Wenn Meditation tiefer geht: Erfahrungen auf dem spirituellen Weg

Sukadev
Von Sukadev
Lesezeit: 8 Min

Vielleicht kennst du das: Du setzt dich zur Meditation, wünschst dir Stille – und plötzlich tauchen Gefühle, körperliche Reaktionen, innere Bilder oder besondere Wahrnehmungen auf. Solche Erfahrungen in der Meditation können zunächst verunsichern, sind im Yoga jedoch oft wichtige Zeichen innerer Reinigung und spiritueller Entwicklung. Sie zeigen dir, dass sich etwas in dir bewegt – auf dem Weg zu mehr Klarheit, innerer Freiheit und deinem wahren Selbst.


Während deiner Meditation können verschiedene Reinigungserfahrungen aufkommen: energetische, emotionale, körperliche und geistige. Im Yoga sagt man: Deine wahre Natur ist Sat-Chit-Ananda – reines Sein, Wissen und Wonne. Diese wahre Natur wird durch Unreinheiten verdeckt, so wie manchmal die Sonne durch Wolken.

Um zu deiner wahren Natur zu gelangen, gilt es, diese Unreinheiten zu überwinden. Auf deinem spirituellen Weg – und besonders durch Meditation ist das möglich. Wenn du diesen Weg beschreitest, steigen unterschiedliche Unreinheiten an die Oberfläche deines Bewusstseins, wo sie leichter aufgelöst werden können.

So wie die Sonne auch dann existiert, wenn sie von Wolken verdeckt ist, existiert dein Selbst, selbst wenn du es nicht wahrnimmst. Ist dein Geist ruhig, strahlt das Glück deines Selbst. Ist er voller dunkler Gedanken oder unruhig, scheint dieses Selbst verdeckt.

Reinigungserfahrungen auf dem spirituellen Weg

Ein wichtiger Aspekt deines spirituellen Weges besteht darin, dich von Unreinheiten zu befreien. Während deiner Meditation und anderer spiritueller Praktiken können unterschiedliche Reinigungserfahrungen auftreten.

Körperliche Reinigungserfahrungen

Zu den körperlichen Reinigungserfahrungen gehören zum Beispiel kurzfristiges Kopfweh, eine leichte Reinigungserkältung oder das Lösen von Schutzverspannungen. Solche Reaktionen klingen meist rasch ab und sind in der Regel innerhalb weniger Stunden wieder verschwunden

Frau in Meditation mit Chakren

Energetische Reinigungserfahrungen in der Meditation

Neben körperlichen erlebst du vielleicht energetische Reinigungserfahrungen in deiner Meditation. Dein Körper oder einzelne Bereiche können sich erhitzen. Im Yoga wird dies damit erklärt, dass Prana – die Lebensenergie – versucht, durch neue Energiekanäle zu fließen. Sind diese noch blockiert, entsteht Reibung, die du als Wärme wahrnehmen kannst.

Es kann ebenso geschehen, dass eine kühlende, regenerierende Energie zu fließen beginnt. Die erhitzende Sonnenenergie wird dem Bauchzentrum zugeordnet, während das kühlende Mondzentrum in der Stirn liegt. Shiva wird häufig mit einem Halbmond dargestellt – Symbol für dieses Mondzentrum.

Wenn dieses Zentrum bei dir aktiviert wird, kannst du eine kühlende, wonnevolle Energie wie einen sanften Strom von oben herabfließen fühlen. Diese Wahrnehmung ist seltener, aber besonders angenehm.

Weitere energetische Erfahrungen, die du machen kannst, sind zum Beispiel:

  • ein plötzliches Durchzucken deines Körpers
  • das Gefühl, dich zu bewegen, obwohl du ruhig sitzt
  • Zittern, Leichtigkeit oder eine veränderte Körperwahrnehmung

Diese Phänomene sind Zeichen dafür, dass sich dein Astralkörper bewegt, neue Energien erwachen und Energiekanäle gereinigt werden. Es ist ein gutes Zeichen und darf geschehen, ohne dass du versuchst, es bewusst zu verstärken.

Emotionelle Reinigungserfahrungen

Von emotionalen Reinigungserfahrungen sprechen wir, wenn während deiner Meditation Gefühle oder Erinnerungen aufsteigen – von leichten Stimmungen bis zu starken Emotionen. Auch Tränen können fließen; in der Regel wirkt das befreiend.

Im Yoga gilt: Wenn in dir etwas aufsteigt, wird es nicht verstärkt, sondern lediglich beobachtet. Mit der Zeit harmonisieren sich die auftauchenden Emotionen von selbst.

Geistige Reinigung und das Verständnis von Meditation

Während geistiger Reinigung kann es vorkommen, dass dein Geist scheinbar unruhiger wird und mehr Gedanken auftauchen als zuvor. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Prozess des Bewusstwerdens.

Viele Menschen glauben, Meditation bedeute, sofort keine Gedanken mehr zu haben. Tauchen bei dir Gedanken auf, hältst du dich vielleicht für ungeeignet zur Meditation. Doch jeder Schritt auf deinem Weg zur Selbsterkenntnis ist bedeutsam.
Zu erkennen, wie dein Geist funktioniert, ist Teil dieses Weges. Nach Patanjalis Yoga-Sutra ist Yoga das zur Ruhe bringen des Geistes, es geht also darum, dass du dahin kommst, nicht schon dort bist. Dieser Geisteszustand nennt sich Nirodha und ist das Ziel der Meditation nach Patanjali.

