Ayurvedische Psychologie: Interview mit Jean-Pierre Crittin

Die ayurvedische Psychologie gehört heute zu den modernsten therapeutischen Ansätzen, weil sie sehr schnell zu mehr Lebensfreude, Wohlbefinden und Gesundheit führt.

In diesem Interview verrät Psychologe Jean-Pierre Crittin, warum die meisten psychischen Probleme entstehen, wenn Menschen den Kontakt zu ihrem Inneren verlieren und wie sie durch das Wiederherstellen des Kontaktes wieder ein erfülltes und glückliches Leben führen können.

Jean-Pierre Crittin machte nach langjähriger Tätigkeit als personzentrierter Psychologe, psychologischer Unternehmensberater und Psychotherapeut eine Ausbildung in Ayurvedischer Psychotherapie. Bis 2012 hatte er einen Lehrauftrag an der Europäischen Akademie für Ayurveda in Deutschland und ist nun Leiter des Ayurveda & Yoga Kompetenzzentrums SHAKTI in der Schweiz.

Während des diesjährigen Avurveda Kongresses 2019 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg trifft sich Jean-Pierre Crittin mit Stefanie Adams (Wissenschaftliche Studien Yoga Vidya) und spricht mit ihr über die Wege zum Selbst und das Energieprinzip im Ayurveda.

Was ist für dich das Besondere im Ayurveda und was in der Psychologie?

Crittin: Das Wichtigste was ich im Ayurveda gelernt habe: Es gibt so viele verschiedene Wahrheiten, dass du letztlich das machen musst, was für dich stimmig ist und zwar in diesem Moment. Das kann sich jederzeit ändern.

Ich bin mit meinen Fragen immer wieder zu Fachleuten gegangen und habe so viele unterschiedliche Antworten bekommen. Die Offenheit im Ayurveda ist es, die mir so gefällt.

Auch die Psychologie muss sich verändern. Psychologie muss dort entstehen, wo sie stattfindet. Dort bedeutet auch in der Zeit, in der sie stattfindet.

«Alles ist in einem Veränderungsprozess.»

Die Zeit, die Kultur und das Leben ändern sich, also muss sich auch die Psychologie ändern. Die Wurzeln sind immer noch dieselben. Die Philosophie ist und bleibt die Basis. Die Psychologie aber muss leben.

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Was bedeutet für dich das Zusammenspiel: ayurvedische Psychologie?

Crittin: Die westliche Psychologie war primär linear. Es gab eine Ursache und eine Wirkung. Ich habe aber gelernt: Es gibt keine eindeutigen Ursachen und Wirkungen. Man muss vernetzt denken und Lösungen aus dem System heraus entwickeln.

Wenn eine Klientin zu mir kommt, ist sie das System. Die Lösung sollte also von der Klientin kommen. Ich bin nur der Unterstützer. Auf diese Weise läuft der Beginn der gemeinsamen Arbeit. Um dann etwas nachhaltig zu ändern, braucht es meiner Meinung nach mehr.

Zum gängigen System wird eine neue Kategorie benötigt. Der Mensch ist ein dynamisch hoch komplexes System, welches unendlich rückgekoppelt ist, das heißt es spielen immer so viele Faktoren hinein. Wenn wir da etwas erkennen wollen, verlieren wir den Überblick.

«Ich bin bei der Systemtheorie zu dem Schluss gekommen: Vertrauen reduziert die Komplexität und Vertrauen ist letztlich Spiritualität!»

Vertrauen ist eine wichtige Basis. Das Vertrauen ist es was es ausmacht, dass eine Therapie erfolgreich sein kann. Es gibt auch spirituelle Methoden: Über das Literaturstudium der Veden bin ich auf spirituelle Methoden gestoßen und auf die Idee damit zu arbeiten.

Und damit die ganze Komplexität auf die Frage reduzieren können: Wie kann ein Klient, eine Klientin für sich den inneren Frieden herstellen und aus dem inneren Frieden heraus die Kraft entwickeln, sich selbst zu helfen.

