Erfahrungsbericht: Meine erste Woche im Ashram

Yoga Vidya Bad Meinberg

Valentin, Sevakaanwärter und seit Anfang des Jahres bei Yoga Vidya Bad Meinberg, berichtet im folgenden Beitrag über seine ersten Eindrücke, das Einführungsseminar in Yoga und Meditation und darüber, wie ihm das Leben im Ashram gefällt.

Yoga Vidya Bad Meinberg

Die ersten Eindrücke

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, spirituelle Entwicklung, Arbeit und Wohnen miteinander zu verbinden, bin ich auf  Yoga Vidya aufmerksam geworden. Die Vorstellung, Sevaka, also Mitglied, in dieser Gemeinschaft zu werden, sprach mich direkt an und nach ein paar E-Mails war das Nötigste geklärt. Einen Monat später machte ich mich auf den Weg nach Bad Meinberg.

Dort angekommen wurde ich sofort an das kleine Dörfchen im Erzgebirge erinnert in dem meine Großeltern lebten. Obwohl Bad Meinberg etwas größer ist, mehr Verkehr hat und weniger hügelig ist, waren die ersten Empfindungen ähnlich: trotz der Abgeschiedenheit – oder gerade wegen ihr – gibt es da etwas, das in der Großstadt fehlt. Ich fühlte mich direkt verbundener mit der Umgebung und mit mir selbst. Die Balance zwischen Ursprünglichkeit und Moderne scheint dem Kurort also gut gelungen zu sein.

Auf dem Weg zum Ashram traf ich dann schon auf die ersten lächelnden Gesichter und wusste, dass es nicht mehr weit sein kann. Dieses befindet sich im danach benannten Yogaweg, auf dem Gelände des ehemaligen Stadtklinikums. Auf den ersten Blick sieht es also gar nicht unbedingt so aus, wie man sich ein Ashram vielleicht vorstellt. Eben eher wie eine Klinikanlage. Doch der Schein trügt und spätestens wenn man im Empfangsbereich steht, hat man die teils grauen Fassaden schon wieder vergessen.

Das Innere der Gebäude ist modern und man merkt, dass es mit Bedacht gestaltet wurde. Ob Gemälde, Statue oder Verzierung auf dem Boden, alles hat seinen Platz und wirkt sehr harmonisch. Ich fühlte mich direkt wohl.

Das Einführungsseminar in Yoga und Meditation

Um einen genaueren Einblick in die Lehre und Philosophie des Vereins zu erlangen, habe ich über das Wochenende an einem Einführungsseminar in Yoga und Meditation teilgenommen. Obwohl ich nicht ganz ohne Vorkenntnisse kam – zumindest was Meditation angeht – gab es einiges Neues zu lernen. Vor allem was die verschiedenen Yogawege angeht und wie diese miteinander kombiniert werden können.

Das Wochenende bestand aus insgesamt sechs Workshops bzw. Vorträgen die mit vier Yogastunden und vier Meditationen ergänzt wurden. Freitagabend ging es mit der ersten gemeinsamen Meditation im Satsang und einer kleiner Vorstellrunde los. Satsang ist eine Art Gottesdienst bestehend aus gemeinsamem Meditieren, Singen, Beten und einem Lichtritual (Arati).

Für viele „Neulinge“ schien das die größte Hürde zu sein, was ich gut verstehen kann. Es kann schon erstmal befremdlich sein, wenn man es das erste Mal erlebt.

Mir sind vor allem die vielen Parallelen zum kirchlichen Gottesdienst aufgefallen. Mit der großen Ausnahme jedoch, dass Satsang deutlich lockerer und gemeinschaftlicher ist.

Anstatt auf einer Kirchenbank sitzt man auf dem Boden, anstatt deutschen Liedern singt man sanskritische Mantras und an Stelle eines bestimmten Gottesbildes werden verschiedene Manifestationen und Eigenschaften gepriesen. Sobald man sich darauf einlassen kann, ist es eine wirklich schöne und bereichernde Erfahrung.

