Hingabe – Lebensweg in höchster Annahme

Hingabe ermöglicht es Zuzulassen und Akzeptieren zu können. Sie ermöglicht Transformation und inneren Frieden. Sie ermöglicht es, früher oder später, aus den Zitronen des Lebens Limonade zu machen. Und führt uns weiter zu ihrer besonderen, ihrer höchsten Form, nämlich zur Hingabe an das gesamte Leben selbst!

Was genau ist Hingabe? Wie kann Hingabe kultiviert werden? Und warum ist sie für das eigene Seelen- und Geistesleben von solch Bedeutung?

Im Stern des Navaratri Fests widmen wir uns der Hingabe, als spirituelle Herzens-Tugend.

Die Hingabe als Herzens-Tugend

Hingabe ist die Fähigkeit sich hinzugeben. Sie bedeutet eine starke innere Beteiligung, die über Verstand und Vernunft hinausgeht. Im Yoga Kontext spricht man von Hingabe insbesondere in Bezug auf die Liebe an Gott. Dort geht man den Weg der Herzöffnung durch die spirituelle Praxis von Bhakti Yoga.

Hingabe bringt den Geist (welcher das Ego ist) zum Schweigen und macht das Herz ganz auf und empfänglich. Dabei kann die Demut viele Formen annehmen & sich auf unterschiedliche Dinge beziehen.

Die Liebe zu allem, was wir bekommen

Die Hingabe an Gott beruht auf Gottvertrauen, Gottliebe und dem tiefen Wunsch: Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille geschehe. Zeige mir, was du von mir willst. Ich werde jede Aufgabe von dir annehmen und ich werde all das tun, was dafür nötig ist.

Mann betet im Fluss

Du gehst eventuell davon aus, dass ein Gottwesen, ein aufgestiegener Meister, oder auch spiritueller Lehrer deiner Wahl, eine höhere Macht bzw. Verwirklichung hat. So willst von ihm lernen, du willst, dass er dir seine Energie schenkt. Du möchtest eine Verbindung herstellen und so die spirituelle Kraft in dich hineindringen lassen.

Hingabe in Beziehungen und Lebensaufgabe

Als zweites Beispiel dient die Zweierbeziehung. In einer Beziehung gilt die Fähigkeit zur Hingabe an den Partner als sehr wichtig für die Liebe – hier ist die Hingabe die Fähigkeit loszulassen, den Verstand auszuschalten und sich ganz im Hier und Jetzt der Liebe zum Partner hinzugeben. Das ist etwas sehr Schönes – eine der schönsten menschlichen Fähigkeiten, die man haben kann.

Der dritte Aspekt ist die Hingabe an eine Sache, an eine Aufgabe, an ein Interesse in dem du all dein Herz hineingibst, um eventuell etwas zu erreichen oder zu tun. Zum Beispiel kann man großes Engagement für den eigenen beruflichen, oder spirituellen Lebensweg spüren und leben wollen. Du gibst dich wie von Selbst ganz hin & weißt: „Das ist meine Aufgabe, das gilt es, zu tun. „

Wege zur Hingabe

Die Hingabe ist so ziemlich eine Fähigkeit, etwas im Hier und Jetzt mit voller Aufmerksamkeit zu tun. Sie ist eine Art Technik an etwas Bestimmtes heranzugehen. Mit Hingabe ist man mit allen Körpern und Energien auf einen Punkt fokussiert. Dabei ist es ganz egal, was man gerade tut. Sie kann bei der Küchenarbeit genauso angewandt werden, wie beim Kirtan-Singen oder bei einem meditativen Spaziergang.

Gehmeditation am Strand

1. Richte deinen Geist auf Gott

Swami Sivananda zögerte niemals, seine eigene Hingabe auszudrücken. Er brach oft in Tränen aus, wenn jemand das Bhagavatam sang, oder wenn Schüler Stücke über das Leben von Krishna, Rama oder anderen Charakteren aus den Schriften aufführten.

Zudem ermutigte er jeden zu beten, ob er nun einer bestimmten Religion angehörte oder nicht. Dies hilft auf subtilerer Ebene an Gott zu denken. So können selbst die einfachste, weltlichen Dinge und Handlungen mit Spiritualität durchdrungen werden. Dein Geist diszipliniert sich mit der Zeit an Gott zu denken, ihn zu erinnern und in Geist & Herzen zu bewahren.