Wir leben zum Teil immer im inneren Krieg. Wir hadern mit uns, wir hadern mit dem Schicksal. Wir sind ständig in Aktion innerlich. Aus dem Krieg heraus kann keine Lösung entstehen. Krieg ist immer destruktiv.

Was bedeutet Wachstum für dich aus ayurvedisch psychologischer Sicht?

Crittin: Wachstum übersetze ich mit Zunahme. Aus psychologischer Sicht: Zunahme der Erkenntnis, Zunahme der Weisheit, Zunahme der Lebensqualität. Die kannst du allerdings nicht erzwingen. Sie kommt, wenn du gesund lebst. Wenn du dir in der Hektik des Alltags auch die Inseln schaffst für den sattwigen Zustand, aus dem letztlich die Erkenntnis kommt.

Kannst du ein praktisches Beispiel aus deiner Chakra Selbsttherapie erläutern?

Crittin: Ein typisches Beispiel in meiner Therapie ist das Burnout. Burnout ist das Fehlen der feinstofflichen Energie. Sie ist vielleicht schon da, aber sie ist nicht mehr in Bewegung.

«Es geht darum, dass Menschen aufmerksam werden auf ihre Chakras, welche feinstoffliche Energien aufnehmen und ihrem Körper und Geist zur Verfügung stellen.»

Dieser „Mechanismus“ muss wieder in Gang gebracht werden und sie dürfen lernen aufmerksam mit ihren Energien umzugehen. Ich biete das auch in Unternehmen an, die mich anfragen.

Ich gebe dort Stresspräventionsworkshops. Mitarbeiter von Unternehmen kommen dann zu mir und ich sensibilisiere sie darauf aufmerksamer mit ihren Energien umzugehen. Sie bekommen Techniken an die Hand, ihre Energien auf eine gute Art zu nutzen.

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Wobei ich mich zuvor an die Geschäftsleitung wende, dass ich nicht bereit bin, die Leute zu schulen noch mehr Leistung in noch kürzerer Zeit zu bringen. Mir ist es wichtig, dass die Geschäftsleitung die Einsicht hat, dass Menschen keine Zitronen sind, die man auspressen kann. Ansonsten hat meine Arbeit keinen Sinn.

Um was wird es in deinem neuen Buch gehen?

Crittin: Es wird ausführlich die „Sieben Lebensfragen“ behandeln. Aus psychologischer Perspektive z.B. die Grundängste: Nähe und Distanz sind verbunden mit der Angst vor Isolation, Autonomieverlust, usw.

Die Grundangst vor dem Selbstverlust in Zusammenhang mit Chaos: Die Leute, die Freiheit lieben und plötzlich ins Chaos kommen, keine Struktur mehr haben und sich dann selbst verlieren.

Herauskommen sollte das Buch ursprünglich diesen Herbst. Aufgrund des Verlegerwechsels wird es vermutlich in einem Jahr veröffentlicht.
Die Hauptaussage aus diesem neuen Buch ist: Mit offenen Chakras kannst du dein Potential optimal nutzen. Wenn die Chakras nicht offen sind, dann handelst du automatisiert, sprich nicht deinem Potential entsprechend.

Außerdem wird die Frage behandelt: Mit welchen Mitteln kann ich diese Chakras selber beeinflussen und öffnen.

Take away für die Leser

Crittin: Der Sinn des Lebens bzw. die Lebensaufgabe besteht darin zu wachsen, sich zu entwickeln. Wenn es einem Menschen nicht gut geht, lauert die Gefahr, dass der Mensch die Entwicklung stoppt. Das macht krank.

Wenn du z.B. in Stress kommst, beginnst du zu verkrampfen, verhältst dich nach altbewährten Mustern und stellst vermutlich dein Wachstum ein. Die Natur aber möchte wachsen und holt sich ihr Recht zurück…

Vielen Dank für den spannenden Austausch!


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