Die Yogaweisheit der Patanjali für Menschen von heute von Sukadev Bretz. Buchcover

Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Meditation

Im Yoga spricht man von physischem Körper, vom Kausalkörper und vom Astralkörper. Alternativ wird das  Koshamodell herangezogen, das den Menschen als von mehreren Hüllen umgeben beschreibt. Diese Modelle helfen dir, deine Erfahrungen einzuordnen.

Astrale Erfahrungen und Wahrnehmungen

Astrale Erfahrungen können für dich visuell, auditiv oder fühlbar sein, zum Beispiel:

  • Wahrnehmung von Farben, Formen oder Licht
  • Sehen von Auren oder Energiefeldern
  • das Auftreten von Gestalten oder Wesen

Hier gilt es, zwischen astralen und spirituellen Erfahrungen zu unterscheiden. Höhere Erfahrungen sind meist von Licht, Wärme, Liebe und Zuversicht begleitet, während niedrigere astrale Erscheinungen eher Angst oder Enge erzeugen.

Meditation mit Mala

In solchen Fällen empfiehlt es sich, dass du dich innerlich an etwas Höheres wendest – etwa durch ein Mantra wie OM oder durch das Erinnern an einen spirituellen Meister.

Klänge und innere Wahrnehmung

Neben sichtbaren Erfahrungen können bei dir auch hörbare auftreten. In tiefer Meditation nimmst du manchmal feine innere Klänge wahr, sogenannte Anahata-Klänge. Diese können sich dir als Summen, Flöten- oder Glockentöne zeigen.

Diese Klänge unterscheiden sich deutlich von Tinnitus, der meist unangenehm ist und mit Stress zunimmt. Anahata-Klänge hingegen werden in tiefer Ruhe klarer und können von dir zur Vertiefung deiner Meditation genutzt werden.

Höhere spirituelle Erfahrungen

Zu höheren spirituellen Erfahrungen zählen für dich Visionen von Meistern, Engelswesen oder Manifestationen des Göttlichen. Sie gehen mit erweitertem Bewusstsein, tiefer Liebe, Licht und Wonne einher und führen zur Auflösung deines Ego.

Die höchsten Erfahrungen lassen sich letztlich nicht mehr in Worte fassen. Sie führen dich zur Selbstverwirklichung, zur Erfahrung reiner Einheit jenseits von Gedanken, Bildern und Emotionen.

Im Yoga werden diese Zustände als Samadhi beschrieben – von erfahrungsbezogenen Formen bis hin zur vollständigen Verschmelzung in der Einheit des Seins.

Meditation, Philosophie und Erkenntnis

Aus solchen tiefen Erfahrungen entsteht intuitives Wissen, das du später philosophisch reflektieren kannst, etwa in der  Vedanta-Philosophie, die Fragen stellt wie: Wer bin ich? Was ist Bewusstsein? Was ist wirklich?

Diese Erkenntnisse entspringen nicht nur deinem Denken, sondern deiner direkten Erfahrung. Dennoch ist es wichtig, darüber zu sprechen, zu schreiben und zu lehren, um anderen Orientierung zu geben.

Sukadev hält Vortrag

Schlussgedanken zum spirituellen Weg

Buddha betonte weniger metaphysische Spekulationen als den praktischen Weg aus dem Leiden. Auch Yogameister raten dir, dich nicht in astralen Zwischenebenen zu verlieren, sondern das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: innere Freiheit, Erkenntnis und Einheit.

Deine Meditation ist kein linearer Prozess, sondern ein Weg der Reinigung, der Erkenntnis und der Gnade. Du kannst ihn nicht erzwingen – aber du kannst dich immer wieder dafür öffnen.

  • Angepasster Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Volker Bretz über Meditation und dem spirituellem Weg.

Seminarleiterfoto von Sukadev Volker Bretz

Sukadev Volker Bretz ist Gründer und spiritueller Leiter von Yoga Vidya. Er versteht es wunderbar, tiefe Weisheit humorvoll weiterzugeben. Seine besondere Stärke ist es, Aspiranten zu intensiver Praxis zu motivieren, hinter allem einen höheren Sinn zu sehen und mehr Energie und Herz in den Alltag zu bringen.

1992 gründete er die Yoga Vidya Zentren, um ein ganzheitliches, lebensnahes Yoga zu lehren. Yoga Vidya hat inzwischen 4 große Yoga Ashrams, über 80 Yoga Vidya Zentren und 18.000 ausgebildete Yogalehrer. Erlebe den dynamischen Begründer einer der führenden Yoga Bewegungen Europas.

Quelle:
Yoga Vidya Journal – Herbst 2002 – Journal 07 – Entdeckungsreise ins Selbst – Ein Pfad ohne Konzepte

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Sukadev ist Gründer und Leiter von Yoga Vidya. Nicht alle Beiräge, die in seinem Namen veröffentlicht werden, stammen von ihm selbst. Insbesondere Videos und Audios mit Vorträgen, Mantras, Übungsanleitungen werden meist von anderen in seinem Namen im Blog veröffentlicht - denn der Inhalt stammt ja letztlich von Sukadev
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