Yoga zwischen Trend und Tiefe: Die Yoga Expo

Die Yoga Welt von heute ist bunt, lebensfroh, modebewusst und einigermaßen gut betucht. Zumindest jene praktizierende Yoga Szene, die sich letztes Wochenende in München zur Yoga  Expo getroffen hat.

Sollte in diesen zwei Tagen jemand unter den vielen Yogis und Yoga Fans gewesen sein, der bereits die spirituelle Kunst des schwebenden Lotussitzes beherrscht – er hätte sich vermutlich aus seiner erhöhten Perspektive prächtig amüsiert. Denn obwohl diese Yoga Messe viel kleiner ist, als ihr Name klingt – das ganze Yoga Geschehen passte immerhin in eine höchstens drei Fußballfelder große Halle unterm Glasdach – mischten hier alles und alle mit, die sich in irgendeiner Weise mit Yoga und (körperbetonter) Spiritualität verbunden fühlten. Yoga in allen Variationen also: zum Mitmachen, Ausprobieren, Sich-selbst-und-Gleichgesinnte-Finden, Yoga für Kinder, für Menschen mit Rückenbeschwerden, für Bewegungsfreakts und Bewegungsmuffel, Yoga für Iyengas, Jivanmuktis, Kundalinis mit Turban und Tüchern und Sivanandas und der ganz klassischen Rishikesh-Reihe.

Und wie immer, wenn sich die Sinneseindrücke häufen, lagen die Inspirationen im Auge des Betrachters. So intensiv und abwechslungsreich hatte diese Messe ganz sicher für jeden eine ganz andere Welt und andere Botschaften parat.

Wer wollte, konnte gleich um zehn Uhr morgens den ersten intensiven Yoga Workshop mitmachen, und so rundum fit in den Messetag starten. Man konnte es natürlich auch ruhiger angehen lassen, denn schließlich waren diese beiden Tage mit Yoga Workshops aller Art reichlich gefüllt, vom zielgerichteten Handstand Workshop bis hin zu Prana Flow und Detox Yoga oder der Kinderyogastunde für Erwachsene mit Matangi.

Daneben gab es Vorträge im Dreiviertelstundentakt: Wie ernähren wir uns yogisch? Wie lebt es sich auf der goldenen Brücke zwischen Yoga und Ayurveda? Was ist das moderne Prana? Und ist Yoga Lebenskunst, heilsamer Sport, Lifestyle oder ein Weg der Sinn- und Selbstfindung? Womit wir bei der Frage wären, die früher oder später garantiert auftaucht, wenn man in einer so geballten Yogawelt unterwegs ist: Was bedeutet Yoga eigentlich für mich?

Nirgendwo sonst ist die Vielfalt der verschiedenen Yoga Wege vermutlich so beeindruckend sichtbar wie an so einem Wochenende unter dem Stern von Yoga und Ayurveda. Wer wollte, konnte sich leichten Herzens in die Yoga-Konsum-Welt stürzen: Die neuesten Yogamatten, Yoga-Bekleidung in öko und fair, mit und ohne Energie-Imprägnierung, Yoga Hocker und Kopfstand-Stützen, Yogi-Tee, Chakra-Yoga-Plakate und yogisch-ayurvedische Nahrungsergänzung. Und nach so viel Shopping-Abenteuer erst mal eine Yoga Massage in der Entspannungsoase, inklusive fachmännischer Beratung in orthopädischer Spezialmatratzenkunde.

Es ging aber auch anders zu, ein bisschen leiser, ein bisschen persönlicher und tiefer – sofern das im Messetrubel überhaupt möglich ist. Hinter bunt geschmückten Messe-Stellwänden konnte man sich mit ayurvedischer Pulsdiagnose oder vedischer Handlesekunst persönlich beraten lassen, hin uns wieder sah man in den Vortragsräumen die Menschen in Meditation einsinken und in den Räumen der Sanyaya Yogis gab es neben Meditation und Mantra Singen einen wundervollen spontanen Zuschauer-Chor mit einer strahlenden Gospel- und Soulsängerin.

Und die Essensstände der Hare Krishnas durften auch in dieser schönen neuen Welt natürlich nicht fehlen. Hier gab es die bekannten Köstlichkeiten ganz nach Hare-Krishna-Art: vegetarisch, yogisch und mit viel Herz und Liebe. Und die Sahnehaube zu diesem Yoga inspirierten Abenteuer? Das waren vermutlich für viele die Konzerte mit Krishnadas. Die Gelegenheit, den amerikanischen Star unter den Mantra Sängern persönlich und in so kleinem Rahmen zu erleben, lassen sich viele Yoga- und Musikliebhaber ja nur ungern entgehen. Es soll sogar Menschen aus den entferntesten Ecken Europas gegeben haben, die zur Yoga Expo nicht etwas wegen der exotischen Yoga Workshops oder gar der neuen Yoga Modelinie kamen, sondern wegen dieser weltentrückten und beseelten Konzertabende mit beeindruckendem Schüler des alten Yogawegs – dessen Biographie übrigens hier ebenfalls käuflich zu erwerben war.

Wen wundert’s? Denn was war Yoga noch mal? Kunst? Konsum? Oder Lebensart? Wer während der Yoga Expo auf diese Frage keine ganz treffende Antwort gefunden hat, hat vermutlich keinen Grund zur Sorge. Eine Yoga Messe ist eben kein Retreat. Dafür aber eine gute Gelegenheit für ein Stück Herzens- und Geistesöffnung für neue und andere Wege.

1 Kommentar zu “Yoga zwischen Trend und Tiefe: Die Yoga Expo

  1. Vielen Dank liebe Dieta, durch deinen erfrischenden ausführlichen Bericht habe ich/wir einen schönen Überblick von der Yoga Expo Messe bekommen. 🙂
    Ach wie schön, das klassische Yoga Vidya Reihe ist und bleibt für mich das alleinige uneingeschenkte ewige Wonne-Yoga.

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