Interview mit Henning aus der 2jg. Yogalehrerausbildung

Henning ist Teilnehmer der 2-jährigen Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Im Interview erzählt er uns etwas darüber, wie er zum Yoga gekommen ist und welche Erfahrungen er bisher in der Yogalehrerausbildung machen konnte. 

Yoga Vidya: Hallo Henning, danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast, um uns ein paar Fragen zu beantworten. Du nimmst nun seit Januar 2015 an der 2-jährigen Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya Bad Meinberg teil. Das ist also etwas über ein Jahr. Geleitet wird die Ausbildung vom erfahrenen Yogalehrer, Ausbilder, Meditationskursleiter und Körpertherapeuten Tenzin Leickert. Eine 2-jährige Yogalehrer-Ausbildung findet zu Beginn jeden Jahres in vielen der Yoga Vidya Stadtzentren sowie in unseren Yoga Vidya Ashrams statt. Da du in der Nähe des Ashrams wohnst, hast du dich dafür entschlossen, die Ausbildung im Yoga-Ausbildungszentrum in Bad Meinberg zu absolvieren. Bevor du uns nun ein paar Fragen zur Ausbildung beantwortest, stelle dich doch bitte in einigen Sätzen kurz vor.

Henning: Mein Name ist Henning, ich bin 47 Jahre alt. Ich bin Vater von zwei Kindern – Phil (18 Jahre) und Liz (14 Jahre). Von der Ausbildung her bin ich Technischer Betriebswirt und gelernter Tischler.

Seit wann praktizierst du Yoga? Wie bist du mit Yoga in Kontakt gekommen?

Henning: Im Juni 2016 werden es vier Jahre sein, dass ich mit Yoga in Kontakt gekommen bin. Als erstes habe ich hier in Bad Meinberg einen Yoga Abendkurs mitgemacht. Der Yogakurs fand 1x wöchentlich statt, über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten. Nach Abschluss des ersten Kurses bin ich dann zu einem anderen laufenden Abendkurs gewechselt, der schon seit mehreren Jahren in Bad Meinberg Bestand hatte. Dort habe ich ein weiteres Jahr regelmäßig Yoga praktiziert. Zudem war ich auch öfters in offenen Yogastunden. Irgendwann reichte mir das nicht mehr, weil ich ein bisschen weiterkommen wollte und ich habe mich informiert, was es für Angebote gibt. Beim Tag der offen Tür in Bad Meinberg habe ich mich schließlich über die verschiedenen Yogalehrerausbildungen informiert. Empfohlen wurde mir damals die Yogalehrerausbildung 4 Wochen Intensiv.

Henning steht Kopf - ShirshasanaIm Nachhinein bin ich froh, dass ich mir die zweijährige Yogalehrerausbildung ausgesucht habe. Ich finde es gut, dass der zeitliche Ablauf nicht so komprimiert ist wie bei der vierwöchigen Ausbildung am Stück, weil sich das bei mir eben auch mit dem Beruflichen vereinbaren lassen muss. Durch den längeren Zeitraum empfinde ich die Ausbildung angenehm intensiv und ich kann Yoga gut in meinen Alltag integrieren. Bei der vierwöchigen Yogalehrerausbildung stelle ich es mir so vor, dass man für vier Wochen vom einen Leben in ein neues Leben hineinversetzt wird und dann sozusagen als „neuer Mensch“ in sein altes Leben zurückkommt – das stelle ich mir für mich selbst eher schwierig vor. Die 2-jährige Ausbildung ist für mich perfekt, weil ich so das Gelernte langfristiger und besser in meinen Alltag integrieren kann. Für mich ist es so, dass der Aufenthalt hier im Ashram und das „normale Alltagsleben“ zwei unterschiedliche Welten sind. Teil der zweijährigen Ausbildung sind ja auch mehrere Intensiv-Wochenenden hier im Ashram. Dann merke ich, dass man sich im Seminarhaus erstmal einleben muss. Nach dem dreitägigen Intensivwochenende muss man dann wieder im „normalen“ Leben ankommen. Das Umfeld und die Umstände sind in beiden Fällen doch recht unterschiedlich.

