Yoga im Winter: Rauhnächte…

… nannte man früher die Tage rund um den Jahreswechsel. Und was für uns nach alten Mythen klingt, das war vor 200 oder 300 Jahren noch ganz praktischer Alltag. Die Zeit vom 24. Dezember bis zum 5. Januar war heilig. Und es hieß, in ihr könne man bereits das ganze kommende Jahr in Kurzform erkennen. In der Rauhnacht des Jahres waren die meisten Arbeiten verpönt. Undenkbar, an diesen Tagen einfach den alltäglichen Beschäftigungen nachzugehen. Stattdessen zog man sich ganz bewusst in die Familien zurück, feierte, sang und bewegte sich sehr achtsam und beobachtete, was geschah. Es hieß nämlich, jeder diese Tage stehe für einen Monat des nächsten Jahres. Und was in diesen 24 Stunden passierte, war ein Deutungsmuster für den entsprechenden Monat.

Solche alten Glaubenmuster haben unsere Ahnen irgendwann abgeschafft. Vermutlich aus guten Gründen. Was uns ja nicht davon abhalten muss, da nach ein paar hundert Jahren mal wieder genauer hinzusehen. Vielleicht steckt ja auch noch etwas Brauchbares in den alten Bräuchen? Die Yoga Techniken sind schließlich auch schon über 1000 Jahre alt.

Jedenfalls sind die Raunächte ein guter Anlass, mal ganz bewusst einen Schritt zurück treten, alle nur möglichen Sinne schärfen und genau beobachten, was passiert. Können wir eigentlich diese Zeit der Stille nach dem Fest noch so begehen, dass es eine Wohltat für uns ist? Und können wir diese Zeit der Dunkelheit, der Rituale und Traditionen auf unsere ganz eigene Art genießen? Welche unterschwelligen Emotionen, Gedanken und Verhaltensmuster tragen wir die ganze Zeit mit uns herum? Und wieviel unnötiger Ehrgeiz, Aufopferung, Unehrlichkeit und versteckter Unmut brodeln  womöglich noch in versteckten Tiefen unseres Seins?

So was hört man nicht gerne. Noch weniger gerne sieht man da genauer hin. Aber genau dazu sind die Rauhnächte eine Einladung: Die dunkle Seite ganz genau zu beobachten, hinzusehen und jeden düsteren Geist tief innen genau zu identifizieren. Ha! Erwischt! Wenn man nämlich diese versteckt wütenden Plagegeister erst mal beleuchtet hat, dann können sie mir nichts dir nichts zu Staub verfallen. Und man kann nur darüber den Kopf schütteln, wie man sich das Leben so hat schwer machen lassen.

Wenn das nicht Yoga ist! Achtsamkeit im Alltag, Zen, kleine Treppenstufen auf dem Weg des Verstehens. Solltest du vor lauter Stress zwischen den Jahren, vor Alltag oder auch Gästebetrieb und Freundeskreistreffen keine Zeit für die Asanas finden, dann ist das die gute Nachricht: Auch mit reiner Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Ehrlichkeit dir selbst gegenüber kannst du prima Yoga üben. Die weniger gute: Das ist auf keinen Fall einfacher als Asanas üben, und sollte dir das so vorkommen, dann hast du vermutlich allen Grund, misstrauisch zu sein.

Aber Yoga Praxis hin, Asanas her – diese Nacht des Jahres ist auf jeden Fall eine wundervolle Einladung zum ganzen Leben. Ohne dass man sich deswegen gleich das ganze nächste Jahr zusammen orakeln muss. Aus dem alten Brauch muss ja auch kein neuer Stress und kein weiteres überflüssiges Glaubensmuster werden.

EinText von Dietlind Arndt.

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6 Kommentare zu “Yoga im Winter: Rauhnächte…

  1. Annette Hochwarth

    Diese Praxis hat sich auch in der Anthroposophie erhalten. Ich selbst empfinde diese Zeit schon seit vielen Jahren als spirituell hochsensibel und bemühe mich, diese Zeit sehr bewusst zu erleben und spirituell zu gestalten. Ich habe vielfältige Anregungen zur vertieften Meditation in diesen wichtigen Tagen, die ich gerne weitergebe. Beispielsweise beschäftigt sich Dirk Kruse schon lange mit dem Thema der seelischen Naturbeobachtung des Jahreslaufs, wobei er der Zeit der Zwölf Heiligen Nächte, wie sie auch genannt werden, eine hohe Bedeutung zukommen lässt. In der Tat lässt sich in dieser Zeit viel Zukünftiges abspüren. Auch eine Gruppe von Menschen um den Geomanten Marko Pogacnik hat gerade wieder eine Reihe von Meditationen für jeden dieser Tage/ Nächte veröffentlicht (http://lebensnetz-geomantie.de/meditation.html), in denen besonders auf den Übergang unserer Mutter Erde in einen neuen Schwingungszustand (nach dem 21.12.12) eingegangen wird.

  2. Pingback: Dieta HCG

  3. 🙂
    DANKE

  4. Das wünsche ich dir!
    Da zeigt sich wieder die Weisheit der großen Meister/innen und Selbstverwirklichten die immer die Wichtigkeit eines Tagebuches erwähnen.
    Und die tägliche Achtsamkeit im Alltag verbunden mit der Praxis von Hatha Yoga und Meditation so dass die Achtsamkeit leicht und natürlich wird und die Zeit vergöttlicht.

  5. Premajyoti

    Om DANKE,

    dann werde ich ganz besonders achtsam sein und hoffen, das mein neues Jahr,
    ganz im Zeichen der Achtsamkeit steht!

    Ihr seid Klasse.
    Danke.

  6. Om Liebe Dieta,
    tausend Dank für diesen Artikel und die Erinnerung an altes Wissen!
    Ich finde diese alten Glaubensmuster einfach spannend! (Es hieß nämlich, jeder diese Tage stehe für einen Monat des nächsten Jahres. Und was in diesen 24 Stunden passierte, war ein Deutungsmuster für den entsprechenden Monat.) Dafür braucht es eine Menge von Achtsamkeit, doch es ist auch wie eine Abenteuerreise, eine Reise zu sich selbst.
    Ich fände es spannend, vielleicht mal so ein paar Reisen zu lesen…vielleicht gibt es ja den einen oder anderen mutigen Leser, der mal so eine Rauhnacht und seine eigene Deutung beschreibt…vielleicht gibt es dann auch wiederkehrende Muster, vereinende Erlebnisse oder ganz individuelle Geschichten.
    Mich haben die Rauhnächte auf jeden Fall eingeladen mir auch mal meine dunklen Seiten anzuschauen:-):-(. Bin also voll im Yoga drinnen und habe die Einladung zum ganzen Leben bekommen.
    Om Shanti und nochmals Danke für deinen Beitrag.
    Rukmini

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