An einem Freitagmorgen

An einem Freitagmorgen gehe ich, inmitten eines ziemlich milden und sonnig goldenen Oktobers, meditativ durch das Silvatikum. Das ist der schöne Park, der sich nachbarschaftlich an das Gelände von Yoga Vidya in Bad Meinberg anschmiegt.

Überall sehe ich Bäume, die in bunten Farben leuchten. Auf dem Boden liegen zahllose heruntergefallene Blätter. „Oh, das rote Blatt mit den zarten gelben Rändern ist aber schön. Das nehme ich mit“, denke ich mir still und hebe es auf. Einige Schritte weiter bleibe ich stehen und sehe ein noch schöneres Blatt. Es erscheint mir riesig. Habe ich jemals schon so ein großes Blatt gesehen? Das möchte ich auch mitnehmen. So vergehen Minuten, ohne, dass ich es merke. Meine Aufmerksamkeit ist ganz bei den Blättern. Finde ich noch buntere, schönere?

Mmmmhhh – überlege ich. Wieso empfinde ich das eine bunte Blatt schöner als das braune dunkle Blatt mit Löchern? Ist das bunte Blatt besser oder „hochwertiger“?

Vielleicht sollte ich mich noch mehr im Raga und Dwesha üben, also dem Mögen und Nichtmögen, im Yoga. Unsere Anhaftungen bzw. Abneigungen sind zwei der fünf Gründe für Kleshas, menschliches Leiden. So steht es in den Yoga Sutras von Patanjali.

Vielleicht war das Blatt mit Löchern vor einigen Tagen vielleicht noch schöner als das schöne, was ich gerade in meiner linken Hand halte. Wer oder was definiert Schönheit und Ästhetik? Ist es kulturell, oder angeboren?

Satyam Shivam Sundaram – Gott ist das Wahre, das Schöne, das Gute. Ein Satz aus dem Yoga. Einen ähnlichen Satz gibt es zum Beispiel auch in der Klassik. Dem Wahren, Schönen, Guten. – dieser Spruch steht z.B. auf der Frankfurter Oper geschrieben, der zudem in der römischen und griechischen Antike genannt wurde.

Gott lässt sich in der Ästhetik wahrnehmen. In der Empfindung des Schönen wird Gott uns manchmal besonders einfach erfahrbar.

Unendlich viele Farbnuancen.
Unendlich viele Farbkombinationen.
Unendlich viele Formen.
Jedes Blatt, genauso wie jeder Mensch und jedes Wesen ist einzigartig. Und wertvoll.

Die Natur ist das Kunstwerk Gottes – Swami Sivananda

Das ist jetzt einige Wochen her. Nun zeigt sich der Herbst von seiner regnerischen, traurigen Seite. Vergänglichkeit – November, grau, sterben. Auch das gehört dazu. Ein Kreislauf? Der Kreislauf der Natur.

Alles Maya.

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1 Kommentar zu “An einem Freitagmorgen

  1. Karlheinz Knickel

    Sooooo schön. Meine liebe Lisa 🙂

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