Grüne Energie für Yoga Vidya

Seit einem Jahr ist die Biogasanlage in der Nachbarschaft von Yoga Vidya nun in Betrieb. Und in der Zeit hat man von großer Zusprache bis hin zu viel Skepsis viele Meinungen dazu gehört.

Um jetzt einfach mal ein paar klare Fakten auf den Tisch zu legen, kamen am Dienstag die Betreiber der Anlage – oder doch zumindest einer von ihnen – für einen Infovortrag ins Projekt Shanti. Und der hat vermutlich alle Anwesenden in erfreutes Erstaunen versetzt, denn der kleine, aber feine Strom- und Wärmeerzeuger vor der Haustür ist ein echtes Liebhaberstück.

Anfangs stand ja nur die einfache Frage eines Landwirts: Wie kann ich in Zukunft mein Einkommen sichern, ohne auf subventionierte Massentierhaltung umzusatteln? Und die Begeisterung eines jungen Kollegen und Energietechnikers für erneuerbare Energien. Daraus entstanden ist eine Kooperation von drei Kleinstunternehmern, die gemeinsam eine gut durchdachte Biogasanlage entwickelt haben. Genau abgestimmt auf die Bedürfnisse aller Beteiligten – inklusive Yoga Vidya als Großabnehmer. Mit Ausnahme von einigen wichtigen Bestandteilen wie Türmen und Motoren wurde die Anlage nämlich von diesen drei Menschen selbst konzipiert und auch gebaut – mit viel Liebe zum Detail. Die Experten wissen schließlich selbst am besten, dass Biogasanlagen aus guten Gründen nicht unumstritten sind. Schon kommen Fragen auf:

Kommt da nicht Mais und Getreide rein, das eigentlich Nahrung für Menschen sein sollte?
Ja, in der Tat. Ohne diese hochwertigen Energieträger könnte keine Biogasanlage effektiv arbeiten, denn um entsprechend viel Gülle und Mist kilometerweit anzuliefern, bräuchte es jede Menge LKW-Fahrten. Die Anlage in Bad Meinberg arbeitet allerdings mit einem Energiemix, der nur zu 39 Prozent aus Mais und Getreide besteht, und beide werden direkt um die Ecke auf eigenen und benachbarten Feldern angebaut. Ein Plus für die Landwirtschaft in der Region, die so die Fruchtfolge als Bodenschutz viel besser einhält als früher und außerdem weniger spritzt: Mais bekommt – im Gegensatz zu Getreide und Raps – auch in der konventionellen Landwirtschaft kaum Pestizide ab. (Der Mais, der in den letzten Jahren zunehmend die Landschaft rund um Bad Meinberg prägt, dient übrigens zu 85 Prozent nicht der Energie-Gewinnung, sondern den örtlichen Mastviehbetrieben als Viehfutter.) 61 Prozent ihres Inputs erhält die Biogasanlage aus Gülle und Mist, Grasschnitt und Gartenabfällen aus der Umgebung. Küchenabfälle und Kompost hingegen kommen wegen der möglichen Keimgefahr auf keinen Fall hinein.

Ist das Gas, das in der Anlage entsteht, nicht gefährlich?
Das stimmt, der Methangas-Schwefel-Mix in den Behältern ist ganz schön giftig. Das Gute an der Sache: Methangas entsteht immer, wo durch Tierhaltung Gülle und Mist anfallen, aber auch durch menschliche Abfälle wie Klärschlamm und Biomüll. Viel Methangas geht als Klimakiller in die Luft. In dieser kleinen Biogasanlage wird es fast komplett aufgefangen und für die Strom- und Wärmegewinnung genutzt. Ausweichen kann es nicht: Dafür haben die Betreiber ein zweifaches Sicherheitssystem und einen Wetterschutz eingerichtet. Und wieso entweicht das Gas nicht bei der Stromerzeugung? Weil es metertief unter der Erde natürlich entschwefelt und gereinigt wird. Durch ein raffiniertes Rohrleitsystem geschieht das ganz ohne Aktivkohl oder gar Chemie. Einfach durch die Bindekraft des Erdreichs erreicht das Endprodukt zur Energiegewinnung in Sachen Umweltverträglichkeit Top-Werte.

Verunreinigen Biogasanlagen das Grundwasser?
Das kann passieren, wenn ein Behälter undicht wird, in dem das faulende Material lagert – solange die Anlage nicht entsprechend gesichert ist. Darum liegen unter allen Gebäuden dieser Biogasanlage auch großflächig stabile Planen unter der Erde, mitsamt Ablaufbecken, das austretende Flüssigkeit sofort auffangen würde. Gleich mit eingebaut sind extra Störungsmelder, die jeden Schaden sofort ans Licht bringen.

