde es 2004, bis Jasmin „groß“ und Mona „frei“ für Yoga Vidya Bad Meinberg war. Seitdem lebt Mona hier und fühlt sich offenkundig wohl: „Die Gemeinschaft ist wie eine große Familie. Ich muss nicht mit jedem einzelnen engen Kontakt haben. Aber ich freue mich jedes Mal, wenn wir in den Gängen Gruß und Lächeln austauschen. Dass diese herzlichen Menschen da sind, macht mich froh.“

Die gelernte Bürokauffrau arbeitete bei Yoga Vidya zunächst an der Rezeption. Eigentlich ein ganz normaler Vollzeitjob mit Dienstplan, Sozialversicherung und Lohn. Unterkunft, Car-Sharing und biologische Vollverpflegung sind inklusive. Der monatlich ausgezahlte Lohn von ca. 300 – 500 Euro entspricht allerdings eher einem Taschengeld und wird auch offen als solches bezeichnet. Reich an irdischen Gütern wird man hier also nicht. Es geht stattdessen um das Erlangen von innerem Reichtum. Ganz dem Leitspruch des indischen Yogameisters Swami Sivananda folgend, auf dessen Lehren der gemeinnützige Verein basiert: Serve, love, give, purify, meditate and realize. „Karma-Yoga“ heißt das Arbeiten deshalb hier. Aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet das „selbstloser Dienst“. Man widmet seine Arbeit einem übergeordneten Ideal. Durch die Verbreitung von Yoga möchte der gemeinnützige Verein Lichtpunkte auf der Erde setzen und mehr Bewusstheit in die Welt bringen. Stellt man seine tägliche Arbeit hingebungsvoll in den Dienst von etwas Höherem (Gott), kann jegliche Arbeit alle negativen Ego-Assoziationen verlieren und zu einer tief erfüllenden Tätigkeit werden.

alle unter einem dach

Für diese Familie scheint das Konzept zu funktionieren. Jede von ihnen hat im Aschram ihre Nische gefunden, in der sie ihrer als sinnvoll erlebten Arbeit mit Hingabe nachgeht: Mona als Bereichsleiterin, Jasmin als Teamleiterin und Ingrid als sogenannte Shanti Vasi: „Ich lebe bei Yoga Vidya als Shanti Vasi, was übersetzt Bewohnerin des Friedenshauses bedeutet. Das gefällt mir,“ so Ingrid Henss. Die 74-jährige Rentnerin ist dankbar seit kurzem im Ashram und bei ihrer Familie leben zu können. Im Rahmen des Shanti Vasi Modells hat sie für ein Apartment (mit eigener Küche) ein lebenslanges Wohnrecht erworben. Und das möchte sie auch in Anspruch nehmen, also gerne bis an ihr Lebensende bleiben. Für Essen am täglichen Vollwert-Buffet und ihre Nebenkosten arbeitet sie einige Stunden die Woche als Karma Yogi an der Rezeption. Dort lernt Mona sie derzeit noch ein, da jene die Rezeption einige Jahre selbst geleitet hat.

Auch mit Tochter Jasmin Iranpour besteht beruflich eine große Schnittmenge. Als Bereichsleiterin der ashrameigenen Küche, Ayurveda Oase und Yogatherapie ist Mona auch die Vorgesetzte von Jasmin, der Küchenleitung. Ursprünglich hatte die 29-jährige Jasmin geplant nur für ein Jahr im Ashram zu leben und dann wieder auf R