Geschichte des Hauses Yoga Vidya Westerwald

In diesen Tagen haben wir im Westerwald mal wieder Besuch gehabt von Dieter Zander. Er hat 1999-2007 im Westerwald Ashram gelebt, und in dieser Zeit das Technikteam und alle Umbauten im Haus geleitet. Mit ihm habe ich (Narada) mich ausgetauscht und wir haben die bewegte Geschichte nochmal etwas aufgearbeitet und ausformuliert.

Wirklich spannend, was in der Vergangenheit alles so in unserem Refugium los war!

Als Sukadev Volker Bretz, Gründer und 1. Vorsitzender des Yoga Vidya e.V., 1996 beschloss, dieses Anwesen zu kaufen, um daraus einen Yoga-Ashram zu machen, hatte das Haus schon eine bewegte Geschichte hinter sich.

Erbaut wurde das Haus als Jagdhaus der Wied’- schen Fürsten, und Anfang des 19. Jahrhunderts ist es zum Alterssitz eines wohlhabenden Angestellten umfunktioniert worden. In dieser Zeit entstand auch, im damals noch unbewaldeten Tal, ein wunderschön angelegter Park mit seltenen Obststorten.

Um 1850 baute man es zu einer Sägemühle um. Als Antrieb für das große Wasserrad, welches sich dort befand wo heute die Rezeption ist, diente der Grenzbach. Dieser wurde in zwei Teichen Talaufwärts gestaut, später wurden diese Staubecken zu Fischteichen umgebaut und sind heute noch vorhanden. 1917/18 stellte man die Krafterzeugung auf Turbinen zur Stromerzeugung um.

Der Grenzbach, Namensgeber des Grenzbachtals, trennt traditionell die Landkreise Altenkirchen und Neuwied. Dies führt zu der kuriosen Situation, dass unser Gelände auf zwei Landkreisen liegt, und drei verschiedene Bürgermeister für uns zuständig sind. Geographisch liegt unser Haus in Puderbach jedoch ist es postalisch Oberlahr zugeordnet.

Ende der 20`er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der Sägewerksbetrieb eingestellt und das Haus zeitweise als Wohnhaus genutzt. In den 30er Jahren war es ein Ausflugslokal mit mäßigem Erfolg. Nach dem Krieg wurde es von einer Elterninitiative der Kölner Realschulen erworben und anfang der 50er Jahre zu einem Landschulheim ausgebaut.Aus dieser Zeit stammt auch der ältere Teil des Gästetraktes.

Weitere Besitzerwechsel folgten, u. a. wurde es als Asylbewerberhaus genutzt oder auch Testraum für pyrotechnische Filmtricks in Verbindung mit Pferden, bevor es dann 1996 als Yoga-Ashram eine Wiedergeburt und seit dem eine Blütezeit erfährt.

Zum damals bestehenden Haupthaus und Gästehaus hinzu, wurde seit dem vieles bautechnisch verändet. Es kam östlich des Haupthauses in Verlängerung des alten Gästetraktes ein neuer Teil, in dem sich heute z.B. die Rezeption, und ein Yogaraum befinden. Der Keller des Haupthauses wurde durch den Anbau eines großen Yogaraums nach Süden verlängert, auf dessen Dach eine grosse Sonnenterrasse Platz hat. Teil dieser Terrasse wurde 2006 zum Wintergarten für einen Speisesaal verglast. Das Haupthaus verfügt somit über sechs Yogaräume, eine große Küche, zwei Büros, eine Bibliothek, eine Boutique, den Wintergarten, die Terrasse und 7 Gästezimmer, einen großen Keller mit Vorrats- und Lagerräumen sowie einen Dachboden mit Stauraum. Das Gästehaus erhielt eine zweite Etage und beherbergt derzeit 28 Gästezimmer, und 9 Sevakazimmer. Zahlreiche Duschen, WCs und Bäder sind auf den Gängen vorhanden und jedes Zimmer verfügt je nach Größe über ein oder zwei Waschbecken.

Hier ein Bild vom Haus im Zustand als Yoga-Vidya es erworben hat:

Man sieht sehr deutlich dass der Shivaraum und die Terasse noch nicht da waren, und die zweite Etage noch fehlte. Auch der komplette Trakt in der hinteren Ecke über der heutigen Rezeption war noch nicht vorhanden. Vor dem Haus sieht man eine Fahnenstange, diese war vom Vorbesitzer der als Stuntmen gearbeitet hat.

In unserem Ashram lebt seit 1997 eine stark engagierte Gemeinschaft von 20-30 Menschen aus allen Lebensbereichen, die hier während ihres zeitlich begrenzten Aufenthaltes vollzeit wirken. Ein Teil unserer Sevaka sind externe Angestellte, die sich bei uns sehr wohl fühlen. In unseren 103 Betten übernachteten in den Vorjahren durchschnittlich 15.000 Gäste, was touristisch gesehen für den Landkreis von Bedeutung ist, da durch den Besuch unseres Zentrums der Westerwald und das Grenzbachtal nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch im benachbarten Ausland bekannt gemacht wird.

Das Grenzbachtal, in dem sich der Ashram befindet, wurde im letzten Jahrhundert großflächig mit Fichten bewaldet, und verlor dadurch seinen ursprünglichen Charakter. Zuvor waren nur vereinzelt Eichen und Buchen im Tal und die Wiesen wurden zur Viehhaltung genutzt. Im Rahmen eines grossen Projektes unter dem Motto „Umweltschutz durch Nutzung“ wurden 2005 ca. 13 Hektar Fichten gerohdet. Die Bachbegradigungen und kleinen Wehre wurden allesamt zurückgebaut, und stattdessen neue Brücken geschaffen. So soll das Grenzbachtal nach und nach seine ursprünliche Form als Wiesental wiedererlangen. Dabei helfen auch robuste Rinderrassen, die ganzjähirg im Tal gehalten werden. Die Gallowayrinder mit denen wir das Tal teilen gehören auch zu unserer kleinen Gemeinschaft.

Und wer es vielleicht wissen will: Dieter lebt heute in Süddeutschland, arbeitet in seinem alten Beruf und ist gesund und glücklich!

2 Kommentare zu “Geschichte des Hauses Yoga Vidya Westerwald

  1. shankari

    Sehr schöner Beitrag, aber Gallowayrinder sind das nicht. Gallowayrinder sind von Natur aus ohne Horn. Da haben die Heckrinder, die um unseren Ashram grasen, einen zu schönen und stolzen Kopfschmuck als das man das übergehen könnte. Sorry Narada. Trotzdem freue ich mich immer noch sehr darüber, daß Du zu uns in den Westerwald gekommen bist.

  2. Premajyoti

    Om

    ich kann mich an Dieter Zander sehr gut erinnern,

    er ist ein sehr beliebter Yogalehrer gewesen,
    viele Teilnehmer mochten seine humorvolle und lustige Art.

    Danke, für die Information, das es ihm gut geht,
    viel Glück für ihn auf seinen Wegen.

    Om namah shivaya

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