Kinderyoga im Vergleich zu Erwachsenenyoga

Auf dem Kinderyoga Kongress vom 6.-8. März 2015 hielt Sukadev eine Rede über Kinderyoga im Vergleich zum Erwachsenenyoga. Er sprach über Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ursprünge des Kinderyoga. Yogaübungen für Kinder sind keineswegs eine moderne Erscheinung – es gibt Kinderyoga im traditionellen Indien schon seit Jahrhunderten. Beim unterrichten von Kinderyoga gibt es aber einige Besonderheiten, die ein Yogalehrer beachen sollte um Kinder in angemessener Weise zu fordern und ihnen die Freude am Yoga zu vermitteln.

 Kinderyoga gibt es schon lange – im alten Indien gehörte Yoga zum Gurukula Konzept, d.h. Kinder sind mit Hatha Yoga aufgewachsen. Kinderyoga in Deutschland gibt es seit den 1970er Jahren Sabina Pilguj hat erzählt, wie sie mit einem Kinderyoga Buch von Karin Zebroff mit Yoga begonnen hat. 1980 habe ich mit Hatha Yoga begonnen – im Yoga Zentrum gab es schon Kinderyoga Kurse seit den 1970er Jahren.

Swami Vishnu-devananda veranstaltete seit Anfang der 1970er Jahre International Kids Camps – 40-80 Kinder waren 1 Monat im Ashram, in Armeezelten, haben Yoga geübt, meditiert, Mantras gesungen, gespielt, Wald kennen gelernt. Unter Anleitung einer Pädagogik Professorin, die viele Yogalehrer und „Councelours“ aus aller Welt zu Kinderyogalehrern geschult hat, und diese haben dann in ihren Heimatorten Kinderyoga unterrichtet.

Kinderyoga und Erwachsenenyoga, Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Aus meiner Sicht ist im Kinderyoga sicherlich die Vielfalt ein wichtiges Charakteristikum. Die wichtigsten Grundsätze sind bei Kinder- und Erwachsenenyoga natürlich gleich:

Grundsätze des Kinderyoga bei Yoga Vidya

  • Eine Yogastunde besteht aus Körperstellungen, Atemübungen, Tiefenentspannung, eventuell Meditation; aufbauend auf einer Grundreihe, der Yoga Vidya Grundreihe
  • Mindestens einige Stellungen werden gehalten
  • Konzentration, Entspannung, Atmung während der ganzen Stunde
  • Wirkungen auf körperlicher, energetisch-feinstofflicher, emotioneller, geistiger und spiritueller Ebene
  • Erwecken der Körperintelligenz, des Bauchgefühls, der somatischen Intelligenz: Menschen lernen auf ihren Körper zu hören, spüren, was ihnen gut tut. Auch Kinder können ihre Variation finden – und spüren, was ihnen besonders gut tut.
  • Yogalehrer unterrichtet mit
    • Stimme
    • Händen und Füßen (körperliche Korrekturen und Hilfestellungen)
    • Übertragung von Prana
  • Einstellung des Lehrers: Liebe zu den Schülern und der göttlichen Kraft, das Gefühl, Instrument sein.

 Besonderheiten beim Kinderyoga

Über Kinderyoga zu sprechen ist nicht so einfach, weil sich inzwischen so viel im Kinderyoga getan hat. Grundsätzlich gibt es 2 Arten, Kinderyoga zu unterrichten:

– spielerisch und mit anderen Elementen verbunden (Klangschalen, Musik, erzählen, Austoben lassen, Trommeln, Massage, Tanzen, Bewegungsspiele etc.). In dieser Art spielerischem Yoga werden oft die diversesten Elemente miteinander verbunden

– Reines Hatha Yoga: Yoga Übungen so unterrichten, dass Kinder richtig Spaß dabei haben und merken, es tut ihnen so richtig gut

Hier ein paar Besonderheiten aus meiner Sicht:

