Happy Hugging-Day: Ein Appell für mehr Alltagtags-Umarmungen.

Tue es so oft und intensiv, wie du kannst. Besonders heute.
Ein Appell für mehr Alltagtags-Umarmungen.

Seit 1986 wird in den USA am 21. Januar – die kalendarische Mitte zweier Liebesfeste – der National Hugging Day gefeiert. Mittlerweile wird der Weltknuddeltag auch in vielen weiteren Ländern zelebriert. Die gedrückte Stimmung in der nass-kalten Jahreszeit soll in GEDRÜCKTE Stimmung transformiert werden. Ich finde das klasse! Denn letzten Sommer habe ich erst ganz bewusst erfahren, wie wertvoll innige Umarmungen sind. Sie sind gut für Körper, Geist und Seele.

Umarmungen führen uns näher zu uns selbst, näher zu Anderen und näher zur göttlichen Einheit.

August 2017. Bad Meinberg.

„Hi, ich bin Stefanie.“, sage ich und strecke ihm meine Hand entgegen. Er schaut auf meinen ausgestreckten Arm herunter, lacht kurz und breitet beide Arme vor mir aus. „Ich bin Peter“, sagt er und nimmt mich in die Arme. Ich muss über mich selbst schmunzeln, wie ich scheinbar noch ein Stück in der Business-Welt, wo man eben Hände schüttelt, verhaftet bin. Ich lehne mich nach vorn und erwidere verkrampft seine Umarmung. Nach einer Sekunde will ich mich wieder zurückziehen, zurück in meine Sicherheitszone, zurück in meine Habachtstellung. Allerdings hält er mich weiterhin in seinen Armen. „Ok“, denke ich, „wir müssen ja nicht gleich heiraten.“ Mir schießt in den Kopf, was jetzt wohl andere denken könnten, wenn wir hier im Weg herumstehen. Wie das wohl aussieht, wenn ich hier einfach so fremde Männer umarme. Und dass ich eigentlich gerade schnell zum Mittagessen gehen wollte. Aber ich lasse mich auf seine Herzlichkeit ein und sinke wieder zurück an sein Herz. Wir atmen beide tief. Ich schließe meine Augen. Nach einigen Sekunden lösen sich meine verkrampften Schultern und ich atme langsamer. Ich spüre plötzlich eine angenehme Wärme im Herzen, eine Geborgenheit, eine Art Verbundenheit. Mir scheint es, als seien die Uhren kurz stehen geblieben. Ich denke nichts mehr. Als wir die Umarmung auflösen, schauen wir uns noch einmal tief in die Augen und lächeln einander an.

WOW, ich bin plötzlich ganz entspannt und geerdet. Ich fühle mich, wie mit Kraft aufgetankt.

Alles andere ist auf einmal ganz unwichtig geworden.

Wohin wollte ich noch gleich gerade?

Ich denke nach, wie viele Menschen ich heute schon umarmt habe.
Hast du dich schon mal gefragt: Wie viele Menschen umarme ich eigentlich so an einem gewöhnlichen Tag?

Und ich meine, so richtig intensive Umarmungen.
Wenn sich die Atmung einander angleicht.
Wenn das Herz anfängt im gleichen Takt zu schlagen.
Nicht dieses kurze Drücken mit riesigem Abstand zwischen den Bäuchen, zwischen den Herzen.
Nicht dieses halbherzige, flüchtige oder formelle Grüßen im Vorbeigehen.
Nicht dieses Alltägliche, Selbstverständliche.
Ich meine diese Umarmungen, für welche man länger als nur einen Moment inne hält.

Ich meine diese Umarmungen, in denen wir uns vollkommen auf diesen Moment einlassen.
Diese, in denen wir Einheit erfahren. Einheit mit diesem einzigartigen Moment. Einheit mit einem anderen Menschen. EinKLANG unserer Herzschläge, Harmonie unserer Atemzüge, Verbundenheit unserer Seelen.

