Regionale Lebensmittel bei Yoga Vidya Bad Meinberg

Bio-zertifiziert, vegan und mit vegetarischen Beilagen ist das Essen bei Yoga Vidya Bad Meinberg schon seit vielen Jahren. Nun haben wir die Möglichkeit, unser Obst und Gemüse auch regional bei „Kiels Sonnengarten“ aus Ottenstein zu beziehen. In bester Demeter-Qualität.

Im Mai fand ein Ausflug des Küchen-Teams von Yoga Vidya Bad Meinberg zu dem nahegelegenen Demeter-Bauernhof „Kiels Sonnengarten“ statt. Anlass des Ausflugs war, dass unsere Küchenmitarbeiter genau erfahren sollen, woher das Obst und Gemüse für das vegane Buffet bei Yoga Vidya Bad Meinberg kommt. Wer weiß, woher seine Zutaten kommen, entwickelt ein noch besseres Gefühl dafür, wie hochwertig und liebevoll die Lebensmittel erzeugt wurden. Mit diesen Zutaten können wir noch hochwertiger und liebevoller für unsere Gäste und Sevaka kochen.

Empfangen wurden wir von Gerd Kiel, dem Eigentümer von „Kiels Sonnengarten“. Gerd übernahm den Bauernhof im Jahr 1972 von seinen Eltern. Sie führten den Hof konventionell und mit Tierhaltung. Gerd merkte aber schon früh, dass sein Herz eher für Pflanzen schlägt. Seine Eltern versuchten ihn noch zu überzeugen, indem sie ihm einen großen, neuen Viehstall bauten, der aber letztendlich nicht lange genutzt wurde. Die Liebe zu den Pflanzen war größer.

Im Jahr 1990 wurden die letzten Tiere endgültig abgeschafft, 1996 wurde der gesamte landwirtschaftliche Betrieb auf BIO umgestellt. Dieser Umstellung war ein jahrelanger, schmerzhafter Prozess voran gegangen, die Unterstützung in seinem Umfeld war gering. Gerd erinnert sich noch gut daran, wie schwer es ihm selbst fiel. Heute ist das viel selbstverständlicher. Aber in der Zeit der Umstellung war der „mind“, der Geist, für Bio-Landwirtschaft noch nicht so stark ausgeprägt.

Das Ergebnis dieser arbeitsintensiven und auch schmerzvollen Umstellung sieht heute folgendermaßen aus: Aus dem Bio-Bauernhof wurde bald ein Demeter-Bauernhof. Insgesamt bewirtschaftet Gerd heute 99 Hektar Land, das entspricht in etwa 140 Fußballplätzen. Davon werden auf 83 Hektar Getreide und Ölsaaten (vor allem Raps) angebaut. Auf 2000 qm wächst Gemüse, direkt auf dem Hof befindet sich ein 1200 qm großes Gewächshaus und es entstehen gerade 5 Hektar Obstwiesen.

Bei einem Rundgang durch sein Gewächshaus konnten wir eine Vielzahl an Gemüse, Kräutern, Salaten und Obst sehen. Die Qualität des Gewächshauses zeigt sich dadurch, dass die dort in der 2. Ebene wachsenden Trauben ca. 4-6 Wochen weiter sind, als in den deutschen Traubenanbaugebieten an der Mosel. Am weitesten im Wachstum sind derzeit die vielen Kräuter wie Zitronenverbene, mehrere verschiedenen Sorten Salbei, Salate und auch Blüten wie Malve.

Besonders interessant war ein kleines Ratespiel: 
Gerd gab uns verschiedene Sorten Salbei. Wir sollten herausschmecken, welcher Geschmack in dem jeweiligen Salbeiblatt bestimmend ist. Den Lakritzsalbei erkannten wir sofort, bei dem Ananassalbei war es schon etwas schwieriger.

16 Mona

Gerd erklärte uns, dass es verschiedene Pflanzen gibt, die über viele Generationen in einem Umfeld von anderen Pflanzen wuchsen, und deren Aroma und Duft übernommen haben. So geschehen bei diesen Sorten Salbei. Häufig ist dieses Phänomen auch bei Geranien zu beobachten.

Zwischen den Pflanzen fanden wir immer wieder Gläser mit Schraubverschluss. Diese Gläser enthalten biologisch-dynamische Demeter-Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist, die für die Landwirtschaft nach Demeter-Richtlinien unverzichtbar sind.

Immer wieder spannend war es, sich irgendwelche Blätter in den Mund zu schieben und zu raten, was das nun sein könnte. Sorgen über irgendwelche giftigen Pflanzen musste man sich dort natürlich nicht machen. Schließlich befanden wir uns in einem Gewächshaus, in dem nach Bio-Richtlinien Pflanzen für den menschlichen Verzehr aufgezogen werden. Dabei fiel uns auf, wie sehr wir uns von den essbaren Pflanzen entfernt haben, die überall um uns herum wachsen. Schließlich spricht man davon, dass es in Deutschland ca. 4000 essbare Pflanzen gibt. Es ist lediglich das Wissen dazu verloren gegangen, um welche es sich dabei genau handelt. Dieses Wissen wird gerade wieder entdeckt. Nicht nur in unseren Kochkursen, sondern natürlich auch auf unseren Wanderungen kannst du dich wieder mit der Natur verbinden.