Wie du erwähnt hast, bist du auf Yoga Vidya also durch einen Abendkurs aufmerksam geworden?

Henning: Ja, wobei ich tatsächlich das erste Mal über das Internet von Yoga Vidya erfahren habe. Dann hatte meine damalige Freundin noch zufällig gemeint: „Da war ich schon mal“. Sie hatte nämlich bei Yoga Vidya auch einen Kurs mitgemacht. Damals hatte ich mich sogar dafür interessiert, für ein Seminar in ein buddhistisches Kloster am Bodensee zu gehen. Und so habe ich durch Zufall erfahren, dass es sozusagen direkt vor meiner Haustür einen Yoga-Ashram gibt. Das ist irgendwie typisch: Das Naheliegende nimmt man oft nicht wahr und man denkt „Es muss weit weg sein, dann ist es gut“. Der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Land. Aber schließlich habe ich ja doch von Yoga Vidya Bad Meinberg erfahren und mich dort für einen Yogakurs angemeldet.

Was speziell hat dich motiviert, an dieser (längerfristigen) Yogalehrerausbildung teilzunehmen?

Henning: Neben der zweijährigen und der vierwöchigen Yogalehrerausbildung gibt es ja auch noch die 3-jährige Yogalehrerasubildung. Bei der 2-jährigen Ausbildung finde ich es schön, dass die Unterrichtsstunden 1x in der Woche Abends stattfinden und man dadurch einen beständigen Rhythmus hat. Dazu kommen dann noch weitere Highlights, mehrere Intensivwochenenden im Jahr, die das ganze abrunden. Diese Kombination finde ich angemessen und überzeugend.

Manchmal merke ich, dass meine Motivation während der Woche abnimmt – nach dem wöchentlichen Ausbildungs-Abend ist die Motivation wieder hoch. Ich finde es schön, dass man jede Woche neue Motivation bekommt. Zusätzlich nehme ich noch an anderen offenen Yogastunden in der Woche teil, aber nicht immer regelmäßig, weil es da für mich keinen festen Rhythmus gibt. Es muss sich ja irgendwie auch mit dem beruflichen Alltag vereinbaren lassen. Der feststehende Ausbildungs-Termin 1x in der Woche ist auf jeden Fall ein Anker und eine gute regelmäßige Stütze. Ich würde anderen aber zusätzlich zum wöchentlichen Termin auch noch weitere Yoga-Praxis zuhause empfehlen. Und: Es gibt in unserer Ausbildungsgruppe einen spürbar positiven Effekt, weil sich nach und nach untereinander ein gewisses Vertrauen entwickelt hat, wodurch die Gruppe zusammengewachsen ist.

Bhujangasana - Henning hält genussvoll die Stellung

Wie nimmst du den praktischen & theoretischen Unterricht deiner Ausbildung wahr?