  • Kinder brauchen etwas mehr Abwechslung als Erwachsene bei den Asanas
  • Kinder können die Asanas nicht so lange halten
  • Kinder können die Augen nicht so lange geschlossen halten
  • Kinder sind flexibler als Erwachsene und machen recht schnell gute Fortschritte
  • Ein klein wenig sportlicher Ehrgeiz kann beim Kinderyoga durchaus hilfreich sein
  • Worte des Lobs ist bei Kindern immer wieder angebracht
  • Hilfestellungen müssen einfühlsam sein, sollten aber nicht übertrieben werden. Es muss immer darauf geachtet werden, dass die Hilfestellungen vom Kind wirklich als hilfreich angesehen werden
  • Kinder lieben es nachzuahmen. Es ist hilfreich, wenn der Kinderyogalehrer, die Kinderyogalehrerin, die Asanas auch vormachen kann. Oft ist es aber besser, ein Kind herauszugreifen und dieses Kind die neue Asana vormachen zu lassen, dann können die anderen Kinder nachmachen
  • Es ist gut, auch über die Wirkungen der Asanas zu sprechen. Dabei sollte man aber die Lebenswelt der Kinder beachten. Abstrakte Begriffe wie Stärkung der mentalen Leistungsfähigkeit oder Prävention von Krankheiten, Stärkung des Immunsystems sind (nicht nur für Kinder) zu abstrakt. Andere Ansagen passen da besser: Wenn du den Drehsitz übst, kannst du dir den Schulstoff besser merken. Wenn du die Tiefenentspannung regelmäßig übst, kannst du besser schlafen, brauchst du kein Kopfweh zu bekommen. Wenn du die Wechselatmung übst, wirst du weniger Erkältung bekommen. Wenn du die Schnellatmung übst, hast du einen klareren Kopf und kannst dir Sachen besser merken
  • Man kann Yogastunden unter das Thema einer Geschichte stellen. Man sollte es aber nicht übertreiben und aufpassen, dass das Thema dem Alter des Kindes angemessen ist. Manchmal neigen Yogalehrende, die ansonsten nicht so viel Kontakt mit Kindern haben, dazu die erzählten Geschichten etwas zu kindlich zu erzählen und gelten dann gerade für ältere Kinder als uncool und out.
  • Kinder können sehr wohl auch anspruchsvollen Yoga Unterricht vertragen. Kinder wollen aber nicht gelangweilt werden.
  • In den Anfangszeiten des Kinderyoga war es üblich, alle möglichen Übungen als für Kinder ungeeignet zu halten. Man sollte sich aber bewusst machen, was Kinder in der Grundschule schon im Gymnastikuntericht lernen, was Kinder so alles machen, wenn sie ins Ballett gehen, wenn sie Tennis spielen, im Schwimmbad um die Wette schwimmen, tauchen oder für die Bundesjugendspiele trainieren. Kinder lieben es, auch ihre sportliche Leistungsfähigkeit zu trainieren und auszubauen. De facto eignen sich alle Erwachsenenyoga Übungen für Kinder insoweit, wie die Kinder sie machen wollen.

Durch diese Unterschiede zum Erwachsenenyoga macht Kinderyoga den Kindern Spaß – ist aber eine Herausforderung für den Kinderyogalehrer/in. Ein/e Kinderyogalehrer/in muss allerdings aufpassen, nicht nur seine/ihre „Kreativität“ ausleben zu wollen – letztlich wollen die Kinder Struktur, Verlässlichkeit, einen „ritualisierten“, also verlässlichen Ablauf einer Kinderyoga Stunde.

Und ich meine, auch Erwachsenenyogalehrer profitieren sehr davon, mal Kinderyoga zu unterrichten: Sie lernen, noch präsenter zu sein, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu fesseln, mehr im Moment zu sein und aus dem Moment heraus zu unterrichten.

Die Kinder von heute sind unsere Zukunft – durch Yoga werden tiefe, intuitiv erlebte Werte vermittelt. Hoffen wir, dass Kinderyoga einen Beitrag leisten kann, dass die nächste und übernächste Generation verantwortungsbewusster mit diesem Planeten als meine Generation und die Generation unserer Eltern.

Mehr über Kinderyoga kannst du in unserem Kinderyoga Portal erfahren  – Kinderyoga Übungen, Kinderyoga Musterstunden, aktuelles über Kinderyoga bei Yoga Vidya uvm.

Der nächste Yoga Vidya Kinderyoga Kongress wird vom 24.-26. März 2017 bei Yoga Vidya statt finden. Wir freuen uns über viele Besucher!

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