Yoga Wiki über Shreya Marga

Wahrscheinlich kennt ein jeder den griechischen Helden Herkules, diesen Halbgott, der es in seinem abenteuerlichen Leben bis zum Olymp schaffte. Der Olymp ist das höchste Gebirge Griechenlands und galt zu damaliger Zeit als der Wohnsitz der Götter. Auch heutzutage streben noch Menschen nach dem Höchsten, nach Selbstverwirklichung  und nach unbegrenzter Glückseligkeit. In einigen Ländern auf dieser Erde ist dieses Streben nach Glück und Vollendung in die Verfassung geschrieben.

Menschen streben nach Vollendung, bewusst oder unbewusst. Herkules stand im Jugendalter schon am Scheideweg und hatte sich über seinen Lebensweg Gedanken zu machen. Er begegnete zwei Jungfrauen. Eine sagte, sie sei das Vergnügen und sie würde ihm zu viel Macht und einem schönen Leben verhelfen. Die andere Jungfrau war die Tugend und verhieß ihm, dass er viele Aufgaben und Hindernisse haben würde. Er würde allerdings stets das Gefühl haben, das richtige zu tun. Hercules entschied sich für die Tugend und führte ein spannendes Leben und hatte dabei 12 wichtige Prüfungen zu bestehen. Erst danach kam er in den Olymp.

Das Angenehme und das Gute sind eben nicht identisch. In den Katha Upanishaden wird zwischen Shreya Marga und Preya Marga unterschieden. Ein Aspirant der sich ernsthaft auf sein persönliches Abenteuer hin zu seiner Vollkommenheit aufmacht, entscheidet sich am Anfang bewusst für den Weg des Guten, der Tugendhaftigkeit, eben Shreya Marga genannt.

Ein Mensch der lieber sich dem Weltlichen hingeben mag, der einfach nur ein angenehmes Leben ohne große Sorgen führen möchte, geht den Weg des Preya Marga. Wenn ein Mensch diesen Weg geht, kommt er zunächst mal zu Sukha, zu Vergnügen, aber langfristig zu Dukha, zu Leiden. Warum? Denn durch das Erfüllen von Wünschen und durch das Erfüllen von dem, was einem gerade in den Sinn kommt, wird man nicht glücklich, sondern langfristig unglücklich.

Entscheidet man sich aber für Shreya Marga, kommt am letztlich zu Ananda, zur höchsten Freude, so wie Herkules in den Olymp. Der Sanskritausdruck Shreya bedeutet soviel wie: schöner; besser, vorzüglicher, angesehener, vornehmer; vorzüglich, ausgezeichnet; das Bessere, eine bessere Lage, ein größeres Glück; das Gute; Tugend, spirituelles Verdienst; Glück, Wohlfahrt; Erlösung.  Marga bedeutet Weg.

Indem man Shreya Marga geht, indem man Gutes tut, Gutes bewirkt, anderen Gutes tut, Gottesverehrung übt und an dem eigenen Geist arbeitet, wird ein jeder ein erfülltes, glückliches Leben haben und schließlich in der Meditation das Höchste verwirklichen können. Natürlich ist das mit Mühen und Hindernissen verbunden. Aber Preya Marga führt dich in mehr Leid hinein, weil es jeden an seine unkontrollierten Wünsche, an das Ego und niedere Emotionen bindet. So bleibt man im Rad der Wiedergeburt gebunden.

So steht der Mensch immer wieder am Scheideweg und hat die Wahl zwischen Shreya und Preya. Es ist stets hilfreich bei seinen Entscheidungen die eigene Motivation zu Hinterfragen. Spätestens hier zeigt sich einem selber welchen Weg man gerade geht. Ist man ohne Eigeninteresse, Ichsucht und nur auf das Gute für die Nächsten bedacht, wird man den rechten Lohn erhalten. Bis eines Tages durch die Gnade Gottes einem Einlass gewährt wird, ob dieser „Bereich“ nun Olymp, Himmel oder wie auch immer heißen mag. Jesus sprach: Du kannst nicht zwei Herren zugleich dienen. Damit meinte er Gott oder die Welt, in unserer Analogie dem Guten oder dem Angenehmen, Shreya Marga oder Preya Marga.

Das schöne an Shreya Marga sind die Möglichkeiten zum Wachstum, Prüfungen zu bestehen und wahre Freude durch Verbundenheit zu erleben.

So kann man jetzt Yoga Wiki jede mögliche Tugend eintippen und wertvolle Inspirationen von Sukadev dazu erhalten. Om Shantih, Christian Bliedtner.

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