Hatha-Yoga (19): Kobra

Jetzt wird’s gefährlich. Ein wenig zumindest. Dabei klingen die Kommentare zu dieser Asana in den Yoga-Stunden meistens ganz harmlos. „Öffne dich selbst und dein Herz“, heißt es da. „Erhebe deinen Geist. Sei flexibel, kraftvoll und anmutig wie eine Schlange.“ Wer die Kobra oft übt, spürt das vielleicht: Wie die Kraft im Rücken strömt und man ganz offen und kraftvoll nach vorne schauen kann.  Dann ist die Kobra ein richtiger Genuss. Aber anmutig wie eine Schlange?

Mal ehrlich. Beim Stichwort Kobra fallen einem auch ganz andere Geschichten und Begriffe ein. Solche wie „Anschleichen aus dem Hinterhalt“, „tödlicher Biss“ oder „Sündenfall“. Die Kobra hat ein ziemlich starkes Gift. Und in Indien fürchtet man sie deshalb mehr als brüllende Tiger oder Hyänen. Sie hat keine Augenlider, ist stets wachsam, kriecht fast unsichtbar über den Boden und beißt ganz plötzlich und entschlossen zu. Da kann man sich schon mal gruseln.

Was sagt uns das für’s Yoga? Sollen wir die Kobra üben, um auch blitzschnell und giftig zubeißen zu können? Nun ja. Das ist vielleicht doch etwas einseitig gedeutet. Man denke nur an die vielen uralten – und gar nicht negativen – Schlangensymbole. An den Aeskulabstab der Ärzte zum Beispiel, oder an die Schlangenbeschwörer in Indien. Oder an Shiva, der sich die Schlangen um den Hals hängt.  Die indische Gottheit hat mit den Ärzten, Schlangenbeschwörern das Eine gemeinsam: Sie beherrscht das Gift und verwandelt es in Medizin.

Wenn das keine Botschaft für den Yoga-Weg ist. Wir können die drohende Gefahr beherrschen, die da kaum sichtbar am Boden kriecht. Sprich: Wir können wahre Wunder wirken, wenn wir rechtzeitig hinsehen und bewusst und achtsam die Triebe zähmen, die irgendwo da unten am Boden lauern. Klingt toll. Nur – wie lernt man das? Vielleicht, indem man sein Rückgrad stärkt und mutig nach vorne schaut? Oder indem man sein Herz öffnet und mutig die eigenen Schwächen betrachtet? Oder, indem man lernt, flexibel und wachsam zu sein? Wie passend, dass man all das mit der Kobra so gut trainieren kann.

Dietlind Arndt lebt und arbeitet bei Yoga Vidya in Bad Meinberg

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1 Kommentar zu “Hatha-Yoga (19): Kobra

  1. Deine Beschreibungen der Assanas sind sehr kreativ und machen Spass zu lesen, ganz großartig!

    Om Shanti

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