Und wie viel Energie produziert das Ganze? Lohnt sich das denn?
Grünes Licht: Über die Ergebnisse des letzten Jahres staunen sogar die Betreiber selbst. Als Alleinabnehmer konnte sich Yoga Vidya in der Chakra Pyramide fast das ganze Jahr lang über die Anlage versorgen, bis auf eine kurze Zeit im Januar und Februar, in der zugeheizt werden musste. Damit hat der Verein etwa 29.500 Euro Heizkosten eingespart – und das in einem besonders kalten Winter! Wie schade, dass das Projekt Shanti bisher noch nicht angeschlossen ist. Aber Pläne dazu gibt es bereits.

Auch Strom bezieht Yoga Vidya von hier. Allerdings bisher nur praktisch, weil Strom immer den kürzesten Weg geht. Offiziell ist es für alle Beteiligten noch günstiger, die produzierte Energie über E.on laufen zu lassen. Immerhin: das kleine Kraftwerk kann mit seiner Stromleistung von 380 KW  umgerechnet 1000 Haushalte versorgen – und das jederzeit und rund ums Jahr.

Und was passiert mit den festen Restabfällen aus der Anlage?
Die sind bester Dünger, den die Bauern in der Umgebung, die zuvor ihren Mist hier abgeliefert haben, gerne wieder zurück nehmen. Im Gegensatz zu Mist und Gülle stinkt die feste Masse am Ende nämlich überhaupt nicht mehr. Dafür enthält sie alle wichtigen Nährstoffe für die Pflanzen. Die Anlage und die Silos rundum sind außerdem gute Lagerplatze, in der die Abfälle geruchsfrei lagern können, bis sie zu den Düngezeiten ausgefahren werden.

Eins ist auf jeden Fall deutlich geworden bei diesem ausführlichen Vortrag: Durchaus nicht jede Biogasanlage arbeitet so effizient und sicher, wie das kleine Musterstück in Bad Meinberg. Zu gern und zu viel wird an den falschen Enden gespart, auf Sicherheitssysteme verzichtet, kostbare Wärme nicht genutzt, einseitig Mais eingeworfen oder der Brennstoff von weit her angekarrt. All das wollten und konnten die Betreiber der Wehrener Biogasanlagen GmbH durch ihre ganz eigene Planung und Konzeption vermeiden. Mit dem Ergebnis, dass hier zur Zufriedenheit aller Strom und Wärme bei 80-prozentiger Ausnutzung der Energiekraft gewonnen und genutzt werden. Und das, wo übliche Kraftwerke in Deutschland durchschnittlich nur eine Energienutzung von 37 Prozent aufweisen können.

Puh, jede Menge Input an einem Abend. Bei so vielen Zahlen und Fakten können einem Laien da schon mal die Ohren schlackern. Wir sind trotzdem froh und dankbar für dieses Wissen über unsere Energienutzung (die ja daneben auch über Solaranlagen auf den Yoga Vidya Dächern funktioniert). Und über einen sehr informativen und unterhaltsamen Vortrag. Herzlichen Dank an Lars Tölle für diesen aufschlussreichen Abend!

Mehr Informationen zum Projekt Biogasanlage soll es übrigens demnächst an der Info-Wand im Postfächer-Flur geben. Draufschauen lohnt sich.

3 Kommentare zu “Grüne Energie für Yoga Vidya

  1. Falko Schetelich

    Sehr kompetent!
    Auf die kritischen Fragen wurde direkt und ehrlich geantwortet.
    Der Sicherheitsstandart geht weit über das geforderte hinaus.
    Gut durchdacht und weiter ausbaubar.
    Wer auch so etwas bauen will, diese Firma kann ich nur empfehlen.
    Danke Herr Tölle.

  2. Super Vortrag … ich war beieindruckt vom Projekt, vom Know-How des Betreibers und von der konstruktiven Zusammenarbeit mit Yoga Vidya. Danke Dieter und Kollegen für Euer Engagement.

  3. Om
    Liebe Dieta, puh, das war wirklich viel Input. Vielen Dank! Du hast es uns aber wunderbar näher gebracht, so kann ich als Laie das betreiben der Biogasanlage jetzt gut verstehen, und mich damit gerne anfreunden.
    Ich bin als Laie wirklich beeindrucht von den drei Menschen die die Biogasanlage gebaut haben.
    Ich freue mich sehr für die Umwelt, für die Betreiber und Nutzer… und dass der Bau der Biogasanlage ein guter und sicherer Schritt war.

    Vielen Dank!

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