Nach dem Rundgang durch das Gewächshaus sind wir raus auf das große Feld direkt am Hof. Auf einem Teil davon zieht Gerd gerade Apfelbaum-Wildlinge, die später veredelt werden. Die Besonderheit an dem großen Feld hinter dem Gewächshaus ist allerdings der Hafer. Bei dem Hafer handelt es sich genauer gesagt um Nackt-Hafer, der in der konventionellen Landwirtschaft ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Dabei bietet Nackt-Hafer einen viel größeren Gehalt an Fett- und Bitterstoffen. Und vor allem ist der Nackt-Hafer glutenfrei. Gerade der Anbau des Nackt-Hafers nach Demeter-Richtlinien trieb Gerd fast zur Verzweiflung, ließ seine alten Glaubenssätze zur Landwirtschaft beben. „Es hat viele Jahre gedauert bis ich akzeptieren konnte, dass zwischen dem Hafer alles mögliche andere wächst. Immer wieder musste ich mich zurückhalten, um nicht die anderen Kräuter und Gräser zwischen dem Hafer zu entfernen.“ Der Anbau nach Demeter-Richtlinien sieht eben vor, dass im Umfeld der Hauptpflanze auch andere Pflanzen wachsen dürfen. Die Pflanze, von der man sich Ertrag erhofft, muss dominant werden, aber ohne Eingriffe von außen in Form vor „Unkrautentfernung“ jeglicher Art. Die vielen Kräuter zwischen der „eigentlichen“ Nutzpflanze wirken schließlich nicht nur auf die Gesundheit der Nutzpflanzen, sondern auch auf deren Geschmack aus. Zu diesen besonderen und seltenen Pflanzen gehören unter anderem Acker-Haftdolde, Gewöhnlicher Erdrauch, Echte Kamille, Stinkende Hundskamille, Acker-Wachtelweizen, Acker-Zahntrost und Klatschmohn. Sogar Kräuter, die auf der Roten Liste für gefährdete Arten geführt sind, finden sich auf Gerds Feldern, wie z.B. Gefurchter Feldsalat, Gezähmter Feldsalat und die Kornblume.

39 Haferfeld

Nach dem Rundgang trafen wir uns alle noch im Sonnengarten. Der ist Café und Hofladen gleichzeitig. Hier verwöhnte uns das Team von Gerd mit selbstgebackenem Kuchen, heißem Tee und Kaffee. Die meisten Zutaten stammen vom Hof selbst. Dabei blieb noch etwas Zeit für die alles entscheidende Frage.

„Wie siehst du dich im Vergleich zu den anderen Landwirten in der Region?“ 
Gerd sagt, er führt ein erfülltes Leben. Dies resultiert vor allem aus dem persönlichen Bezug, den er zum Land, zur Erde und zu den Pflanzen hat. Es sei ein großer Unterschied, ob man den ganzen Tag auf einem Traktor mit Klimaanlage und MP3-Player im Ohr sitzt und seine Runden dreht oder ob man zwischen den Pflanzen steht und in wortwörtlicher Handarbeit die Pflanzen hegt und pflegt. Nicht zu vergessen, dass Gerd im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen keine großen Maschinen und Hallen angeschafft hat und täglich beten muss, dass die Subventionen der EU-Politik weiterhin so fließen, dass er seine Kredite bedienen kann. Und zu guter Letzt befindet sich Gerd nicht in der Abhängigkeit von Agrar-Händlern, die den Markt regieren. Das führt zu Gelassenheit und einem glücklicheren Leben.

Wir haben den Besuch auf dem Hof von Gerd Kiel sehr genossen und sehr viel gelernt. Wir freuen uns darauf, demnächst noch gesündere und regionalere Produkte auf dem Buffet von Yoga Vidya Bad Meinberg anbieten zu können. Halte bei deinem nächsten Besuch bei uns die Augen offen nach den kleinen Besonderheiten zwischen dem „regulären Angebot“. Die sind häufig von „Kiels Sonnengarten“. Zurzeit gibt es unter anderem hochwertiges Rapsöl von der Ottensteiner Hochebene im Weserbergland. Aber nicht nur das, auch Salatgurken, Tomaten, Fenchel, Auberginen, Romanesco, Rote Beete, Möhren, Kürbisse, Mangold und verschiedene Sorten Kohl bekommen wir aus Ottenstein. Weiterhin Roggen-, Weizen- und Dinkelmehl.

Wir wünschen Gerd und seinem Team ein weiterhin so geschicktes Handeln im Namen der gesunden Ernährung.

3 Kommentare zu “Regionale Lebensmittel bei Yoga Vidya Bad Meinberg

  1. Monika Martens

    Was fùr ein toller Bericht und Informationen. Danke fùrs Teilen 🙂

  2. namaste ihr lieben
    solche menschen haben seltenheitswert bekommen .dennoch mit hingabe+überzeugung findet man sie wieder . einfach gut das ihr jetzt mehr regionalität habt , immer einen schritt näher zum Glücklich SEIN.
    herzlichts von Pita Holzapfel Yoga +Imkerei Bienenstich im schönem Westerwald

  3. Danke, lieber Chandrashekara, für den informativen Artikel und die schönen Fotos, die die Stimmung ganz gut eingefangen haben, es war ein sehr lehrreicher Nachmittag mit Gerd. Ich bin sehr froh, dass wir einen so engagierten Bio Gemüseanbauer gefunden haben, ganz in unserer Nähe, der unsere hohen Ansprüche bestens erfüllt und unser Buffet auf so geschmackvolle Weise bereichert.

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