Vinyasa in der Yoga Vidya Grundreihe – geht das?

Was bedeutet Vinyasa und kann Vinyasa in die Yoga Vidya Grundreihe integriert werden? Das ist eine Frage, die viele Yoga SchülerInnen unserer Tradition beschäftigt und die in diesem Blogartikel beleuchtet werden soll. 

Was bedeutet Vinyasa?

Vinyasa bedeutet „auf eine bestimmte Weise aneinander gereiht“. Der Begriff stammt aus dem Ashtanga Yoga oder Ashtanga Vinyasa Yoga nach T. Krishnamacharya. Dabei werden die Asanas wie Perlen an einer Kette durch eine Bewegungsabfolge aus dem Sonnengruß miteinander verbunden.

Im klassischen Ashtanga Yoga gibt es zwei Möglichkeiten des Vinyasas. Das halbe Vinyasa verbindet zwei Asanas über Chaturanga (Stabstellung), Urdhva Muka Svanasana (heraufschauender Hund) und Ardo Muka Svanasana (herabschauender Hund). Beim vollen Vinyasa kommt man bis zu Samasthiti oder Tadasana zum Stehen.

Somit sind nicht nur die Asanas, sondern auch alle Bewegungen dazwischen vorgegeben. Dadurch wird die gesamte Yogapraxis zu einem einzigen Fluss. Dies wird durch Pranayama unterstützt. Während der gesamten Praxis wird Ujjayi Atmung praktiziert.

Pranayama während der Asana Praxis

Bei der Ujjayi Atmung wird die Luftröhre in der Kehle leicht verengt, so wie man es macht, wenn man gegen eine Fensterscheibe haucht, damit sie beschlägt. Durch dieses Verengen der Luftröhre entsteht bei der Atmung ein leiser Ton, der dem Meeresrauschen gleicht.

Beim Üben von Vinyasa werden Bewegung und Ujjayi Atmung miteinander synchronisiert. Während jeder Ein- und Ausatmung wird eine Bewegung ausgeführt. Die Ausnahme ist, wenn sich die übende Person in einem Asana befindet. Dieses kann für eine bestimmte Anzahl von Atemzügen gehalten werden, bis es mit dem nächsten Vinyasa weiter geht.

Der beständige Fluss von Atem und Bewegung lenkt Geist und Sinne nach Innen und führt zur Konzentration. Es entsteht eine Meditation in Bewegung.

Die Vinyasa Praxis führt uns durch den achtgliedrigen Yoga nach Patanjali:

  1. Yama (Ethische Empfehlungen für den Umgang mit anderen)
  2. Niyama (Selbstdisziplin)
  3. Asana (Körperhaltungen)
  4. Pranayama (Atmung)
  5. Pratyahara (Rückzug der Sinne nach Innen)
  6. Dharana (Konzentration)
  7. Dhyana (Meditation)
  8. Samadhi (Selbsterkenntnis)

Es wird deutlich, dass die Vinyasa Praxis alle Techniken des Ashtanga Yoga nach Patanjali in sich vereint (außer die ersten beiden, die im Alltag verwirklicht werden).

Vinyasa Yoga wurde ursprünglich für Familienväter entwickelt. Also für Menschen, die ein berufliches und soziales Leben haben. Mönche und andere Entsagte, die zurückgezogen in Klöstern oder in den Bergen lebten, konnten die meiste Zeit des Tages mit Yogapraxis verbringen und alle Techniken (Asana, Pranayama, Meditation…) nacheinander üben.

Ein Mensch, der im Leben steht, berufstätig ist und Familie hat, ist zeitlich eingeschränkt und kann nur wenige Stunden des Tages für die Yoga Praxis frei machen. Vinyasa Yoga gibt diesen Menschen die Möglichkeit in 1,5 bis 2 Stunden alle Yoga Techniken in ihre Praxis zu integrieren.

Krishna lehrt uns in der Bhagavad Gita, dass wir unseren sozialen Verpflichtungen nachkommen sollten. Es ist nicht der Sinn von Yoga, die Familie sitzen zu lassen, um in einer Höhle zu meditieren. Und auch Swami Sivananda hat viele Schüler wieder nach Hause in ihr Leben geschickt und ihnen geraten, dort ihre Praxis fort zu führen.

Können wir Vinyasa in die Yoga Vidya Reihe nach Swami Sivananda integrieren?

