Yoga im Sommer: Pfeil und Bogen

Jetzt, im Sommer, kommen einem vor lauter Inspiration, Sonnenlicht und Lebenskraft schon mal die wildesten Gedanken. Was könnte man nicht alles noch machen im Leben? Wie viele alte Lebensträume warten noch auf ihre Erfüllung? Und warum sollte ich nicht können, was andere um mich herum ohne große Worte in die Tat umsetzen?

Zugegeben, der Traum von einem ganz anderen Leben ist nicht unbedingt besonders yogisch. Es nützt ja auch wenig, von einem besseren Leben in Phantasien zu träumen, wenn man dabei die Chancen der Gegenwart aus dem Auge verliert.

Also hat das Yoga, um die Ich-würde-ja-wenn-Falle zu vermeiden, ein paar ganz lebenspraktische Tricks auf Lager. Pfeil und Bogen zum Beispiel: Akarna Dhanurasana. Diese Asana ist wie geschaffen dafür, die eigene Handlungsfähigkeit zu trainieren. Sie stärkt Entscheidungs- und Willenskraft, Mut und Konzentration. Und mit ein bisschen Ausdauer hilft sie einem, auf den Punkt zu kommen: Was will ich eigentlich wirklich? Was ist nur Träumerei? Und wenn ich das will, wie komme ich dahin?

Auch Meditation kann überaus hilfreich sein: sich von Zeit zu Zeit ganz bewusst in die Stille zurück zu ziehen und solche Fragen im Herzen anstatt im Kopf zu bewegen. Nicht selten kommen einem dabei die genialsten Erkenntnisse. Wenn man erst mal ganz in sich ruht, weiß man wieder ganz sicher, dass die Kraft des Universums einen immer auf dem richtigen Weg begleitet. Irgendwann, ganz plötzlich und mit vollkommener Sicherheit weiß man, dass es Zeit ist, zu handeln.

Der Pfeil ist übrigens von Alters her ein männliches Symbol: zielstrebig, kraftvoll und entschlossen. Man darf nur nicht vergessen, dass er ohne den Bogen gar nicht erst losgeflogen wäre. Und dass die Kraft des Pfeils genau genommen nichts anderes ist als die Spannkraft des Bogens. Der Bogen wiederum ist ein ur-weibliches Symbol: Biegsam, offen, geschmeidig und vollkommen ruhig. Er kennt eigentlich nur zwei Bewegungen: Die entschlossene Anspannung, die den Pfeil in Zielrichtung bringt und das Loslassen im richtigen Moment.

Na wenn das nicht Yoga ist! Anspannen, ausrichten, halten. Die eigene Kraft wahrnehmen, vertrauen, still werden, das Ziel nicht aus dem Auge verlieren – und dann entspannen, loslassen. Ab dem Moment gibt es eigentlich gar nichts mehr zu tun. Wer einmal um die Macht der eigenen Spannkraft weiß und den Mut hat, sich im richtigen Augenblick zu entscheiden, der kann ganz gelassen und in Ruhe entspannen und darauf vertrauen, dass der Pfeil sein Ziel treffen wird, so oder so. Wo immer er landet, hat er uns auf dem Weg des Lebens ein gutes Stück vorangebracht.

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Dietlind Arndt lebt und schreibt seit Januar 2010 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg.

2 Kommentare zu “Yoga im Sommer: Pfeil und Bogen

  1. Ja! Ein kluger, tiefer und schöner Beitrag.

  2. Wunderbar!

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