42 Intensive Praxis für innere Ruhe

Gelassenheit Entwickeln - Podcast für mehr Gelassenheit im Alltag

Sukadev erzählt wie er auf den bewussten spirituellen Weg gefkommen ist. Er beschreibt, wie er sich in Übungen zur Geisteskontrolle geschult hat. Wie er durch intensive Meditation und Yoga Praxis tiefe Wonne und Kraft gefunden hat – und innere Ruhe. Er beschreibt aber, wie er selbst die Grenzen der Gelassenheit durch intensive Praxis erfahren hat. Dritter autobiografischer Podcast. 42. Folge des Yoga Vidya Gelassenheits-Podcast.

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Ich hatte das letzte Mal erzählt, wie ich als Jugendlicher zum Teil verzweifelt war, weil ich erlebt habe, es gibt keine Gerechtigkeit in dieser Welt und wie ich zum Schluss gekommen bin, ich muss mich ein bisschen zurückziehen aus dieser Welt, meine Gefühlsreaktionen abzuschalten, stoische Gelassenheit zu üben, aber befriedigend war das letztlich auch nicht. Letztlich habe ich festgestellt, die Welt ist ungerecht und voller Leid, Ungerechtigkeit und Leid sind nicht abzuschalten. Ich kann zwar meine Reaktion darauf abschalten, aber befriedigend ist das nicht. Es muss etwas anderes geben. So bin ich auf eine spirituelle Suche gegangen, erst einmal um die Ungerechtigkeit in dieser Welt zu erklären. Ich bin dann auf ein Buch gestoßen von Thorwald Dethlefsen, „Das Leben nach dem Leben“ und ein weiteres Buch „Das Erlebnis der Wiedergeburt“ und dort erschien mir, ja, da gibt es eine Erklärung für die scheinbaren Ungerechtigkeiten in der Welt. Es gibt einen Sinn im Leben, eben Erfahrung des Höchsten. Und was auch immer geschieht, hilft einem, spirituell zu wachsen. Und insbesondere vor dem Hintergrund der Reinkarnation, der Wiedergeburtslehre, erschien mir das als logisch. Dann konnte ich auch akzeptieren, dass für Menschen auch ein Leben voller Leiden sein kann.

Vor dem Hintergrund von Tausenden von Leben ist dann ein Leben eine Gruppe von Erfahrungen, aber eben nicht das einzige. Und Karma über viele Leben gelebt, kann die Ungerechtigkeiten der Welt relativieren. Ich habe weiter gedacht, ich muss mich einsetzen für das Gute, aber die Welt erschien nicht mehr so ungerecht. Und auch für mich selbst erschien dann die Welt eben als eine Herausforderung, das Schicksal als Chance und als bewusstes Annehmen der Aufgaben, die das Leben mir schenkt. Es war plötzlich eine ganz andere Perspektive. Mit einem Schlag war diese Frustration, das Ohnmachtsgefühl und der Ärger über die Ungerechtigkeiten in der Welt weggeblasen. Ich dachte dann natürlich, ich müsste die ganze Welt davon überzeugen, insbesondere meine Verwandten – ich war ja erst sechzehn als ich zu diesen Büchern gekommen bin, sechzehn, siebzehn – aber ich merkte dann auch, mein Leben war ausgerichtet, um das Höchste zu erfahren.

So begann ich mit spiritueller Praxis, denn ich lernte auch in Büchern des Buddhismus, Büchern aus dem Yoga, aus der christlichen Mystik, Bücher aus der westlichen Esoterik, dort bekam ich viele Hinweise für Praktiken. Und anhand eines Buches arbeitete ich an der systematischen Herrschaft über den Geist, denn Herrschaft über den Geist sollte ja dann zur höchsten Verwirklichung führen. So nutzte ich Techniken, wie Affirmationen, Visualisierung, nutze Meditationstechniken und andere, auch Disziplinierung, man kann sagen, vom heutigen Standpunkt aus waren es vielleicht altmodische Bücher, aber es ging darum, den Geist zu disziplinieren.

Eine interessante Technik war auch, systematisch tun, was der Geist nicht will, solange bis er es will. Es gehörte ein geregelter Tagesablauf dazu. Es gehörte dazu, kalt zu duschen, auch ohne sich vorher warm zu duschen. Es gehörte Fasten dazu, Beschränkung des Schlafes und auch im kleineren Sinne Belohnung und Bestrafung des Geistes für das, was er mitmachte oder auch nicht machte. Ich merkte so, es gelang mir bis zum einem gewissen Grad, den Geist unter Kontrolle zu bringen, ich konnte den Geist etwas ruhiger machen, ich konnte insbesondere den Ärger beherrschen und ich lernte auch, andere Gefühlsregungen des Geistes zu beherrschen, und ich lernte auch, meine Wünsche zu beherrschen, und ich lernte auch, dass ich durchaus mein Leben sehr genau meistern konnte. Aber mein Geist war trotzdem unruhig. Auch wenn ich Wünsche, Ärger und Ängste beherrschen konnte und mich dazu bringen konnte, Dinge zu tun, die ich nicht mochte, in der Meditation selbst waren umso mehr Gedanken da. In der Meditation erreichte ich keine wirklich ausreichende Tiefe. Und ich merkte dann auch, ich hatte mangelnde Energie für Engagement für das Gute in der Welt und für das, was ich sonst tun wollte. So kam ich dann zum Yoga.

Im Yoga gab es dann eine intensive spirituelle Praxis, die aber weniger auf Herrschaft des Geistes, auf Disziplinierung ausgerichtet war, sondern spirituelle Praktiken, die Energie geben, die letztlich auch Freude geben, die Inspirati