Die klassische Asana Reihe nach Swami Sivananda enthält bereits ein Vinyasa: den Sonnengruß. Wird Surya Namaskara achtsam im Fluss des Atems ausgeführt, wird dabei nicht nur der Körper erwärmt und auf die Asana Praxis vorbereitet, sondern wir bringen auch unseren Geist in einen meditativen Zustand.

Wer etwas fordernder und kreativer übt, kann verschiedene Asanas – besonders Standhaltungen – als Variationen in den Sonnengruß und ins Vinyasa mit einbauen und so die Vinyasa Praxis erweitern.

Wenn es dann in die Asanas geht, können wir Vinyasa auf verschiedene Weise integrieren:

Klassischer Weise werden die Asanas der Yoga Vidya Reihe einzeln geübt und es können zwischen den Asanas kurze Entspannungsphasen eingefügt werden. Dies muss das Vinyasa nicht unterbrechen.

Auch wenn es zwischen den Asanas keine halben oder vollen Vinyasas im Sinne des Ashtanga Vinyasa Yoga gibt, können wir die Stellungen durch achtsame, flüssige Bewegungen, die auf dem Ujjayi Atem fließen, verbinden und auch während der Entspannung mit der Aufmerksamkeit beim Atem verweilen. Das hält die Konzentration aufrecht.

Wer es etwas fordernder mag, kann die 12 Grundstellungen der Yoga Vidya Reihe (oder Variationen davon) durch halbe oder volle Vinyasas miteinander verbinden und die Entspannungsphasen weg lassen. Das hat den Vorteil, dass der Körper während der Asana Praxis warm bleibt.

Gut zu wissen:

Eine ausgeglichene Hatha Yoga Praxis bedeutet, dass Flexibilität und Kraft gleichmäßig entwickelt werden. Steht Kräftigung zu sehr im Vordergrund ist Steifheit die Folge. Wird andererseits nur Flexibilität geübt, werden die Gelenke instabil, da die muskuläre Unterstützung fehlt. Deswegen ist der Wechsel zwischen Asana (Flexibilität) und Vinyasa (Kräftigung) so lohnend.

Fazit:

Vinyasa ist eine ganzheitliche Praxis, in der wir die Asanas über einen Fluss aus Bewegung und Atmung miteinander verbinden. Sie führt uns durch den Ashtanga Yoga, wie Patanjali ihn in seinen Sutras beschreibt.

Die Yoga Vidya Reihe enthält Vinyasa bereits im Sonnengruß. Dieses Vinyasa kann während der Asanas fortgeführt werden, wenn wir diese über achtsame Bewegungen oder durch Sonnengrüße mit einander verbinden und so die Konzentration aufrecht erhalten.

Wenn Du mehr über Vinyasa Yoga lernen möchtest, findest Du bei Yoga Vidya viele passende Seminare:

…und natürlich noch viele mehr… 🙂

Om Shanti

Quellen:

Alle Seminare mit Gauri auf einen Blick →

Gauri Daniela Reich Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Vegane-Ernährungsberaterin, Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher, Lehrerin für Prävention und Gesundheitsförderung, Ausbildung in Thai Yoga Massage, Diplom Betriebswirtin.

Gauri praktiziert Yoga seit 2011. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Yoga Vidya Center Darmstadt lebte sie knapp zwei Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg, wo sie ihre Yogapraxis und Unterrichtserfahrung vertiefte. Ihr Yogaunterricht reicht von therapeutischen Yoga Stunden über schweißtreibende Vinyasa Sequenzen, exakte Ausrichtungs-Prinzipien aus dem Iyengar Yoga Stil bis hin zu klassischen Sivananda oder Yoga Vidya Stunden aller Level, die auch zu Mantrayogastunden werden können.

→ Hier findest du weitere Artikel von Gauri im Yoga Vidya Blog

 

1 Kommentar zu “Vinyasa in der Yoga Vidya Grundreihe – geht das?

  1. Viel kann man überall lesen über Yoga, in Magazinen, auf Blogs usw. Ich lese es gerne, auch wenn nicht alles immer Sinn macht, für mich jedenfalls nicht. Aber ein Blog wie dieser hier ist 1a. Diskutieren über Yoga im Sinne, welche Art besser oder schlechter wäre, ist nicht angebracht. Trotzdem möchte ich vielen (Ashtanga)-Praktizerenden (wie mir!) diesen Blog herzlichst empfehlen. Es könnte einen ein Stück weiter bringen.
    Respekt! Vielen Dank und liebe Grüße, namasté

    Hans

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.