Henning: Den praktischen Teil finde ich super strukturiert, weil alles gut aufeinander aufbaut. So geht es immer Schritt für Schritt weiter. Manche Teilnehmer der Ausbildung hatten anfänglich keine oder kaum Vorkenntnisse. Ich selbst hatte zwar etwas Yoga-Erfahrung, fand die Auffrischung am Anfang aber sehr hilfreich. So kommt man allmählich weiter und der Unterricht steigert sich angemessen in Umfang und Intensität. Den ganzen Aufbau finde ich klasse. Der theoretische Teil ist zugegebener Maßen sehr umfangreich. Eine Stunde pro Woche für die Theorie ist schon recht knapp bemessen, denn es werden viele neue und vielschichtige Themen angesprochen. Bisher habe ich begleitend zum wöchentlichen Unterricht zuhause nicht so viel vor- oder nachgearbeitet. Wenn man das nicht macht, dann ist das schon eine große Nummer. In meiner Hatha Yoga-Praxis bin ich ja recht regelmäßig, und die begleitende Literatur zum theoretischen Teil habe ich teilweise auch gelesen, aber wenn ich sehe welches Wissen bei der Prüfung abgefragt wird, dann merke ich eben, dass es schon ziemlich anspruchsvoll ist. Im zweiten Jahr wird zwar einiges an Theorie wiederholt, aber da ist eine Stunde in der Woche verhältnismäßig wenig. Dann muss man für sich selber was machen oder es kommen vielleicht sogar Lerngruppen zustande. Es ist zwar viel Stoff, aber ich finde das auch toll. Jede Woche behandeln wir neue Themen, die ich alle höchst spannend finde – z.B. Anatomie, Philosophie oder Gedanken zu Leben, Tod, Ethik und so weiter. Es werden immer neue Aspekte angesprochen. Wenn es keine Prüfung gäbe wäre es bestimmt noch etwas entspannter, aber weil man vieles später bei der Abschlussprüfung parat haben sollte, darf man den theoretischen Teil auch nicht unterschätzen.

Was gefällt dir besonders gut an der Ausbildung? Hast du spezielle Schwerpunkte/Vorlieben?

Henning: Was ich besonders schöne finde ist, dass beim integralen Yoga im Grunde genommen jeder seinen eigenen Schwerpunkt herausarbeiten kann. Deswegen bin ich froh, dass ich hier bei Yoga Vidya gelandet bin. Was ich festgestellt habe ist, dass meine Interessen bzw. Leidenschaften im Moment sehr zum Hatha Yoga und zum Bhakti Yoga tendieren, was ich vorher so nicht erwartet hätte. Wie bereits erwähnt, hatte ich mal die Absicht, ein Seminar in einem buddhistischen Kloster mitzumachen, vielleicht sogar am ehesten aus einer philosophischen Motivation heraus. Aber das Praktische liegt mir momentan ganz besonders, auch in Kombination mit der Herzensöffnung über den Bhakti Yoga und durch das Mantrasingen. Der philosophische Teil interessiert mich auch. Ich bin interessiert an verschiedenen Aspekten des Lebens und die begleitenden Bücher zum Unterricht finde ich allesamt spannend. Trotzdem spüre ich noch keinen vollständigen Bezug dazu. Von daher finde ich es super, dass die Yogalehrerausbildung durch den integralen Yoga einfach besonders umfassend ist und die Ausbildung nicht nur von einem einzigen Schwerpunkt bestimmt wird, sondern stattdessen eher vielfältig ist.

Wie möchtest du Yoga am liebsten an andere Menschen weitergeben? Hast du schon konkrete Pläne für die Zukunft und spielt Yoga darin eine Rolle? 

Henning: Ich habe zwar Ideen, möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht festlegen. Bei der Yogalehrerausbildung genieße ich es besonders, dass keine beruflichen Erwartungen daran hängen. Meine bisherigen Ausbildungen waren immer stark am Beruflichen ausgerichtet. Vielleicht kommt ja gar nichts konkretes zustande und die Ausbildung ist einfach nur für mich. Das ist ein schöner Gedanke. Die Ausbildung bringt mich auf jeden Fall persönlich weiter. Um Yoga selbst zu unterrichten würde ich mir aber wünschen, dass ich einen gewissen Standard erreiche, durch den sich eine grundlegende Sicherheit einstellt – vergleichbar mit Fahrradfahren, das – einmal beherrscht – jederzeit wieder abgerufen werden kann. Spezielle Ziele möchte ich mir im Augenblick nicht stecken.

Gibt es etwas, das dir hier bei Yoga Vidya (oder auch in der Ausbildung) besonders gut gefällt; was weniger?

