Was haben Ostern und Jesus mit Yoga zu tun?

Die Osterzeit besteht für viele Menschen aus putzigen Osterhasen, bunt gefärbten Eiern, Zeit mit der Familie und vielen Süßigkeiten. Dabei galt die Osterzeit ursprünglich eigentlich als besinnliche  Fastenzeit.

Hier beleuchten wir die wahre Bedeutung von Ostern, schauen uns die ursprünglichen Traditionen hinter den christlichen Feiertagen an und teilen Swami Sivanandas Worte über Jesus, dessen Botschaft er als eins mit der der heiligen Schriften sieht.

Die Osterzeit geht ursprünglich auf die vorchristlichen Fruchtbarkeitsfeste zu Ehren der Göttin Freya zurück, mit denen man den Frühling einleitete. 40 Tage vor Ostern gelten als Fastenzeit in der christlichen Tradition, eine Zeit in der man sich auf das Wesentliche besinnt und reduziert.

Besinnung auf das Wesentliche

In dieser Zeit wurden früher keine Eier verzehrt, so dass zu Ostern dann ganz viele da waren und man daraus einen Osterbrauch machte, um die Eier zu nutzen. Die Fastenzeit erinnert auch an die 40 Tage Jesu in der Wüste, eine Zeit der inneren Einkehr, bevor er in die Öffentlichkeit trat und lehrte.

Ostern dauert von Ostermontag bis Pfingsten. Die Woche vor Ostern ist die Karwoche. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an dem der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert wird. An Gründonnerstag feiern die Christen das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Am Karfreitag erinnert man sich an den Tod Jesu am Kreuz. Am Karsamstag wird am Grab Wache gehalten und am dritten Tag, an Ostersonntag gedenkt man der Auferstehung Christi.

Swami Sivananda über Jesus

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda.

Vor zweitausend Jahren inkarnierte Gott auf diesem Planeten, um der ganzen Menschheit den ruhmvollen Pfad zu ewigem Leben zu zeigen, indem Er tatsächlich das göttliche Leben auf dieser Erde lebte. Jesus war kein gewöhnlicher Mensch. Er war die göttliche Kraft und Liebe, die auf diesem Globus aus einer bestimmten göttlichen Absicht inkarniert hatte. Seine Ankunft stand im Zeichen der Erfüllung des göttlichen Plans zum Ablauf dieser Welt. Das wird aus der Art seiner Geburt und ihrem Hintergrund deutlich.

Grenzenlose Liebe und unendliches göttliches Mitgefühl

Die Art, wie Jesus lebte und lehrte, war einfach und trotzdem erhaben. Seine Lehrmethode war etwas Besonderes. Jesus war kein akademischer Gelehrter. Wenn er sprach, sprach er nur kurz, und seine kurzen Worte waren wenige. Seine Aussagen waren knapp, prägnant und fast wie Aphorismen. Aber in seinen Worten schwang eine außergewöhnliche Kraft, die nicht von dieser Welt war. Die Worte Jesu waren lebendig und brennend. Sie brannten sich in die Tiefen des Bewusstseins seiner Hörer.

Und wieso? Wenn Jesus sprach, kamen seine gesegneten Worte aus den Tiefen einer grenzenlosen Liebe und eines unendlichen göttlichen Mitgefühls, das immer und immer wieder erschauderte von einem alles verzehrenden mächtigen Verlangen, den Menschen Gutes zu tun, zu dienen, zu helfen und sie zu retten. Dieses Mitleid, zu reinigen und die Menschen zu erheben und zu retten, stellt wahrlich das heilige Herz Jesu, des Christus, dar. Diese Liebe belebte seine Worte mit einer göttlichen Kraft, die sie für immer in den Herzen seiner vom Glück begünstigten Zuhörer einschloss.

Der upanishadische Weg

Im Grunde ist die Botschaft, die er predigte, eins mit der Botschaft, die durch diese heiligen Bücher dargelegt worden ist. Es ist der Weg der Verleugnung des Fleisches und der Betonung des Geistes. Es ist der Weg, das niedere Selbst zu kreuzigen, um eine ruhmvolle Auferstehung des Geistes und die letztendliche Erhebung in die Unendlichkeit und das Hinübertreten ins Göttliche zu erreichen. Es ist kein anderer als der upanishadische Weg der Zurückweisung der Preyas und der Annahme der Sreyas, die Verneinung des Anatman und das Leben in Atman.