Am Samstag habe ich dann an meiner allerersten Hatha-Yogastunde teilgenommen. Bis zu dem Zeitpunkt bedeutete Asana praktizieren für mich, still auf einem Kissen zu sitzen. Das hat sich nun geändert und ich konnte seitdem viele neue Körperstellungen ausprobieren und in meine Praxis integrieren. Vor allem schön finde ich, dass der Fokus in den Stunden meist auf Achtsamkeit und Stille liegt, weniger auf körperlicher Fitness.

Sonntagnachmittag wurde das Seminar dann mit vielen guten Tipps für Zuhause und einer kleinen Abschlussrunde beendet.

Mehr Infos zum Einführungsseminar

Arbeit oder Dienst?

Die Arbeit hier wird nicht wirklich als Arbeit, sondern vielmehr als Dienst (Seva) verstanden. Es ist so gesehen auch ein Teil der spirituellen Praxis, nämlich Karma Yoga: man bewegt sich von seinen kleinen persönlichen Bedürfnissen weg und richtet sich mehr nach dem Wohl aller. So soll man dem Ego Einhalt gebieten und sich der zugrundeliegenden Einheit aller Dinge bewusster werden können.

Aber wie jede andere spirituelle Praxis fällt auch das nicht immer leicht. Es gibt Höhen und Tiefen: mal fühlt es sich mehr wie Arbeit an, mal mehr wie Dienst. Und manchmal tut man etwas, das von außen selbstlos aussieht und tut es doch hauptsächlich aus Eigeninteresse. Es kommt halt weniger darauf an, was man tut, sondern mit welcher Absicht man es tut. Und genau da liegt die Herausforderung beim Seva oder Karma Yoga.

Im Rahmen des Einführungsseminars habe ich in der Küche mitgeholfen. Da war der Dienst ziemlich klar: man tut etwas und infolgedessen können andere ihren Körper mit einer leckeren Mahlzeit stärken. Darauf kann man sich gut konzentrieren.

Jetzt bin ich im Social Media Team, wo der Dienst auch klar, aber die Ergebnisse etwas indirekter spürbar sind: es geht darum, Yoga zu verbreiten. Hier muss man sich den Dienst, denke ich, öfter wieder ins Bewusstsein rufen, da man eben vor einem Monitor und nicht vor einem Menschen sitzt. Aber die Arbeit, oder besser gesagt der Dienst, macht Spaß und hinterlässt ein befriedigendes Gefühl – sowohl in der Küche als auch im Büro.

YantraEs kann erst mal befremdlich sein

Am Anfang können manche Dinge erst einmal befremdlich sein und das ist auch okay so. Für viele von uns ist das alles hier ziemlich weit weg von dem, was wir aus dem Alltag „da draußen“ kennen. Da ist ein anfänglicher Abwehrimpuls denke ich ganz normal. Aber der ist auch so schnell wieder weg, wie er gekommen ist.

Es ist halt wie eine eigene kleine Welt hier. Zumindest fühlt es sich manchmal so an. So als wäre das Zentrum ein für sich selbst funktionierender, eigenständiger Organismus, der komplett unabhängig von der Außenwelt ist. In Wirklichkeit ist es natürlich ganz anders, aber der Eindruck kann entstehen und je nach Einstellung kann das sehr schön oder aber auch erdrückend sein.

Wichtig ist daher denke ich, dass man sich dem Ganzen erstmal unvoreingenommen öffnet und dann für sich selbst herausfindet, wie man mit den vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen umgeht. Mir hat zum Beispiel geholfen, mir den symbolischen Bedeutungen der Rituale und Gottheiten bewusst zu werden. Es geht weniger um die Namen, Bilder und Handlungen an sich, sondern um die Eigenschaften, die sie verkörpern.

Wenn diese persönlichen Feinjustierungen dann vorgenommen sind, kann man sich hier wirklich gut und frei entwickeln, so wie man ist.

Ich bleibe länger.

Om Shanti

Valentin


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