September 2017. Berlin.
Eine Umarmungs-Inventur.
Ich stehe in der Küche. Ich wäre gern die, die schon frischgeduscht nach einer Stunde Yoga durch die Wohnung hüpft und singt. Stattdessen bin ich die, die verschlafen neben der Kaffeemaschine versucht ihre Augen offen zu halten. Meine Mitbewohnerin ruft: „Tschüüüüüss. Einen schönen Tag.“ Das Schloss fällt in die Tür. Keine Umarmung Nummer 1.
Da unser Kühlschrank mich frech angähnt, hole ich mir auf dem Weg zur Arbeit ein belegtes Brot beim Bäcker gegenüber. Ich bedanke mich bei der netten Verkäuferin und eile zur U-Bahn. Keine Umarmung Nummer 2.
Am Bahnsteig drängen sich dann die Menschenmassen. Die U8 fährt ein und wir quetschen uns alle durch die Türen. Keine Umarmung 2 bis 57.
Etwas spät dran –the same procedere as every time – eile ich zur Vorlesung. Auf dem Weg treffe ich zwei Kommilitonen und den attraktiven Doktoranten aus meiner Montags-Übung. Nett nicke ich ihnen im Vorbeigehen zu. Keine Umarmung 57 bis 61.
Im Hörsaal angekommen, schlängle ich mich in eine Reihe, wo Juliane mir einen Platz ergattert hat. 2. Reihe in der Mitte. Ganz nach meinem Geschmack. NICHT. Wir begrüßen uns, indem wir ein Küsschen auf der Wange der Anderen andeuten, welches aber eher in die Luft vor den Ohren landet. Was meinst du, zählt das als halbe Umarmung? 😉 – Eine halbe Umarmung.
Abends bin ich noch mit Freunden in einer dieser hippen Kreuzberger Bars verabredet. Den Mädels drücke ich zur Begrüßung jeweils einen Schmatzer auf die Wange. Keine Umarmung 61 bis 65.
Die „Jungs“ schwingen lässig einen ihrer muskulösen Arme von oben um mich und drücken mich flüchtig an ihre Seite. Meinen späteren Recherchen zu Folge gelten diese Begrüßungen wenigstens als sogenannte „shoulder hugs“. Ich zähle also hier 4 Umarmungen.

Die Bilanz meines Zählexperiments fällt also mit 4,5 Umarmungen recht spärlich aus.

4 – 8 – 12 – die magischen Zahlen der Umarmungen

Nach Familientherapeutin Virginia Satir „brauchen [wir] vier Umarmungen am Tag, um zu überleben, acht Umarmungen, um stabil zu bleiben und zwölf, um uns weiterentwickeln zu können.“ Puh, da habe ich ja noch mal Glück gehabt 😉

Aber mal Spaß beiseite. Natürlich werden wir nicht augenblicklich an Umarmungsmangel sterben. Allerdings sind die positiven Auswirkungen auf Körper und Seele dieses Herzenskontakts nicht zu unterschätzen.

Bei Umarmungen wird beispielsweise die Produktion der Hormone Prolaktin und Oxytocin (auch Kuschel-Hormon genannt) in unserer Hypophyse angeregt. Dies senkt unseren Cortisol-Spiegel. Cortisol ist das körpereigene Stress-Hormon. Somit wird unter anderem unser Blutdruck reduziert sowie eine vorbeugende Wirkung gegen Depressionen erzeugt.

Weiterhin schüttet das Gehirn Dopamin, Endorphin und Serotonin aus – DIE Glücklichmacher unseres Körpers. Sie wirken schmerzlindernd, hellen sofort die Stimmung auf und können sogar langfristig Depressionen vorbeugen. Kuscheln macht also glücklich.

Gleichzeitig wird beim Umarmen das Immunsystem gestärkt. Durch den sanften Druck auf das Brustbein und die emotionale Energetisierung wird unser Sonnengeflecht stimuliert. Dadurch wird die Thymusdrüse angeregt, welche für die Balance und Regulierung der weißen Blutkörperchen – unserer Immunabwehr – zuständig ist.

Umarmungen: gesund, vegan, BIO, natürlich süß und enthalten niemals Spuren von Müssen.

Aber am allerschönsten ist wohl das wohlig warme Gefühl, welches eine ehrliche Umarmung erzeugen kann. Als würden die Seelen die gleiche Schwingung einnehmen. Die Herzen wie Magneten miteinander kommunizieren

Diese Umarmungen, wenn wir in Gedanken wirklich bei diesem Menschen sind. Wenn wir wirklich im Moment sind. Im Hier und Jetzt. Wenn wir uns (in die Arme) fallen lassen. Loslassen. Uns aufeinander einlassen. Einander vertrauen. Uns öffnen. Uns verletzbar zeigen. Jemanden an uns heran lassen. Jemandem wirklich nah sind. Verbundenheit fühlen. Die Essenz des anderen spüren. Seine Liebe einatmen. Wenn wir uns bewusst füreinander Zeit nehmen. Und unserem Gegenüber das Kostbarste und Rarste schenken, was wir besitzen – Lebenszeit, Herzensmomente, einige gemeinsame Atemzüge – unseren Strom des Lebens.

