Blitzlicht auf Bhakti Yoga – Eine ganz persönliche Angelegenheit

Der integrale Yoga nach Swami Sivananda setzt sich aus sechs Yogawegen zusammen: (1) Hatha Yoga (Körperübungen), (2) Kundalini Yoga (Energieerweckung), (3) Raja Yoga (Geisteskontrolle), (4) Jnana Yoga (Studium heiliger Schriften), (5) Karma Yoga (selbstloses Dienen) und (6) Bhakti Yoga (Hingabe und Liebe zu Gott).

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass die Einteilung in sechs Yogawege lediglich der Übersicht dient. Eine wirkliche Trennung besteht nicht, da sich die Yogawege gegenseitig beeinflussen und ineinander übergehen.

Bhakti – Yoga der Hingabe

In seinem Buch „Göttliche Erkenntnis“ schreibt Swami Sivananda, dass Bhakti Yoga der einfachste Yogaweg ist und dass jeder ihn gehen kann. Warum ist das so?

Bhakti Yoga ist der Yoga der Hingabe. Ein Bhakti-Yogi fühlt absolute Liebe zum Göttlichen und nur den Wunsch diesem Göttlichen zu Dienen. Dazu sind weder besondere körperliche, noch besondere geistige Fähigkeiten notwendig.

Und an dieser Stelle zeigt sich bereits, warum Bhakti Yoga eine sehr persönliche Angelegenheit ist: Für jeden bedeutet Gott etwas anderes. Für die Einen ist Gott etwas großes und mächtiges, dem sie von ganzem Herzen dienen (Dasya Bhava).

Andere sehen Gott als Freund (Sakhya Bhava), als Kind, für das sie sorgen (Vatsalya Bhava), als Geliebte/n (Madhurya Bhava) oder sehen darin einfach Frieden und Stille (Shanta Bhava). Das sind die fünf Bhavas, wie Swami Sivananda sie beschreibt. Und ich bin mir sicher, es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, wie Menschen Gott sehen oder verstehen können.

Bei dem, was jemand unter Gott versteht, gibt es kein Richtig und kein Falsch. Jeder hat seine eigene Sichtweise, mit der er in Resonanz geht und über die er sich mit dem Göttlichen verbinden kann.

Und so unterschiedlich sind auch die Techniken, über die wir diese Verbindung mit Gott herstellen können:

  • Geschichten über Gott hören (Shravanam)
  • Gottes Namen singen (Kirtanam)
  • ständig an Gott denken und seinen Namen wiederholen (Padasevanam)
  • Gottesdienst und Darbringungen, auch in Form von Puja und Homa (Archanam)
  • sich verneigen (Vandanam)
  • sich als Instrument Gottes in seinen Dienst stellen (Dasyam)
  • Gott als Freund sehen (Sakhyam) und
  • völlige Hingabe (Atmanivedanam)

Kirtanam – Kirtansingen und Chanten

Natürlich können wir uns auch über Techniken der anderen Yogawege wie z.B. Hatha Yoga oder Meditation mit dem Göttlichen verbinden.

Eine besonders beliebte Möglichkeit, Gott anzurufen ist Kirtanam, also das Singen von Mantras. Das geht immer und überall und man braucht keinerlei Equipment wie für eine Puja oder ähnliches. In der Gruppe wird Kirtan meistens im Wechselgesang gesungen. Man kann aber auch allein Mantras singen.

Für mich war das Mantra Singen schon oft die Rettung aus verzweifelten Situationen. Vielleicht kennt ihr das auch: Das Leben geht seinen Gang, Dinge verändern sich und Du kannst einfach nicht los lassen. Du befindest Dich in einer Situation, die Du einfach nicht hin nehmen kannst, die Dich traurig macht und Dein Widerstand dagegen raubt Dir die letzte Energie.

Und obwohl Du Dir vielleicht sogar sehr klar darüber bist, dass Du die Situation nicht ändern kannst und besser von Deinem Wunsch, dass es anders sei, ablässt, schaffst Du es nicht. Alle geistigen und Verstand basierten Techniken prallen von Dir ab und Du hast keine Kraft mehr für Hatha Yoga.

Schlimmstenfalls bist Du vielleicht sogar wirklich körperlich krank und es ist Dir gar nicht möglich Asanas oder Pranayama zu üben. Gleichzeitig ist der Geist so unruhig, dass Du Dich nicht zur Meditation hinsetzen kannst, ohne noch tiefer in die Gedankenschleife zu geraten.

Jetzt hilft nur noch Bhakti Yoga: Kirtan singen oder Mantra Wiederholung. In einer Gruppe Kirtan zu singen kann sehr sehr heilsam sein. Womöglich fließen Tränen, aber danach fühlst Du Dich besser und freier.

Die Kraft von Hingabe, Mantra & Gebet

Wenn Du alleine bist, kannst Du für Dich Mantras singen. Das geht laut oder im Geist. Das ist auch eine Meditationsform. Du kannst alle Deine Gefühle in Deinen Gesang hinein legen. Deine Trauer, Deine Angst, Deine Wut, Deine Hilflosigkeit.

Wenn ich mich in einer scheinbar aussichtslosen Situation befinde, kommt irgendwann der Moment, in dem ich sage: „Ok, liebes Universum (das ist mein Name für Gott), ich weiß nicht mehr weiter. Ich kann es nicht lösen, aber ich kann es auch nicht los lassen – ich weiß nicht wie. Bitte hilf mir!“

Und dann singe ich irgendein Mantra, das mir gerade einfällt. Manchmal ist es Hanuman Chalisa, manchmal das Maha Mantra oder Om Tare Tuttare, Om namah Sivaya oder etwas anderes. Zuerst fällt es mir schwer zu singen, nach einer Weile geht es, dann fließen manchmal Tränen und irgendwann ist es so, als würden sich die Wolken eines Sturmes verziehen und ich werde ganz ruhig.

Das Problem ist nicht gelöst, eigentlich hat sich nichts geändert. Aber ich habe Gott um Hilfe gebeten und weiß, dass er sich darum kümmern wird. Das Eingestehen, meiner Hilflosigkeit ohne mich dafür zu verurteilen ist eine Form von Demut. Diese Demut hilft mir los zu lassen und auf Gottes Gnade zu vertrauen.

So ähnlich ist es auch mit dem Beten. Wenn wir davon ausgehen, dass Gott überall und in allem ist und dass alles Intelligenz bzw. Bewusstsein ist, dann ist klar, dass wir mit diesem Feld kommunizieren können und es auf seine Weise darauf reagieren wird.

Drücken wir regelmäßig und deutlich unsere Dankbarkeit für gewisse Dinge aus, so geben wir Gott durch unsere Wertschätzung das Signal, dass wir uns auch weiterhin über diese Dinge freuen und er wird sie uns wahrscheinlich weiterhin oder sogar mehr davon zur Verfügung stellen.

Auf der anderen Seite wird Gott uns nur das geben, was wir wirklich haben wollen. Es ist also wichtig, dass wir uns selbst darüber klar sind, was wir wollen und dies auch klar und deutlich Gott gegenüber formulieren.

Jetzt kann man fragen, was es mit Hingabe zu tun hat, Gott seine Wünsche vorzutragen. Die Hingabe ist, dem Wunsch aus tiefstem Herzen beizufügen: „…wenn es zum Wohle aller ist“ und dann darauf zu vertrauen, dass das Richtige geschieht und dieses dann als Gottes Wille anzunehmen.

Egal, was Gott für den einzelnen bedeutet, wichtig ist, dass wir uns immer wieder mit dem Göttlichen verbinden, über Praktiken, die f