Yoga Vidya Westerwald – Zur Ruhe kommen durch Einfachheit

Als ich das erste Mal zu Yoga Vidya in den Westerwald Ashram kam, wusste ich kaum etwas über Yoga. Yoga war für mich eine indische Gymnastik, die meine Rücken- und Nackenschmerzen linderte, die ich meinem stressigen Job zu verdanken hatte.

Da Yoga nach vielen Jahren medizinischer Experimente die erste – und einzige – Maßnahme war, die mir wirklich half, war ich davon so überzeugt, dass ich die Yogalehrer Ausbildung machen wollte. Ich hatte mich für die zweijährige Yogalehrerausbildung im Yoga Vidya Stadtcenter Darmstadt entschieden. 

Die Intensiv-Wochenenden dieser Ausbildung sollten im Westerwald Ashram stattfinden. Deshalb hatte ich noch vor Beginn der Ausbildung eine Einführungswoche bei Yoga Vidya Westerwald gebucht, um das Haus kennen zu lernen und einen guten Start zu haben.

Zu dieser Zeit arbeitete ich als Vertriebsmitarbeiterin eines weltweit tätigen amerikanischen Unternehmens. Ich fuhr einen Firmenwagen, verdiente gutes Geld, war viel unterwegs und war es gewohnt in Hotels zu übernachten, die mindestens vier Sterne hatten.

Und dann das: Mehrbettzimmer, kein eigenes Bad, Sitzen auf dem Boden, Mantrasingen. Am liebsten wäre ich sofort wieder abgereist, aber mein Interesse an Yoga war größer und so ließ ich mich darauf ein.

Es war schrecklich. Morgens hatte ich keine Zeit in Ruhe zu Duschen, mich einzucremen, meine Haare zu frisieren und all die Dinge zu tun, die ich sonst morgens im Bad veranstaltete, um mich „schön“ zu machen.

Und auch sonst musste ich mich immer beeilen, weil meistens schon die nächste Person wartete, um ins Bad zu gehen. Es gab keine langen Pausen zum Quatschen, Rauchen oder Kaffee trinken, dafür viel Programm, dessen Sinn ich damals nicht ganz erkannte.

Was sollte das ganze Rumsitzen in Stille? Und vor allem das Gesinge? Ich war doch da, um etwas zu lernen. Von Meetings in der Firma war ich es gewohnt von morgens bis abends mit Power Point Präsentationen berieselt zu werden, wenn es um Informationsvermittlung ging. Es erschien mir effektiv zu sein, die vorhandene Zeit so „sinnvoll“ wie möglich zu nutzen.

Yoga ganz und gar

Inzwischen bin ich seit fast sechs Jahren mit Yoga Vidya verbunden und habe dank toller Lehrer wie beispielsweise Swami Divyananda, Leiterin von Yoga Vidya Westerwald, und viel eigener Erfahrung den Sinn vieler Dinge erkannt.

Es war ein Segen kein eigenes Bad zu haben, in dem ich mich stundenlang um mein nicht perfektes Aussehen kümmern konnte. Denn dadurch habe ich gelernt, dass es darauf nicht ankommt. Ich konnte erkennen, dass es völlig Ok ist, wie ich aussehe und dass ich gar keine Fönfrisur brauche.

Durch das Hatha Yoga sind Rückenschmerzen, Knieprobleme, Migräne usw. weg gegangen. Das Sitzen in der Stille hat mich ruhiger und ausgeglichener gemacht und durch das Singen ist eine Freude in mir gewachsen, die ich vorher nicht kannte.

Die Einfachheit und Ruhe, die ich im Westerwald erfahren durfte, half mir zu erkennen, dass mich Geld, Wohnung, schöne Möbel, teurer Urlaub und schicke Hotels nicht glücklich machen. Aber hier saß ich mit vielen fremden Menschen in einem großen Raum auf dem Boden, wir sangen Mantras und ich weinte Tränen der Freude.

Lebensqualität und Selbstbestimmung

Das gab mir den Mut und die Kraft mich von einem Leben zu trennen, in dem ich nur eine Marionette eingebildeter Bedürfnisse war. Mein Leben hatte plötzlich einen neuen Sinn. Es ging zum ersten Mal wirklich um mich.

Nicht darum, was ich kann, was ich erreicht habe oder was ich verdiene. Sondern darum heraus zu finden wer ich bin. Heraus zu finden, was mich glücklich macht und genau das zu tun, ohne mir Gedanken darüber zu machen, was dann mit dem Firmenwagen oder dem Skiurlaub ist.