Henning: Also einen Vergleich zu anderen Yogaausbildungen habe ich natürlich nicht. Aber mit Yoga Vidya Bad Meinberg hat man das größte Yogaausbildungszentrum Europas direkt vor der Tür. Man kann jeden Tag aus unterschiedlichen Yogastunden die passende für sich auswählen. Besser kann es nicht sein. Man kann sogar morgens ab 06.00 Uhr zum fortgeschrittenen Pranayama gehen. Das Angebot ist sehr vielfältig und ich empfinde es als ein großes Geschenk. Bei dem breiten Angebot an Yogastunden findet man immer das Richtige – deswegen gibt es nichts falsches. Ironisch könnte man vielleicht sagen, dass Angebot sei ZU groß und die Entscheidung fällt einem deswegen so schwer, ob ich nun in die Mantrayogastunde, in die Mittelstufenstunde, in die Fordernde oder in eine der zahlreichen anderen Yogastunden. Aber ich finde das Angebot einmalig gut.

Gibt es etwas von dem du sagst, man könnte es verbessern?

Henning: Mir fällt nichts ein. Im Yoga geht es eben auch darum, die Dinge so annehmen zu können, wie sie sind. Das ist eine hilfreiche Einstellung. Diese Ansicht war zwar schon vorher bei mir relativ stark ausgeprägt, hat sich durch das Yoga aber noch verstärkt. Ich finde es gut, Gelassenheit zu haben und zu wissen, dass es in Ordnung ist, so wie es ist. Das bekomme ich zwar nicht immer hin, aber durch das Yoga bedeutend öfter als früher.

Bist du Veganerin oder Vegetarierin?

Henning: Ich bin Vegetarier. Durch das Yoga hat es sich so ergeben. Ich hatte mir das schwieriger vorgestellt. Im Vorfeld habe ich mir die Bedingungen zur Ausbildung durchgelesen, und dort steht, dass man als Teilnehmer im zweiten Jahr u.a. auf Fleisch und Fisch verzichten sollte. Und genau so habe ich es gemacht. Ich bin da sehr gewissenhaft. Es wird nicht kontrolliert, aber ich weiß ja schließlich, worauf ich mich eingelassen habe – und dann mache ich das auch so. Anfänglich hatte ich so meine Bedenken, weil ich gerne Fleisch gegessen habe. Im ersten Ausbildungsjahr hat unser Ausbilder Tenzin dann irgendwann vorgeschlagen, dass wir die vegetarische Ernährung mal für zwei Wochen ausprobieren könnten. Das fiel mir zum damaligen Zeitpunkt echt schwer. Aber jetzt im zweiten Jahr mache ich das konsequent, und ich stelle fest, dass es mir sogar relativ leicht fällt. Der Wunsch nach Fleisch ist selten präsent. Tageweise kommt das schon mal vor, aber nicht permanent. Man muss sich eben auch ein bisschen mit dem Thema beschäftigen, was ich vorher zugegebenermaßen nicht gemacht hatte. Es gibt auch gute Alternativen und Ersatzprodukte für Fleisch. Irgendwann fällt das dann gar nicht mehr so stark ins Gewicht. Solche Dinge mache ich mir gerne einfach: Wenn ich es einmal entschieden habe, dann ist das fest. Das muss ich dann nicht jeden Tag auf’s Neue entscheiden.

Hast du ein yogisches Motto /eine Lebensphilosophie?

Henning: Ein Motto, das ich besonders schön finde, lautet: „Gib jedem Tag die Chance, der schönste Tag deines Lebens zu sein.“

Gibt es sonst noch etwas, das du uns gerne sagen möchtest?

Henning: Ich finde, das Motto ist ein schöner Schlusssatz. Vielen Dank.

Lieber Henning, herzlichen Dank für deine klaren Antworten und danke für dir Zeit, die du dir genommen hast. Für den weiteren Verlauf deiner Yogalehrerausbildung wünschen wir dir weiterhin viel Freude, Inspiration und viel positiven Erfolg. Für deine Zukunft alles Gute und den Segen der Meister. 

Om Shanti

Henning_Kobra

Bist du auch interessiert an einer Yogalehrerausbildung? 

 

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