2. Reinige deinen Geist

Mit Reinigung ist gemeint, dass du deine Vorstellungen, Anhaftungen & Gedanken, die dich von Innen heraus einnehmen, loslassen sollst. Dass du im inneren Frieden finden sollst. Dies schafft Raum in uns, um die Gegenwart Gottes besser spüren und die Momente im Leben als einzigartig, von Gott durchdrungen und ewig erfühlen zu können.

3. Besuche heilige Orte

Tempel zu besuchen, ist wie mit unseren physischen Augen die Herrlichkeit, die Farben und das Licht unseres inneren Tempels zu sehen. Ihre Hügel hinaufzusteigen und ihre Stufen zu erklimmen, ist wie der Aufstieg, das Erklimmen der inneren Stufen zum Tempel unseres Herzens. Durch dunkle Labyrinthe und erhabene Innenhöfe der Tempel zu gehen, ist wie sich vorzubereiten, das Innere zu erreichen und den Darshan (Vision) Gottes zu erfahren! Von Angesicht zu Angesicht, in seiner Herrlichkeit!

4. Öffne dich für die Schönheit Gottes

Wer kennt das nicht – den magischen Anblick der Natur, der Welten, Sphären, schöner Kunst. Was das Herz in solchen Momenten fühlt, ist sofortige Hingabe. Die Augen wollen die liebliche Erscheinung verschlingen und du vermagst, die Schönheit Gottes wahrzunehmen & dich zu öffnen für die Flut dieser Gefühle.

5. Der Bhakti Yoga Weg

Bhakti Yoga wird als der Yoga der Hingabe bezeichnet. Im Bhakti Yoga gibt man sich selbst, alle Handlungen, all sein Herz, all seinen Besitz, Gott hin. Die Demut umfasst dabei die Gottesliebe und Gottesverehrung. Auch kann man tiefe Dankbarkeit zu seinem Meister empfinden.

Mann im Gebet

Menschen sind von Natur aus emotional und müssen diese Seite ihrer Persönlichkeit ausdrücken können. Swamiji ermutigte uns, unsere emotionale Natur, welche wir anderen gegenüber ausdrückten, in Bhakti umzuwandeln, in den Ausdruck der Liebe zu Gott. Dies geht über den Besuch des Satsangs oder Gottesdiensten, Mantras Singen, Beten oder religiöse Feiertage zu feiern und Pujas (Rituale) durchzuführen.

6. Verehrung über Rituale, Pujas oder Feste

Demut kannst du ganz klar auch über die Verehrung kultivieren. Dazu gehört auch das Ausführen von Pujas (Ritualen), Verehrungszeremonien, das Wahrnehmen religiöser Feiertage oder das Zelebrieren religiöser Feste generell.

Das derzeitige Navaratri Fest z.B. ist ein Fest starker Hingabe. Die dort verehrten Göttinnen ermöglichen es dir, sich ihnen voll hinzugeben. Niemand kann seine inneren Schwierigkeiten alleine und nur halbherzig bekämpfen! Egal was in dir vorgeht, ans solchen Festtagen kannst du dir die Zeit nehmen, dich mit dir selbst auseinanderzusetzen. Wofür schlägt dein Herz, wie lebst du deine Hingabe? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Erweitere deine Fähigkeit zur Hingabe

Hingabe (Andacht) ist ein ständiges Denken, eine ständige Hingabe an Gott als einzigem Gedanken, einzigem Ideal; dieses Denken bewegt sich zu Gott hin, so wie ein ununterbrochener Strom Öl aus einem Gefäß in ein anderes fließt. Hingabe ist als eine sehr wirksame Methode zur Erlangung der Selbstverwirklichung anzusehen. Entwickle daher Hingabe durch Japa, Gebet, Kirtan, durch das Studium der heiligen Schriften und durch Dienst an den Frommen.

– Auszug aus dem Buch „Die Botschaft“, Swami Sivananda

Bereite dein Herz wie einen Acker. Streue die Saat der Hingabe in dein Herz wie in einen Acker. Bewässere sie mit Lobpreisungen der Namen Gottes, und du wirst eine gute Ernte an ewigen Früchten erzielen. Hingabe kann durch die Verfeinerung deiner instinktiven Anlagen und Wünsche gepflegt werden.

– Auszug aus dem Buch „Die Botschaft“, Swami Sivananda

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