„Wenn ich gewusst hätte, dass dies das letzte Mal sein würde, an dem ich dich aus der Tür gehen sehe, dann hätte ich dich umarmt, dich geküsst und dich zurückgerufen, um dich noch mehr zu umarmen.“

Gabriel García Márquez

Eine Umarmung ist eine Geste der Wertschätzung, des Respekts und der Aufrichtigkeit. Sie öffnet unser Herz. Und durch das bewusste Innehalten erden wir uns.

All diese positiven Effekte betrachtend, ist es umso erschreckender, dass es mittlerweile in den USA auch sogenannte „No hugging“-Schulen gibt, die aus Angst vor Gewalt ihren Schülern untereinander alle Gesten der Zuneigung z. B. das Umarmen verbieten. Teilweise sind auch Berührungen zwischen Eltern und Kindern untersagt.

Erfüllst du den Raum mit Liebe, bleibt kein Platz für Angst.

Deshalb rufe ich dich auf. Trau dich. Öffne dein Herz. Verschenke Liebe.

Oder wie es David Ma singen würde: „Spread your love.“

David Ma gibt übrigens regelmäßig Konzerte bei Yoga Vidya.

Denn Liebe wird mehr, wenn wir sie teilen. Und immer, wenn unser Leben mit Liebe erfüllt ist, wir Liebe in jeder Situation entdecken und annehmen können, sind wir mit dem Göttlichen verbunden. Dann sind wir auf dem richtigen spirituellen Weg.

Mache jeden Tag außergewöhnlich. Spende deine Energie und du wirst so viel mehr zurückerhalten, als du dir jemals erträumen kannst. Anderen etwas Gutes tun, heißt, auch dir etwas Gutes zu tun. Das ist Karma Yoga.

Also geh los und umarme! Drücke! Liebkose! Lasse dich fallen und spüre! Versuche doch mal den sogenannten Gorilla-, oder auch Bear-Hug. Dazu schlingst du beide Arme um eine Person und hältst Ganzkörperkontakt. Tue es so oft und intensiv, wie du kannst.

Und zu meinen täglichen Umarmungen:
Gut! Zugegeben, eventuell würden mich die 55 fremden Menschen am Bahnsteig und die Verkäuferin verwirrt anschauen, wenn ich sie alle umarmen wollen würde. Aber das muss ja auch nicht sein. Ob, wie, wie lange und wie intensiv gedrückt wird, sollte immerhin sensibel auf Augenhöhe abgestimmt werden. Wir sollten die Anderen nicht überfallen, erdrücken, einsperren oder unter Druck setzen.

Durch das Bewusstsein, wen ich jeden Tag treffe, wer mir wichtig ist und wie gut sich eine Umarmung anfühlt, achte ich auf die Gesten der Wertschätzung. Ein bewusster Blick. Ein ehrlich gemeintes Lächeln. Und ist einer meiner Lieben offensichtlich unter-umarmt, packe ich die Gelegenheit beim Schopfe für eine innige Umarmung. Denn life is short and YOLO, so i spend love.

Erzähl uns doch im Kommentar, wie viele Menschen du heute schon bewusst umarmt hast. Was hat es in dir bewirkt?

Stefanie praktiziert seit 11 Jahren Hatha Yoga. Bis jetzt suchte sie allerdings die Antworten auf ihre innersten Fragen und Sehnsüchte zwischen Karriereleiter, Großstadt-Dschungel und Reisefieber. Erst im Sommer 2017 entdeckte sie die Vorahnung ihres persönlichen Glücksrezeptes auf ihrer Matte – in ihrem Herzen. Diese neuentfachte Inspiration und Hingabe für das Leben sowie ihre neue Reise – zu sich selbst – teilt sie mit uns in ihren Texten.

» Hier findest du weitere Artikel von Stefanie im Yoga Vidya Blog

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