Bhakti Yoga

von Sukadev Bretz

Bhakti Yoga ist der Yoga der Hingabe, der Yoga der Gottesverehrung. Bhakti bedeutet Hingabe, Gottesliebe. Yoga heißt Einheit, heißt Vereinigung. Bhakti Yoga heißt Einheit durch Gottesliebe.

Bhakti Yoga ist sowohl der Zustand der Einheit und Gottesliebe als auch der Weg, um dort hinzukommen. Durch verschiedene Praktiken kannst du Gott erfahren. Im Bhagavatam, einer der wichtigsten Schriften über Bhakti Yoga, werden die neun Bhakti Techniken erläutert.

Die neun Formen von Bhakti:

Zum ersten haben wir Shravana, das Hören von Erzählungen über Gott seine Heiligen.

Die zweite Form ist Kirtana (Singen). Wir preisen und loben Gott vom Herzen her. Das Singen spiritueller Lieder gibt es in allen religiösen Traditionen. Spirituelle Lieder öffnen das Herz und machen Gott erfahrbar, spürbar.

Als nächstes gibt es Smarana, sich erinnern. Du erinnerst dich an die göttliche Gegenwart und rufst die göttliche Gegenwart immer wieder wach, sei es, über ein Mantra, sei es, über das Betrachten von Schönheit, sei es über Symbole, die für dich Gott symbolisieren.

Die vierte Form ist Vandana, das heißt Verneigen. Verneige dich vor Gott, erweise Gott deine Ehrerbietung. In Indien macht man das durchaus äußerlich. Es ist üblich, dass ein spiritueller Mensch sich immer wieder verneigt, verneigt vor ehrwürdigen Menschen, vor einem Baum, vor einem Berg, vor einem Fluss. Du kannst äußeres Verneigen üben, oder das innere Verneigen, das hier im Westen üblicher ist.

Padasevana ist eine weitere Form der Hingabe, um Bhakti zu entwickeln und bedeutet: Dienen zu Füßen Gottes. Bei Padasevana  hast du einen Altar, pflegst ihn und verehrst Gott.

Es folgt Archana, die rituelle Gottesverehrung wie zum Beispiel durch Puja, Homa usw.

Bei Dasya dienen wir Gott im Äußeren und bringen alle Handlungen Gott dar. Wie dienst du Gott? Indem du auch den Menschen dienst. Jesus hat gesagt: „Was du getan hast dem Geringsten unter deinen Nächsten, das hast du mir getan.“

Sakhya ist die Kultivierung der Freundschaft Gottes, wir kommen Gott immer näher.

Schließlich ist die neunte Form von Bhakti, Atma Nivedana, Selbsthingabe zu Gott.

Krishna hat in der Bhagavad Gita noch sehr viel mehr über Bhakti Yoga gesagt. Er erwähnt Vibhuti Yoga und sagt: „Siehe Gott im Schönen, im Großartigen, im Besonderen, in der Natur, in dir selbst, in allen Menschen.“

Arten von Bhakti

Apara Bhakti bezeichnet den gläubigen Menschen als Anfänger, der Rituale und Zeremonien ausführt und Anhänger einer Religionsgemeinschaft ist.

Para Bhakti Ein Para Bhakti Yogi umfasst alles und schließt alles mit ein. Er besitzt kosmische Liebe, Vishwaprem. Die ganze Welt ist für ihn Vrindavan (Garten Gottes). Er braucht keine Tempel zum Gottesdienst. Er fühlt, dass die Welt eine Manifestation Gottes ist und alle Bewegungen und Aktivitäten seine Lila (Spiel). Empfindet keinen Ekel vor irgendetwas.

Bhavas – die verschiedenen Einstellungen im Bhakti Yoga

Dasya Bhava: der/die Gottesverehrer/in findet Freude und Glück im Dienst an Gott als seinem Meister. Er ist stets bestrebt, ihm in jeder erdenklichen Weise zu dienen.

Sakhya Bhava: man sieht Gott als Freund an, mit dem man sich auf gleicher Ebene bewegt.

Shanta Bhava bezeichnet die friedvolle Beziehung zu Gott. Er/sie sieht das Göttliche in allem gleichermaßen, und lässt sich nicht nur von seinen Emotionen leiten. Sein Herz ist voller Liebe und Freude.

Vatsalya Bhava: der/die Bhakta sieht Gott als sein/ihr Kind. Er umsorgt ihn, wie eine Mutter es bei ihrem Kind tut. Oder der/die Gottesverehrer/in sieht Gott als Mutter bzw. Vater.

Madhurya Bhava : die intensivste Form von Bhakti. Es bezeichnet die Beziehung zu Gott als seinem Geliebten. Der/die Gotlliebende und Gott fühlen sich als eins, halten aber trotzdem die Getrenntheit aufrecht, um die Wonne der Liebe miteinander zu erfahren. Dies ist Einheit in Getrenntheit und Getrenntheit in Einheit.

Sukadev Volker Bretz ist Gründer und spiritueller Leiter von Yoga Vidya. Er versteht es wunderbar, tiefe Weisheit humorvoll weiterzugeben. Seine besondere Stärke ist es, Aspiranten zu intensiver Praxis zu motivieren, hinter allem einen höheren Sinn zu sehen und mehr Energie und Herz in den Alltag zu bringen.
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  • Dieser Artikel ist erschienen im Yoga Vidya Journal – Ausgabe Nr. 39
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