Heute lebe ich in Bad Meinberg. Mit Yogakursen und Seminaren verdiene ich genug Geld, um in einer kleinen gemütlichen Wohnung zu leben und mir ein einfaches Auto zu leisten, dass mich zu den Kunden bringt.

Für teuren Urlaub und Schnickschnack bleibt nichts übrig, dafür aber viel Zeit und Lebensqualität, die ich gegen kein Geld der Welt mehr eintauschen würde.

Und auch die Frage nach der sinnvollen Nutzung von Zeit hat sich geklärt. Swami Divyananda brachte es letzte Woche in einem kleinen Vortrag im Satsang auf den Punkt: Wir Menschen können nicht endlos Informationen speichern wie ein Computer. Wir sind fühlende Wesen.

Yoga Vidya geht auf diese Tatsache ein und erlaubt den Seminar- und Ausbildungsteilnehmern/-teilnehmerinnen, Menschen zu sein. In die Stille zu gehen, miteinander zu singen und sich in Yogastunden zu bewegen.

Ich glaube, die meisten Menschen, die schon mal eine Ausbildung bei Yoga Vidya gemacht haben, haben sich – wie ich – darüber gewundert, wie viel sie sich merken konnten. Und zwar so gut merken konnten, dass es schon während der Ausbildung in Fleisch und Blut über zu gehen scheint.

Das liegt genau daran. Am Lernen mit offenen Herzen. Am Lernen als Mensch. Und durch die Konzentration auf das, was wirklich wichtig ist: Auf das Herz und auf die kleine leise Stimme, die dir von hier aus zu flüstert, was DU WIRKLICH willst. Und um das zu hören, braucht es Ruhe. Und die kannst Du bei Yoga Vidya im Westerwald ganz leicht finden!

Und noch eins: Bei Yoga Vidya gibt es viel frisches Gemüse, Obst und Getreide in Bio-Qualität. Die Speisen werden im Westerwald nicht nur mit viel Liebe, sondern auch mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten zubereitet und das schmeckt man!

Schau mal vorbei!
Om Shanti

Ein Artikel von Gauri Reich. 

Gauri Reich ist Yogalehrerin (BYV), Ayurveda Gesundheitsberaterin (BYVG), Yoga Personal Trainerin, Inner Flow Vinyasa Teacher und Diplom Betriebswirtin. Gauri praktiziert Yoga seit 2011.

Nach ihrer Yogalehrer Ausbildung lebte sie fast 2 Jahre im Yoga Vidya Ashram Bad Meinberg. Ihr Yogaunterricht basiert auf dem Yoga nach Swami Sivananda, der mal durch fließende Elemente aus dem Vinyasa, mal durch exate Ausrichtungsprinzipien aus dem Iyengar Yoga und mal durch ganz viel Bhakti und Mantras ergänzt wird.

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Weitere Infos: 

3 Kommentare zu “Yoga Vidya Westerwald – Zur Ruhe kommen durch Einfachheit

  1. Toller Artikel!

    Sehr inspirierend!

  2. Ganeshwari

    Es ist jedesmal eine große Freude wieder zurück zu kehren und für eine gewisse Zeit in diese schöne Atmosphäre einzutauchen.

  3. Liebe Gauri!
    Ja genau, so ist es mir auch gegangen! Wenn ich bei der 2jährigen Ausbildung „das Gesinge und Gemurmle“ hätte abwählen dürfen, hätte ich das sofort gemacht! Dann hätte ich nie die wunderbare Wirkung von Mantras und Satsang erfahren! Meinen Widerstand konnte ich nicht lange aufrechterhalten, nachdem auch bei mir beim „Sitzen auf dem Boden“ und „Singen von Mantras“ dann zum ersten mal die Tränen geflossen sind. Nun bin ich auch schon fast 8 Jahre dabei und kann mir ein Leben ohne Yoga und Yoga-Vidya nicht mehr vorstellen!
    Ich bin aus dem Dickicht und Gestrüpp eines „normalen“ Lebens herausgeholt worden auf eine Art menschliche Autobahn, auf der es nun zügig vorangeht und man ganz viel Führung und Segen erfährt..
    Danke Dir, liebe Gauri, für diesen schönen Bericht und danke an ganz Yoga-Vidya!
    Parvati.

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