Jesus sagt: »Du kannst nicht sowohl Gott als auch dem Mammon dienen.« Mit anderen Worten beinhaltet seine Lehre: Trenne dich; verbinde dich. Trenne Dich von den materiellen Dingen dieser vergänglichen Welt. Verbinde Dich mit dem ewigen spirituellen Schatz des Atman. Christus lehrt uns auf diese Weise den großartigen Weg, um uns über alle Sünden und Sorgen zu erheben.

Was bedeutet das für uns?

Wir können die Auferstehung auch als inneres Geschehen sehen, bei dem wir immer wieder eine neuen Tod sterben, wenn eine Lebensphase zu Ende geht, wir das Vergangene loslassen müssen, damit wir innerlich neu auferstehen können – wie Phönix aus der Asche – und offen sind für einen Neuanfang in einem höheren, klareren Bewusstsein.

Ostern steht symbolisch auch dafür, dass das Leben in Zyklen abläuft, dass auf eine schwierige Phase auch wieder eine leichte folgt und zwar genau in demselben Ausmaß. Ostern steht dafür, dass auf Dunkelheit Licht folgt, auf den Winter das Frühjahr, auf die Trockenheit die Fruchtbarkeit.

Aus den Phasen, die uns besonders schwierig erscheinen, können wir am meisten lernen, uns nicht mehr zu identifizieren mit dem, was nicht zu uns gehört und uns dem zuzuwenden, was unsere wahre Natur ist, das allumfassende Bewusstsein, in dem auch Christus aufgegangen ist.

Es wäre schön, wenn wir Ostern in diesem Bewusstsein feiern könnten, in dem wir alle eins sind, ungetrennt und für immer frei. Da das wahrscheinlich nicht für jeden Menschen leicht sein wird, wäre ein erster Schritt, der innige Wunsch nach dieser Art der Auferstehung.

Für jetzt bleibt nur: Frohe Ostern! Was auch immer das für dich bedeuten mag.


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5 Kommentare zu “Was haben Ostern und Jesus mit Yoga zu tun?

  1. Danke für den Bericht den ich quasi heute nach Ostermontag erst gelesen habe. Ich bin in meine Heimat gereist und fühle das ich diesmal die Tage ganz anders aber intensiv erlebt habe. Genau inne habe ich gehalten überlegt altes los zu lassen um neue zu beginnen. Wie es für diese Zeit beschrieben wird. Intuitiv wohl auf dem richtig Weg. Ich mich seit Tagen vorher auch schon vorbereite loszulassen was materiellen Dinge betrifft. Mein Balkon Kasten zeigte mir über den Winter wie hart es ist draußen zu bestehen, alles wurde kark u leblos, ich ließ aber zu was musste, griff nicht ein und habe einfach nur über Monate beobachtet und siehe da, die Natur ist so viel stärker als wir immer meinen, es sprießen alte neue Pflanzen der halbe Topf ist voll mit Schnittlauch und zeigt mir wie dieser Wandel auch in uns steckt wenn wir es nur wollen. Ich Will! Ich sage Ja zum Leben!

  2. Ganseshvari

    Vielen Dank für diesen Beitrag zu diesem christlichen Fest, das ich dank der toleranten Haltung Yoga Vidya’s, meiner Begegnung mit Yoga, den Vedischen Überlieferungen von Sankaracarya und Beiträgen wie diesen gelernt habe, als wirklich bedeutend zu sehen. Und nicht als Fest von Dogmaten für Sünder.

  3. Ute M. Mertes

    Danke, fuer den tollen Text von Swami Sivananda. Genau das, was Ostern bedeutet, leben wir im Yoga. Auch Meditation gehoert zu Yoga, die uns ja auch mehr und mehr zu der Einheit fuehrt. Liebe Gedanken Ute

  4. Danke liebe Annette, wir wünschen dir schöne und besinnliche Feiertage! Om Shanti, Manisha

  5. Annette Lechthoff

    Ich freue mich über die undogmatische Sichtweise auf das Osterfest auf der Basis der christlichen und yogischen Tradition.

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